News, 09.10.2017, Frank Kessler

Bedenken der Bauindustrie trotz guter Baukonjunktur

Bedenken der Bauindustrie trotz guter Baukonjunktur

Foto: Roland Riethmüller

Die Zukunftsaussichten der deutschen Bauindustrie könnte kaum besser sein. Denn der Hochbau und Tiefbau steht momentan auf einer soliden baukonjunkturellen Basis. Doch damit das Vertrauen in den Standort Deutschland erhalten bleibt und die Baukonjunktur auch weiter floriert, müssen Investitionen auch sicher geplant werden können. Das wiederum setzt eine handlungsfähige Regierung voraus. Gleichzeitig muss das Thema Wohnungsbaupolitik und Digitalisierung weiter vorangetrieben werden.

Die derzeit gute Baukonjunktur sollte nicht ungenutzt bleiben, empfiehlt der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB). Dies sei jedoch nur möglich, wenn schnell eine handlungsfähige Regierung gebildet werde. Auch verweist HDB-Hauptgeschäftsführer Michael Knipper auf die guten Zahlen der Wohnungsfertigstellungen hin. Diese wurden mit 320.000 im laufenden Jahr seit 2009 verdoppelt. Im Bereich Mehrfamilienhäuser und Wohnheime konnte der Wert sogar verdreifacht werden. Doch noch immer werden jährlich knapp 400.000 Wohnungen benötigt. Das Problem: Aktuell stagnieren die Genehmigungszahlen im Geschosswohnungsbau. Aus diesem Grund appelliert Knipper an die Kommunen, vor allem in den Ballungszentren mehr Bauland auszuweisen. Ein großes Problem sieht er zudem in den Planungs- und Genehmigungsverfahren. Diese müssen verkürzt werden, da ein Zeitraum von drei bis sieben Jahren von Projektbeginn bis Fertigstellung inakzeptabel sei.

Serielles Bauen als neues Standbein

Vor allem das serielle Bauen gewinnt in der Bauindustrie immer mehr an Bedeutung. Dabei spielen neben der seriellen Fertigung, der Skalierbarkeit und einer stärkeren Industrialisierung des Wohnungsbaus auch eine enge Zusammenarbeit von Planung und Bauen eine große Rolle. Denn wenn alle diese Faktoren zusammenwirken, wird der Geschosswohnungsbau bezahlbar. Um dies zu ermöglichen, wurde vom Bundesverband Deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW) eine europaweite Ausschreibung auf den Weg gebracht. Diese beinhaltet die Forderung nach einem konsequenten Planen und Bauen aus einer Hand. Knipper weist ausdrücklich darauf hin, dass der HDB dieses Vorhaben gemeinsam mit der Architektenkammer und dem Bundesbauministerium unterstützt. Das Ziel der Vereinbarung ist es, eine Rahmenvereinbarung bis zum Frühjahr 2018 auszuhandeln. Fünf bis zehn Bietergemeinschaften aus den Bereichen Planung und Ausführung sollen dabei zusammengeschlossen werden. Ihre Zuständigkeit soll im Neubau von mehrgeschossigen Wohngebäuden liegen, unter Anwendung der seriellen und modularen Bauweise.

Die Digitalisierung als zentraler Schlüssel für die Bauindustrie

Für Knipper ist die Digitalisierung ein wichtiger Taktgeber für den Hochbaubereich und speziell für den seriellen Wohnungsbau. Er sieht im laufenden Branchendialog zur Digitalisierung einen wichtigen Anfang, um Building Information Modeling (BIM) an den Start zu bringen. So bekundet er auch seine Zustimmung über die Nutzung der Erfahrungswerte des Bundes aus Pilotprojekten. Denn seiner Meinung nach ist keine Zeit zu verlieren. Immerhin soll die Bauindustrie auch weiterhin international wettbewerbsfähig bleiben.

Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Dann melden Sie sich doch gleich an zum kostenlosen E-Mail-Newsletter und lassen sich über weitere Neuigkeiten wöchentlich informieren!