News, 29.11.2017, Frank Kessler

Baukonjunktur durch Fachkräftemangel gebremst

Baukonjunktur durch Fachkräftemangel gebremst

Foto: Roland Riethmüller

Wie entwickelt sich die Bauwirtschaft bei anhaltend hoher Baukonjunktur? Diese Frage wurde kürzlich vor allem im Hinblick auf die Entwicklung im Wohnungsbau und Nichtwohnungsbau erörtert. Dabei wurde auch der Einfluss durch Fachkräftemangel und Kapazitätsengpässen untersucht. So ist in der Baubranche im Jahr 2017 eine leichte Stagnation zu beobachten, die aktuelle Situation lässt jedoch auf eine positive Entwicklung hoffen.

Das Baukonjunktur Meeting diente der Heinze Marktforschung kürzlich wieder zum Anlass, über aktuelle Entwicklungen in Deutschland und deren Prognosen zu informieren. Um die Baukonjunktur beurteilen zu können, wird dabei auch die Bevölkerungsentwicklung in den kommenden Jahrzehnten herangezogen. Aus dieser Entwicklung lässt sich demnach ableiten, dass vor allem im Mehrfamilienhausbau mit einem Zuwachs zu rechnen sei. Im Gegensatz dazu wird der Eigenheimbau eher abnehmen, vor allem nach dem Jahr 2020. Der Druck, der im letzten Jahr durch die Flüchtlingskrise entstanden ist, wurde ebenfalls verringert. Die Zahl der Flüchtlinge hat sich im laufenden Jahr auf 170.000 reduziert.

Rückläufige Genehmigungsentwicklung im Wohnungsbau

In den ersten sieben Monaten des Jahres war die Genehmigungsentwicklung im Wohnungsbau rückläufig. Ursache dafür dürften die starken Werte des Vorjahres sein. Diese sind auf die EnEV-Verschärfung zurückzuführen. Viele Projekte wurden demnach vorgezogen. Diese Genehmigungen fehlen im laufenden Jahr. Ein weiterer Grund für die Rückläufigkeit dürfte die Bundestagswahl gewesen sein. Die Parteien versprachen Wohnungsbauförderungen. Das führte dazu, dass einige Investoren und Bauherren die neue Regierung abwarten wollten.

Der aktuelle Rückgang betrifft jedoch nicht nur den Eigenheimbau. Der Bau von Mehrfamilienhäusern ist ebenfalls betroffen. Dessen Einbruch ist allerdings auf die fehlenden Neuaufträge im Bereich der Flüchtlingsheime zurückzuführen. Die Vorzieheffekte im Jahr 2016 sind 2017 auch im Nichtwohnungsbau zu spüren. Allerdings konnte das Genehmigungsniveau trotzdem weitgehend gehalten werden. Für das Jahr 2018 wird eine deutliche Verbesserung der Genehmigungsaktivitäten erwartet.

Baukonjunktur sorgt für Kapazitätsengpässe

Die positive Entwicklung der Baugenehmigungen im Jahr 2016 hat zu erheblichen Kapazitätsengpässen in der Baubranche geführt. Gemäß einer Umfrage sind mehr als die Hälfte der Betriebe überlastet oder sogar stark überlastet. Die Folge sind Terminverschiebungen von durchschnittlich knapp drei Monaten für größere Projekte. Als weitere Folgen wurden Auftragsablehnungen und höhere Preise genannt. Den lukrativen Aufträgen wird der Vorrang gegeben. Dabei ist der Fachkräftemangel ein schwieriger Punkt. Denn wegen der hohen Baukonjunktur können nicht alle offenen Stellen besetzt werden.

Gute Aussichten

Architekten bestätigen das Ergebnis der Verzögerung in den Projektabwicklungen. Sie geben an, dass die Summe der Verzögerungen von der Genehmigung bis zum bezugsfertigen Ausbau bei durchschnittlich vier Monaten liegen würde. Ein Lichtblick ist das gleichbleibend niedrige Niveau der erloschenen Baugenehmigungen. Im Fazit wird das Jahr 2017 als "Reaktionsjahr" bezeichnet. Denn die Daten resultieren lediglich als Konsequenz auf die hohen Baugenehmigungen im Vorjahr. Aufgrund der gebremsten Entwicklung durch den Fachkräftemangel werden jedoch höhere Umsätze in den kommenden Jahren erwartet.

Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Dann melden Sie sich doch gleich an zum kostenlosen E-Mail-Newsletter und lassen sich über weitere Neuigkeiten wöchentlich informieren!