Baugewerbe akzeptiert neue Landesbauordnung als Kompromiss

News , 19.12.2016 , Jennifer Brandt Bild zu: Baugewerbe akzeptiert neue Landesbauordnung als Kompromiss
Foto: Roland Riethmüller

Lange hat das Baugewerbe Kritik an den Punkten der neuen Landesbauordnung für Nordrhein-Westfalen geübt. Und auch mit der kürzlich verabschieden Ausführung ist das Baugewerbe nur bedingt zufrieden. Dennoch erkennt man an, dass die eine oder andere geübte Kritik von der Politik in ihrer Ausarbeitung berücksichtigt wurde. Trotzdem stellt die neue Landesbauordnung für das Baugewerbe nur einen Kompromiss dar.

Nach deutlicher Kritik aus dem Baugewerbe ist vergangene Woche eine neue Landesbauordnung für Nordrhein-Westfalen verabschiedet worden. Doch nicht alle Beteiligten begrüßen das Ergebnis uneingeschränkt. So handelt es sich für die Baugewerblichen Verbände (BGV) nur um einen „vertretbaren Kompromiss zwischen sehr widerstreitenden Interessen“. Damit akzeptiert man zwar die Verabschiedung, ist letztlich aber auch nicht komplett zufrieden mit dem Ergebnis der neuen Landesbauordnung.

Akzeptanz für neue Landesbauordnung vorhanden, Zweifel bleiben

Vor allem ist man nicht glücklich darüber, dass einige wichtige Punkte erst zu einem späteren Zeitpunkt detailliert geregelt werden sollen. Denn erst dann werde sich in der Praxis herausstellen, ob ein Bauen und Wohnen in der Region zwischen Rhein und Weser wirklich unkomplizierter und weniger kostenintensiv werde.

Entgegenkommen bei rollstuhlgerechten Wohnungen

Worüber man sich jedoch außerordentlich erfreut zeigte, ist die Regelung hinsichtlich rollstuhlgerechter Wohnungen. Ursprünglich vertrat die Landesregierung die Meinung, dass ab einem Neubau eines Sechs-Familien-Hauses mindestens eine Wohnung rollstuhlgerecht sein muss. Gerade bei diesem Thema hatten die Bau- und Wohnungswirtschaft starke Kritik geäußert. Denn anhand von sicheren Daten ergab sich, dass der Bedarf an solchen Wohnungen nicht sicher bestätigt werde kann. Darüber hinaus würden sich die Grundrisse betroffener Häuser derart verändern, dass die Wohnungen extrem teuer für alle Bewohner werden würden. Die neue Landesbauordnung berücksichtigte diese Kritik und hat diese Regelung nun erst ab acht Wohneinheiten vorgesehen.

Politik erfreut am Einbringen der Verbände

Die durchaus auch harsche Kritik des Baugewerbes wurde demnach bei einigen Punkten nicht nur gehört, sondern auch bei der Ausarbeitung berücksichtigt. So lobte die SPD-Sprecherin Sarah Philipp die Beteiligung der Verbände während des Gesetzgebungsverfahrens als ausgesprochen „intensiv und informativ“. Für sie steht daher fest, dass dies maßgeblich an der nun verabschiedeten neuen Landesbauordnung beigetragen hat, was sich am Ende eben auch positiv auswirken wird.

Auch Baugewerbe zufrieden mit Berücksichtigung der geübten Kritik

Und auch der BGV räumt ein, dass man durchaus erfreut über die Punkte in der neuen Landesbauordnung sei, bei denen man maßgeblich auf die Bedürfnisse der Verbände eingegangen ist. In diesem Zusammenhang wurde vor allem auf das Bauen mit Holz Bezug genommen. Denn dieses wird in Zukunft in Nordrhein-Westfalen besser möglich sein. So dürfen nun Holzhäuser mit bis zu fünf Geschossen gebaut werden. Unter besonderen Umständen sogar noch höher. Damit hat die Landesregierung die Wichtigkeit des nachwachsenden Baustoffes erkannt und akzeptiert. Davon werden wiederum einige Fachbetriebe profitieren können, die sich auf diesen Rohstoff spezialisiert haben.

Das Thema der Entscheidung über Stellplätze für Autos und Fahrräder wird übrigens nicht auf Landesebene praktiziert. Hierfür sollen die Kommunen zukünftig die Entscheidungsbefugnis haben, da man davon überzeugt sei, dass hier ein viel besseres Verständnis für solche Themen vorhanden ist.

Es wurden jedoch auch Einigungen verfehlt

Nicht angenommen wurde von der Landesregierung der Wunsch des Baugewerbes, ein Freistellungsverfahren für Ein- und Zweifamilienhäuser beizubehalten. Es habe sich gezeigt, dass der Verzicht auf eine Baugenehmigung nicht bewährt hat. Dagegen sei es in einigen Fällen vielmehr zu Planungsfehlern und mangelnder Bauausführung gekommen. Stattdessen wird in Zukunft für diese Art von Wohnhäusern eine „Typenbaugenehmigung“ eingeführt.