News, 22.02.2017, Frank Kessler

Blaue Plakette: Baugewerbe warnt vor überstürzter Einführung

Blaue Plakette: Baugewerbe warnt vor überstürzter Einführung

Foto: Roland Riethmüller

Aufgrund einer neuerlichen Debatte über die Einführung eines neuen Fahrverbotes von Dieselfahrzeugen in Innenstädten, meldet sich die regionale Wirtschaft zu Wort. Die Blaue Plakette hätte verheerende Folgen vor allem für kleine und mittlere Unternehmen, die bereits bei der letzten Verschärfung eine Menge Geld in ihren Fuhrpark gesteckt haben. Das Baugewerbe und das Fuhrgewerbe schlagen daher eine langfristige Regelung unter Einbeziehung der Wirtschaft vor, die gut geplant werden kann.

In den letzten Tagen flammte die Diskussion um weitere Fahrverbote erneut auf. Die bisherigen Regelungen scheinen nicht auszureichen, weshalb nun über neue Normen nachgedacht und diskutiert wird. Doch gerade die Wirtschaft, die am meisten von einer solchen Regelung betroffen wäre, wird nicht nach ihrer Meinung gefragt. Dies führt zu Unmut und der Angst, dass kleine und mittlere Unternehmen diese neuen Normen nicht erfüllen können. Die Fachgemeinschaft Bau Berlin und Brandenburg sowie die Fuhrgewerbeinnung Berlin-Brandenburg sprechen deshalb die Bitte aus, dass die Wirtschaft mit einbezogen wird, bevor die Blaue Plakette eingeführt wird.

Blaue Plakette gegen den Feinstaub

Die zulässigen Werte für Stickoxide in der Luft werden in deutschen Innenstädten regelmäßig überschritten. Eine neue Schadstoffnorm, die "Blaue Plakette", soll Abhilfe schaffen. Sie betrifft vor allem Dieselfahrzeuge. Die Form der Umsetzung und die zugrunde liegenden Kriterien sind noch in der Diskussion.

Vor allem das Baugewerbe ist betroffen

Das Baugewerbe verwendet zu ca. 91 Prozent Dieselfahrzeuge. Die wenigsten dieser Fahrzeuge erfüllen die Kriterien für die Blaue Plakette. Zudem sind die meisten der Fahrzeuge jünger als fünf Jahre. Diese nun umzurüsten, damit sie den Vorgaben entsprechen, wäre sehr teuer. In den nicht rentablen Fällen müssten sie sogar neu angeschafft werden. Diese immensen Kosten sind zu hoch für kleine und mittelständische Unternehmen, so Reinhold Dellmann, Hauptgeschäftsführer der Fachgemeinschaft Bau. Er spricht sich dafür aus, dass sinnvolle Lösungen gefunden werden, die für alle Beteiligten umsetzbar sind.

Langfristige Planung ist wichtig

Gert Bretschneider, Geschäftsführer der Führgewerbe-Innung ergänzt Dellmanns Ausführungen. Er weist darauf hin, dass die letzte Verschärfung der Umweltzonen noch nicht allzu lange zurückliegt. Bereits zu diesem Zeitpunkt wurden die Betriebe durch Umrüstungsmaßnahmen stark gefordert. Er denkt, dass eine überstürzte Einführung neuer Anforderungen und die Diskussion über weitere Fahrverbote nur verunsichern. Die Wirtschaftsverbände appellieren deshalb an Berlins Verkehrssenatorin Regine Günther. Sie bitten sie, sich nicht nur die Stimmen im Bundesrat zu sichern. Sie wünschen sich, dass sie das Gespräch mit der Wirtschaft sucht, um herauszufinden, welche Einführungshorizonte umsetzbar sind.

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