Dachdeckerhandwerk mit 36 Prozent Abbruchquote

News , 21.07.2013 , Jennifer Brandt Bild zu: Dachdeckerhandwerk mit 36 Prozent Abbruchquote
Foto: Dachdecker Verband Nordrhein

Der Fachkräftemangel ist im gesamten Handwerk immer noch allgegenwärtig. Dabei ist aber auch besonders alarmierend, dass immer mehr Jugendliche ihre Ausbildung abbrechen. Speziell im Dachdeckerhandwerk ist die Abbruchquote im Verhältnis gegenüber den anderen Gewerken sehr hoch. Ein Umdenken ist damit unabdingbar. Der erste Schritt wurde beim Berufsbildungstag des Dachdeckerverbands Nordrhein getan.

Qualifizierte und engagierte Nachwuchskräfte im Handwerk zu finden, ist an sich schon schwer. Diese dann aber auch langfristig zu halten, offenbar noch viel schwerer. Im gesamten Handwerk wird eine Abbruchquote der Lehrverträge von 31 Prozent verzeichnet. Dabei sticht vor allem das Dachdeckerhandwerk mit 36 Prozent ganz stark hervor. Um hier mittel- bis langfristig Abhilfe zu schaffen, bedarf es einer konkreten Analyse für die Gründe dieser Situation.

Natürlich gibt es viele Argumente für die hohe Abbruchquote. Dennoch reicht es nicht, sie nur zu finden, sondern vielmehr auch zu vermeiden. Beim Bildungstag des Dachdeckerverbands Nordrhein wurde diesen Fragen versucht, auf den Grund zu gehen. Am Ende bedeutet schließlich jeder Ausbildungsabbruch auch erneut Kosten.

Es lässt sich vielfach erkennen, dass eine unterschiedliche Wahrnehmung von Betrieben und Auszubildenden vorhanden ist. Somit ist beiden Seiten oft gar nicht bewusst, wo die Probleme liegen und wie sie zu beheben wären. Ein Versuch, sich in die Rolle des anderen zu denken, wäre ein erster Ansatz aufeinander zuzugehen und im Voraus Konflikte zu bewältigen.

Betriebe empfinden beispielsweise Fehlzeiten und schlechte Leistungen immer wieder als sehr störend. Dabei steht außer Frage, dass dies nicht zu tolerieren ist. Dennoch muss man sich als Ausbildungsbetrieb auch fragen, was die Ursachen dafür sein könnten. Ein vom Auszubildenden als schlecht empfundenes Betriebsklima oder falsche Vorstellungen von dem gewählten Beruf könnten Gründe sein. Nur wer dies erkennt und versucht zu lösen, kann den Auszubildenden wohlmöglich doch noch bei sich halten.

Zum Thema über die Vorstellung eines Berufes sieht der Verband ganz klar auch die Schulen in der Pflicht. Bereits in der Berufsorientierung und bei Betriebspraktika müsse den Schülern klar werden, was der einzelne Beruf für Erwartungen beinhaltet.

Ein weiterer Tagesordnungspunkt des Berufsbildungstages war auch die Fokussierung auf eine einheitliche Zwischenprüfung für die Lehrlinge im Dachdeckerhandwerk.