News, 08.08.2016, Jennifer Brandt

Baugewerbe hofft auf Meisterpflicht im Wahlprogramm

Baugewerbe hofft auf Meisterpflicht im Wahlprogramm

Foto: Roland Riethmüller

Die Abschaffung der Meisterpflicht in einigen Gewerken sorgt seit nunmehr 12 Jahren für anhaltende Diskussionen. Es ist für die Mehrheit einfach nicht nachvollziehbar, wie man diese Entscheidung verantworten konnte, da mit ihr auch immer mehr Fachwissen in den entsprechenden Gewerken verloren geht. Aus diesem Grund fordert das Baugewerbe einmal mehr, die Meisterpflicht wieder gewerkeübergreifend zwingend einzuführen.

Mit der Novelle der Handwerksordnung im Jahr 2004 wurde entschieden, dass es keine Notwendigkeit mehr für einen Meisterbrief im Fliesen-, Estrichleger- sowie Betonstein- und Terrazzoherstellerhandwerk gibt. Damit war der Weg hin zu Ein-Mann-Betrieben und Solo-Selbstständigen in diesen Gewerken geebnet. 12 Jahre später zeigt sich, dass diese Entwicklung im Grunde nichts Positives nach sich gezogen hat.

Alarmierende IST-Situation

Es lässt sich beobachten, dass seit der Abschaffung der Meisterpflicht in den entsprechenden Gewerken wesentlich mehr Betriebe entstanden sind. Bei den Fliesenlegern beispielsweise gut 72.000 Betriebe, was einem Anstieg von etwa 60.000 Betrieben seit dem Jahr 2004 entspricht.

Nun könnte man erwarten, dass dadurch auch mehr ausgebildet wird. Dem ist in der Praxis leider nicht so. Denn dieser Anstieg an Betrieben, ist größtenteils denen ohne Meisterbrief zuzuschreiben. Und nach wie vor gilt der Meisterbrief als Voraussetzung zur Ausbildung von Lehrlingen. Somit zeigt sich ein Rückgang der Lehrlinge um 50 Prozent. Wo kein Fachwissen, da auch keine neuen Meisterschüler. Denn seit 2004 gibt es etwa 80 Prozent weniger Meisterschüler.

Qualität leidet auf Kosten des Kunden

Wo keine Fachkräfte, da im Umkehrschluss auch kaum noch qualifizierte Arbeit. Es zeigt sich seit 2004 auch deutlich, dass die Qualität der ausgeführten Arbeiten in den letzten Jahren zusehends eher schlechter wird. Die Zeche dafür zahlt am Ende in der Regel der Verbraucher. Denn allzu oft, ist der ausführende Ein-Mann- Betrieb oder Soloselbstständige innerhalb der Gewährleistungszeit nicht mehr existent und damit auch nicht mehr für den Schaden zu belangen. Der Kunde zahlt drauf und das Image der Branche leidet.

Unfairer Wettbewerb

Außerdem ist der Wettbewerb nicht mehr transparent und fair. Denn natürlich werden die meisterfreien Betriebe immer bessere Preise anbieten als ihre Meisterkonkurrenz. Außerdem tummeln sich neben Scheinselbstständigen auch immer wieder viele Schwarzarbeiter oder Illegale, die dann weder einen Tarif- noch Mindestlohn erhalten. Auch Sozialabgaben entfallen in diesem Fall. Demnach sind die Kosten niedriger, so dass geringere Preise angeboten werden können. Fair arbeitende Fach- und Meisterbetriebe bleiben dabei oft im ersten Schritt auf der Strecke und müssen um ihre Existenz kämpfen.

Auswege aus der Situation

Für das Baugewerbe steht fest, dass nur die Wiedereinführung der Meisterpflicht Abhilfe schaffen wird. Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbandes des Deutschen Baugewerbes machte diese Forderung gegenüber der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU/CSU (MIT) nochmals deutlich: „Der Meisterbrief sichert eine gute und qualifizierte Ausbildung für den Nachwuchs, schützt die Verbraucher und ist gelebte Mittelstandspolitik. Daher begrüßen wir die Forderung der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU/CSU, den Meisterbrief in den zulassungsfreien Handwerken wieder einzuführen, ausdrücklich. Wir hoffen, dass diese Forderung  Eingang in die Wahlprogramme für die Bundestagswahl  2017 findet.“

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