News, 07.02.2018, Frank Kessler

Brasilien finanziert Bauwirtschaft durch BuildCoin

Brasilien finanziert Bauwirtschaft durch BuildCoin

Foto: KfW-Bildarchiv / Bernhard Schurian

Die sogenannte Kryptowährung ist seit dem großen Hype um Bitcoin in aller Munde. Doch virtuelle Währung dient nicht nur der Spekulation sondern auch der Finanzierung. Daher plant Brasilien die Einführung von BuildCoin als alternativem Zahlungsmittel, um transparent und effizient die Infrastruktur zu modernisieren. Das digitale Geld soll die Motivation erhöhen, Fehler zu vermeiden und gleichzeitig helfen, den Fluss der Gelder transparent zu machen.

Für lange Zeit war der Begriff "Kryptowährung" lediglich einer kleinen Gruppe von Eingeweihten bekannt, die sich aus unterschiedlichen - nicht immer legalen Gründen - mit den digitalen Zahlungsmitteln beschäftigten. Seitdem der Bitcoin seinen Wechselkurs innerhalb kurzer Zeit um mehr als 100.000 Prozent steigerte, sind kryptographische Devisen jedoch überraschend in den Fokus der Öffentlichkeit getreten.

Seit 2015 entwickeln selbst Staaten ein Interesse an der Technologie, um neue Einnahmequellen oder eine alternative Devisenabsicherung zu schaffen. Den Anfang machte das von einer Inflation erschütterte Venezuela, dessen Währung innerhalb eines einzigen Jahres 97 Prozent an Wert verlor. Als zweites südamerikanisches Land plant nun seit 2017 Brasilien, durch die Kryptowährung mit dem Namen BuildCoin seine Bauwirtschaft zu finanzieren.

Sao Paolo: Stadtentwicklung mit digitaler Finanzierung durch BuildCoin

Die Region Sao Paulo an der Küste des Atlantiks ist die größte Metropole Lateinamerikas und wird auf etwa 13 Millionen Einwohner geschätzt - offiziell und ohne die zahlreichen Armutsflüchtlinge zu berücksichtigen, die illegal auf Brachflächen und in Hüttensiedlungen am Stadtrand leben. Die Infrastruktur ist vollständig überlastet, chronisch unterfinanziert und das öffentliche Transportsystem permanent nur einen winzigen Schritt vom Kollaps entfernt. Ein rasantes Bevölkerungswachstum verschärft die Lage zusätzlich. Unter diesen Voraussetzungen sind kreative Lösungen unverzichtbar, um wenigstens den Status Quo und die existierende Infrastruktur zu erhalten. Der BuildCoin kann zweifellos als eine solche Maßnahme bezeichnet werden. Seine Besonderheit ist, dass er als alternatives Zahlungssystem in der Bauwirtschaft etabliert werden soll. Das Unternehmen CG/LA Infrastructure aus den USA entwickelte im Auftrag des brasilianischen Staates seit 2017 die neue Währung, die technisch auf der Blockchain von Ethereum basiert. Zeitgleich läuft eine Crowdfunding-Kampagne, die zur Finanzierung eines ersten Projektes dient. Dabei geht es zwar "lediglich" um neue Beleuchtungskonzepte - es dient aber praktisch als Feldversuch, um Akzeptanz und Zuverlässigkeit unter Realbedingungen zu testen.

Transparenz und Effizienz als gewollter Nebeneffekt

Die neue Kryptowährung BuildCoin könnte noch aus ganz anderen Gründen dazu beitragen, die Situation zumindest mittelfristig zu verbessern. Die beteiligten Ingenieure werden nämlich ebenfalls mit BuildCoin bezahlt und profitieren somit direkt von einem Erfolg ihrer Projekte. Dieses persönliche Interesse könnte dazu führen, dass die bislang häufigen Fehlplanungen spürbar zurückgehen.

Ein weiteres Problem der Stadtverwaltung von Sao Paulo ist wie in großen Teilen Brasiliens die weit verbreitete Korruption. Große Teile der bereitgestellten Gelder verschwinden in dunklen Kanälen oder werden an Tarnunternehmen ausgezahlt, die im Gegenzug keinerlei Leistungen erbringen. Die öffentliche Blockchain könnte in diesem Umfeld eine neue und von den Kriminellen kaum erwünschte Transparenz erzeugen, durch die Transaktionen von außen schnell und leicht nachvollzogen werden können. Paradoxerweise verkehrt sich dadurch die bei Bitcoin oft betonte Anonymität in ihr Gegenteil, da bei BuildCoin die Wallets von Behörden und Unternehmen öffentlich bekannt sind und eindeutig zugeordnet werden können.

Neben der technischen Umsetzung ist das Projekt deshalb ebenfalls aus kriminalistischer und soziologischer Sicht interessant. Bei einem Erfolg könnte es sich zu einem Modell entwickeln, das weltweit Beachtung findet und von anderen Staaten mit ähnlichen Problemen übernommen wird.