Defekte Autobahnbrücken sorgen für Staus

News , 04.07.2011 , Bild zu: Defekte Autobahnbrücken sorgen für Staus
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Viele Brücken in Deutschland bröckeln, so dass die Politik bereits von Einsturzgefahr spricht. Aktuell wurde die Sauerlandlinie A45 bei Dillenburg gesperrt. An der Unterseite der 940 Meter langen Autobahnbrücke Sechshelden hatte sich eine stählerne Ankerplatte gelöst und ist direkt auf die Bahnlinie im Tal gestürzt. In Deutschland gibt es rund 120.000 Straßenbrücken, von denen 38.782 zum Netz der Autobahnen und Bundesstraßen gehören. Sie werden alle drei Jahre überprüft und bekommen dabei Zustandsnoten.

Ob nun die Standsicherheit und/oder Verkehrssicherheit gegeben ist hängt von vielen Faktoren ab. Bereits ein defektes Geländer kann eine Brücke unsicher machen. Weitere Faktoren sind Risse im Beton, Rostfraß am inneren Stahlgefüge der Brücken, Materialermüdung an den Verbindungselementen und vorzeitiger Verschleiß an den Stahllagern, auf denen sich die Brückenelemente abstützen. Bundesweit befinden sich derzeit 14 Prozent der Brücken in einem kritischen bis ungenügenden Zustand. Insgesamt 293 Bauwerke gelten nach Recherchen von "Welt Online" derzeit als besonders sanierungsbedürftig. Die meisten davon stehen in Hessen (49), Bayern (42), Baden-Württemberg (34) und Rheinland-Pfalz (29).

Doch die Zahl der Problembrücken wird weiter steigen: Allein in Nordrhein-Westfalen rechnet der Landesbetrieb Straßenbau damit, dass in den nächsten zehn Jahren mehr als 300 Großbrücken repariert, verstärkt oder sogar neu gebaut werden müssen. Dafür müssen wohl mehr als 3,5 Milliarden Euro allein in NRW bereitgestellt werden.

Wo liegen nun die Gründe für den rapiden Zerfall der Brückenbauwerke. In den 70er-Jahren war mit der enorme Zunahme des Güterverkehrs nicht zu rechnen. Lastwagen sind die Hauptverursacher der Brückenschäden. Hinzu kommt, dass die Lkw schwerer werden. So stieg das maximal zulässige Gesamtgewicht der Brummis in der EU von ehemals 38 auf bis zu 44 Tonnen. Die Belastung der Brücken durch Schwingungen steige dadurch überproportional an. Ebenso fragwürdig wie die Überladung vieler Lastwagen ist für Baufachleute auch die drastische Zunahme der Schwerlasttransporte, die nicht selten 100 bis 150 Tonnen auf die Waage bringen. Dafür braucht man Genehmigungen, doch kaum eine Spedition hat Probleme, sie zu bekommen.