Digitalisierung am Bau, 02.05.2018, Frank Kessler

3D-Betondruck bietet Bauindustrie neue Nachhaltigkeitskonzepte

3D-Betondruck bietet Bauindustrie neue Nachhaltigkeitskonzepte

Foto: Arup/Luca Orlandini

Dass die Errichtung von Gebäuden im 3D-Betondruck der Bauindustrie völlig neue Nachhaltigkeitskonzepte bietet, beweist das Projekt “3D Housing 05” auf der diesjäjhrigen Design-Messe in Mailand. Denn mobile Roboter erstellen mit recyceltem Beton die Gebäudekonstruktion nicht nur effizienter sondern auch deutlich nachhaltiger als im traditionellen Bauen. Außerdem werden Produktionsfehler reduziert und Bauabfälle reduziert.

Das Planungs- und Beratungsbüro Arup präsentierte auf der Mailänder Design-Messe “Salon del Mobile” gemeinsam mit CLS Architekten neue Nachhaltigkeitskonzepte für die Bauindustrie. So stellten die Entwickler unter dem Namen “3D Housing 05” ein innovatives Verfahren für den 3D-Betondruck vor. "Unser 3D-gedrucktes Gebäude beweist, dass diese Technologie ausreichend entwickelt ist, um komplexe Strukturen zu realisieren", erklärt Arup-Consultant Guglielmo Carra. So besteht das gedruckte, etwa 100 Quadratmeter große, eingeschossige Demonstrationsgebäude konstruktiv aus 35 modularen Elementen. Zum Druck der Elemente wurde ein Roboter von Cybe Construction eingesetzt, während Italcementi für die richtige Zementmischung zuständig war. Der flexible Drucker benötigte für den 3D-Druck der einzelnen Elemente jeweils 60-90 Minuten. Die effektive Bauzeit für das komplette Gebäude betrug damit lediglich 48 Stunden.

Genaueres und effizienteres Bauen mit 3D-Betondruck

Bautechnisch führt der Einsatz eines Roboters für den 3D-Druck mit dem Werkstoff Beton zu erheblichen Effizienzgewinnen bei der Errichtung von Gebäuden. "Die 3D-Drucktechnologie kann der Bauindustrie helfen, sowohl präziser, als auch effizienter zu arbeiten", erläutert Carra. Gleichzeitig ist das Projekt mit dem Druck von modularen Einzelteilen wegweisend für die Bestrebungen der Bauindustrie, einen immer höheren Automatisierungsgrad zu erreichen. Dabei reduziert auch die unmittelbare Nutzung der Planungsdaten für den 3D-Betondruck etwaige Produktionsfehler.

3D-Betondruck erlaubt besonders nachhaltiges Bauen

Aus umwelttechnischer Sicht gehört die Vermeidung von Abfällen sowie die Recyclingfähigkeit und Wiederverwendbarkeit des Materials zu den wesentlichen Vorteilen des vorgestellten Verfahrens. So lässt sich durch Einsatz der Technologie ein wesentlicher Teil der rund 25-30 Prozent in der Europäischen Union jährlich anfallenden Bauabfälle einsparen. "Die Bauindustrie muss sich von ihrer derzeitigen Wegwerfmentalität verabschieden", fordert Carra.

Leicht zu demontieren, transportabel und damit flexibel einsetzbar

Das in Mailand entstandene Gebäude ist auch deshalb besonders nachhaltig, weil es flexibel einsetzbar ist. So lässt es sich relativ einfach demontieren, in gut transportable Einzelteile zerlegen und an anderer Stelle wieder aufbauen. So wurde das jetzt anlässlich der Messe entstandene Gebäude auf dem Gran Piazza Cesare Beccaria platziert, um es nach Abschluss des Events einem anderen Standort erneut zu präsentieren.