News, 19.10.2016, Jennifer Brandt

Dämmstoffentsorgung verärgert Handwerksbetriebe

Dämmstoffentsorgung verärgert Handwerksbetriebe

Foto: Roland Riethmüller

Im Handwerk herrscht momentan großer Ärger über die aktuelle Problematik der Dämmstoffentsorgung. Denn seit Oktober dieses Jahres lassen sich Polystyrol-Dämmstoffe nicht mehr so problemlos entsorgen wie zuvor. Dass dies der Umwelt zugute kommt, ist zwar lobenswert, doch ohne vernünftige Alternativen stellt es die Handwerksbetriebe derzeit vor schwerwiegende Probleme. Aus diesem Grund haben sich nun auch verschiedenen Interessenvereinigungen gebildet, die an die Politik appellieren hier Abhilfe zu schaffen.

Hintergrund der vorherrschenden Verärgerung ist die seit 1. Oktober 2016 geltende Umsetzung einer EU-Verordnung zu nationalem Recht. Aus dieser ergibt sich, dass Polystyrol-Dämmstoffe, welche das Flammschutzmittel Hexabromcyclododecan (HBCD) enthalten, von nun an gesondert als gefährlicher Abfall entsorgt werden müssen. Demnach ist eine Verbrennung in Hausmüllverbrennungsanlagen nicht mehr möglich.

Alternative Entsorgungsmöglichkeiten fehlen

Wenn man berücksichtigt, dass HBCD noch bis zum Ende des Jahres 2014 eingesetzt wurde, kann man erahnen, wie viele solcher Dämmstoffe immer noch im Umlauf sind. Für das Handwerk steht auch überhaupt nicht zur Diskussion, dass dieser Schritt nötig und sinnvoll war. Jedoch stößt es negativ auf, dass sich die Politik offenbar keinerlei Gedanken über alternative Entsorgungsmöglichkeiten gemacht hat. Denn es zeigt sich nun, dass die Entsorgung dieser Dämmstoffe für das Handwerk sehr unangenehme Folgen hat.

Handwerk formiert sich gegen Politik

Inzwischen haben sich verschiedenen Betroffene zu Interessenvereinigung zusammengeschlossen, um ihrem Unmut Luft und auf die Brisanz des Themas aufmerksam zu machen. Die Handwerkskammer Konstanz beispielsweise hat sich mit gut 12.000 Handwerksunternehmen in fünf Landkreisen zusammengeschlossen und ein Schreiben an den Landesumweltminister gestellt. Auch die Fachgemeinschaft Bau Berlin und Brandenburg macht deutlich, dass die derzeitige Lage absolut indiskutabel für das Handwerk ist.

Letztlich kann es nicht Sinn der Sache sein, dass das Handwerk durch seine Arbeiten einen maßgeblichen Anteil an der Energiewende hat. Die Abfälle aus energetischen Sanierungen aber nicht entsorgt werden können, weil es vielerorts schlichtweg an Entsorgern und Verbrennungsanlagen für diesen nun als gefährlich eingestuften Müll mangelt.

Zukunft der Betriebe gefährdet

Immer mehr Handwerksunternehmen müssen dadurch Sanierungsaufträge ablehnen, weil sie keinerlei Möglichkeit haben, den entstehenden Dämmstoffmüll zu entsorgen. Darüber hinaus entstehen den Betrieben unter Umständen zusätzliche Mehrkosten, weil der Abfall  über längere Strecken transportiert werden muss, um einen geeigneten Entsorger oder eine Verbrennungsanlage zu beanspruchen.