7 von 10 Betrieben im Baugewerbe mussten Aufträge ablehnen

News , 03.04.2019 , Frank Kessler 7 von 10 Betrieben im Baugewerbe mussten Aufträge ablehnen
Foto: Roland Riethmüller

Bei über 70 Prozent der Verarbeiter im Baugewerbe kam es im Jahr 2018 aufgrund mangelnder Kapazitäten zu mindestens einer Auftragsablehnung. Besonders betroffen waren Dachdecker. Das geht aus einer aktuellen Studie hervor. Zugleich gibt es immer mehr offene Stellen im Baugewerbe. Doch trotz der Bereitschaft, die Kapazitäten weiter auszubauen, fehlt es weiterhin an geeigneten Fachkräften.

Aufgrund der sehr positiven Baukonjunktur und damit starken Auslastung in den Betrieben, mussten 71,1 Prozent der Verarbeiter im Baugewerbe im vergangenen Jahr mindestens einen Auftrag ablehnen. Das geht aus der dritten Welle des B+L Kapazitätenpanels hervor, für das im Februar und März 2019 zwischen 250 und 300 Verarbeiter befragt wurden. Insgesamt erreichte der Anteil der Betriebe mit mindestens einer Auftragsablehnung im Jahr 2018 bei den Dachdeckern sogar 80 Prozent. Gegenüber des Jahres 2017 war das eine deutliche Steigerung um 16,2 Prozentpunkte. Mit einem Anteil von über 70 Prozent folgten im vergangenen Jahr die SHK-Installateure (71,1 Prozent) und die Estrichleger (70,8 Prozent). Für beide Gewerke wurden im Jahr 2017 noch keine Daten erhoben. Die Zimmerer kamen letztes Jahr auf einen Anteil der Betriebe mit Auftragsablehnung von 67,0 und die Tischler und Schreiner von 60,5 Prozent.

Aufträge in Sanierung und Bestand werden eher abgelehnt als Neubaumaßnahmen

Bei den Trockenbauern lag der Anteil bei 69,2 Prozent. Nur bei ihnen ist - im Vergleich aller Gewerke, für die bereits im Jahr 2017 Daten erhoben wurden - kein deutlicher Anstieg im Vergleich zum Vorjahr erkennbar. Wie im Jahr 2017 wurden letztes Jahr "deutlich mehr Bestandsmaßnahmen und Sanierungsprojekte abgelehnt als Neubaumaßnahmen", berichtet die B+L Marktdaten GmbH in ihrem Panel. Allerdings sei die Zahl der Auftragsablehnungen bei Bestandsmaßnahmen und Sanierungsprojekten im Jahr 2018 rückläufig gewesen.

Offene Stellen im Baugewerbe: deutlich über 100.000

Im vergangenen Jahr gab es in allen vier Quartalen deutlich über 100.000 offene Stellen im Baugewerbe. Die Zahl schwankte zwischen 110.000 im ersten und 134.000 im letzten Quartal. Das Jahr zuvor waren die Zahlen noch deutlich geringer und erreichten mit 102.000 im dritten Quartal ihren Höhepunkt. Im Vergleich zum vierten Quartal 2017 gab es im vierten Quartal 2018 37,4 Prozent mehr offene Stellen. Das schreibt das Bonner Marktforschungsinstitut auf Basis von Zahlen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. Die Suche nach Fachkräften gestaltet sich für die Handwerksbetriebe nicht immer einfach. Laut B+L haben im Jahr 2018 mehr als ein Drittel der Betriebe ihre Kapazitäten ausweiten wollen, ohne dafür auf dem Arbeitsmarkt qualifizierte Mitarbeiter zu finden.

Zusatzproblem: Renteneintritt geburtenstarker Jahrgänge

Für mehr offene Stellen und manch eine durch Kapazitätsengpässe verursachte Auftragsablehnung dürfte künftig zusätzlich der Renteneintritt geburtenstarker Jahrgänge sorgen. Das Handwerk hat zwar wichtige Schritte zur Steigerung der Lehrlingszahlen ergriffen, aber "ohne weitere Produktivitätssteigerungen wird es ab Mitte bzw. Ende der 2020er Jahre zu weiteren Engpässen kommen", prognostiziert B+L und erwartet Steigerungen der Produktivität legiglich durch geeignete Reaktionen der Zuliefererindustrie wie die Herstellung von Produkten mit einem hohen Vorfertigungsgrad, Standardisierungen und serielles Bauen.