News, 03.03.2017, Roland Riethmüller

Digitalisierung - Mehrheit im Handwerk sieht große Chancen

Digitalisierung - Mehrheit im Handwerk sieht große Chancen

Foto: Roland Riethmüller

Das Handwerk bewegt sich zwischen Tradition und Innovation und öffnet sich auch zunehmend der Digitalisierung. Das bestätigt eine aktuelle Studie und zeigt, in welchen Bereichen sich die Digitalisierung bereits am stärksten durchgesetzt hat. Doch es gibt noch immer Bedenken, die eine weitere Verbreitung digitaler Technologien im Handwerk hemmt. Die Verbände setzen daher verstärkt auf Aufklärung und Unterstützung.

Die Digitalisierung wird ein immer wichtigeres Thema. Auch das Handwerk beschäftigt sich zunehmend damit. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage im Auftrag des Digitalverbands Bitkom in Zusammenarbeit mit dem Zentralverband des deutschen Handwerks (ZDH). Demnach sind 81 Prozent der 504 in Deutschland befragten Handwerksbetriebe generell aufgeschlossen für die Digitalisierung.

Digitalisierung vor allem in Kommunikation und Betriebsablauf

Bei näherer Betrachtung wird jedoch deutlich, wie unterschiedlich durchdrungen die Digitalisierung in den einzelnen Handwerksbetrieben ist. Im Bereich der digitalen Kommunikation hat sie bereits Einzug in die Betriebe gehalten. So hat sich zumindest die Website bei den Handwerksmeistern zu 95 Prozent quasi flächendeckend durchgesetzt. Auch Einträge in Online-Verzeichnisse wie Google Maps, Gelbeseiten.de, werliefertwas.de und anderen gehören für 89 Prozent zur modernen Kundenakquise. Über ein Engagement in Social Media (z.B. Facebook, Xing oder Instagram) machen dagegen erst 26 Prozent der Befragten auf ihre Leistungen aufmerksam. Nur 16 Prozent nutzen Werbeanzeigen (z.B. Google Adwords) und nur 10 Prozent Online-Plattformen wie MyHammer oder eBay Kleinanzeigen.

Darüber hinaus setzen mit 58 Prozent mehr als die Hälfte der befragten Handwerksbetriebe bei der Steuerung der betrieblichen Büro- und Verwaltungsarbeiten auf eine Software-Lösung. Immerhin 46 Prozent nutzen Customer Relationship Management (CRM) für die Kundenverwaltung und 22 Prozent verwalten alle Betriebs- und Kundendokumente im Enterprise Content Management (ECM). 15 Prozent nutzt Software für die Personalverwaltung und 12 Prozent eine Lösung zur Planung und Steuerung von Unternehmensressourcen (Enterprise Ressource Planning, ERP). Das derzeit stark diskutierte Thema Building Information Modeling (BIM) ist aktuell erst bei vier Prozent der befragten Handwerksbetriebe im Einsatz. “Besonders für kleine Handwerksbetriebe sind Büro-, Verwaltungs- und Planungsarbeiten echte Zeitfresser. Software-Lösungen können die Organisation eines Betriebs enorm vereinfachen”, erklärt ZDH-Geschäftsführer Karl-Sebastian Schulte.

Eher verhalten werden dagegen digitale Technologien eingesetzt. Nur ein Viertel der Befragten bestätigten den Einsatz oder die Überlegung dazu. Nur zehn Prozent setzen Trackingsysteme ein, um zum Beispiel Lagerbestände von Werkstoffen zu ermitteln und Lieferwege am Computer nachzuverfolgen. Neun Prozent nutzen 3D-Drucker und 3D-Scanner, acht Prozent setzen auf vorausschauende Wartung, drei Prozent auf Roboter und zwei Prozent auf Drohnen. Ein weiterer Einsatz der Systeme wird aktuell in vielen Betrieben geprüft. Dabei ist das Interesse an vorausschauender Wartung offenbar besonders groß. Denn von diesen Systemen profitieren Verbraucher und Handwerker gleichermaßen. Die Systeme melden rechtzeitig, wenn Verschleißteile ausgetauscht werden müssen und verhindern damit größere Schäden. 19 Prozent der befragten Betriebe, also mehr als doppelt so viele, die diese Technologie derzeit im Einsatz haben, diskutieren die Anschaffung dieser Systeme.

Vor allem Effizienz und Flexibilität sprechen für Digitalisierung

Allgemein sind vor allem die Effizienz und Flexibilität die entscheidenden Vorteile für die Handwerker. Als Argumente für den Einsatz digitaler Anwendungen im Handwerk wurden von den befragten Handwerksbetrieben die optimale Lagerung und Verteilung der Betriebsmittel (91 Prozent), Zeitersparnis (81 Prozent), flexible Arbeitsorganisation (78 Prozent), gleichbleibende Qualität (75 Prozent) und die körperliche Entlastung (71 Prozent) angegeben. Doch auch ein geringerer Bedarf an Arbeitskräften (60 Prozent), Kostensenkungen (55 Prozent), höhere Arbeitsplatzattraktivität (48 Prozent) und geringere Umweltbelastung (40 Prozent) waren für die Handwerker ausschlaggebend.

Viele Handwerksbetriebe sind allein überfordert

Doch gleichzeitig gibt es auch kritische Stimmen. So halten 56 Prozent die Digitalisierung für eine große Herausforderung in ihrem Betrieb, die sogar 29 Prozent nach eigener Aussage nicht ohne weiteres bewältigen können. Mit 23 Prozent sieht sogar fast ein Viertel der befragten Betriebe ihre Existenz bedroht. Vor allem auch, weil immer mehr branchenfremde Unternehmen aus dem Internet auf den Markt drängen. “Die Digitalisierung ist für viele Unternehmen schwer zu durchblicken”, erklärt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder. “Umso wichtiger ist es, Hilfe anzunehmen, sich beraten zu lassen und in digitale Lösungen zu investieren.”

Die größten Hindernisse auf dem Weg in die Digitalisierung sind die Sorge um IT-Sicherheit und Datenschutz (77 Prozent), die hohen Investitionskosten (73 Prozent), mangelnde Digitalkompetenz der Mitarbeiter (67 Prozent) und allgemeine Berührungsängste der Handwerker gegenüber digitalen Technologien (64 Prozent). Doch auch die unzureichende Internetversorgung in ländlichen Gebieten wird von 44 Prozent der Befragten bemängelt. Mangelnde Praxisreife beanstanden 41 Prozent, und 17 Prozent geben ein geringes Interesse der Kunden als Hemmnis an.

Hinweis in eigener Sache

Am 1. und 2. April findet in Berlin das ersten Handwerkscamp statt. Auf dieser Veranstaltung tauschen sich Fachleute aus dem Bauhandwerk über die Zukunftsthemen des Handwerks aus. Ob Digitalisierung, 3D-Betondruck, Drohnen und vieles mehr aus, Sie geben die Themen vor. Informieren Sie sich gleich unter http://handwerkscamp.de

 

Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Dann melden Sie sich doch gleich an zum kostenlosen E-Mail-Newsletter und lassen sich über weitere Neuigkeiten wöchentlich informieren!