Digitalisierung vom Baugewerbe - Bedrohung oder Chance?

News , 27.06.2017 , Roland Riethmüller Bild zu: Digitalisierung vom Baugewerbe - Bedrohung oder Chance?
Foto: Roland Riethmüller

Werden Handwerker und Installateure in der Zukunft noch eine bedeutende Rolle spielen? Mit dieser Frage hat sich in Berlin eine Arbeitsgruppe beschäftigt und die Auswirkungen der Digitalisierung auf das Baugewerbe diskutiert. Dabei ist die Trennung in eine Zweiklassengesellschaft das eigentliche Problem der heutigen Zeit, das durch die Digitalisierung und den Fachkräftemangel weiter verstärkt wird.Wie wird die SHK-Branche in der Zukunft aussehen? Mit diesem Thema hat sich kürzlich in Berlin eine Arbeitsgruppe auf Initiative des Wincubators auseinandergesetzt, der Startup-Initiative des Dortmunder Pumpen-Herstellers Wilo. “Die Digitalisierung könnte ein Problem werden, weil die Installateure möglicherweise die Vorteile nicht sehen”, befürchtet man dort und bat daher zum Gespräch. Neben interessierten Gästen folgten Andreas Koch-Martin als Ausbildungsleiter der SHK-Innung Berlin und Matthias Niebuhr, Leiter der Rechtsabteilung bei MyHammer der Einladung. Diskutiert wurde über Technologie, Digitalisierung, Fachkräftebedarf und Nachwuchskräftesicherung. Was wird die Branche am stärksten beeinflussen?Fachkräftemangel beeinflusst die Entwicklung im BaugewerbeOb Digitalisierung oder nicht, es wird immer Installateure geben, davon ist SHK-Ausbildungsleiter Andreas Koch-Martin überzeugt. Doch nicht nur die Digitalisierung ist ein großes Thema der Branche, auch die Fachkräftesicherung wird in den kommenden Jahren zu einer immer größeren Herausforderung werden. “Viele Installateure haben aktuell so viel zu tun, dass sie das Problem nicht erkennen.” Doch woher sollen die Fachkräfte kommen, die so dringend benötigt werden? Das Ausbildungszentrum der SHK-Innung Berlin konnte die Ausbildungskapazität innerhalb von zwei Jahren verdoppeln. Doch noch immer verlassen im laufe der Ausbildung rund 50 Prozent den eingeschlagenen Weg. Von den restlichen Absolventen besteht am Ende nur die Hälfte die Prüfung, was den Bedarf bei weitem nicht decken kann.Digitalisierung fördert eine Zweiklassengesellschaft im HandwerkWird es also in Zukunft noch Installateure geben? Ja, aber es drohe die Trennung in eine Zweiklassengesellschaft, befürchtet Koch-Martin. Während die Einen gut zu tun haben und über Mundpropaganda weiterempfohlen werden, müssen sich Andere um die Kunden bemühen. Doch Marketing ist in der Branche immer noch eine sehr unbeliebte Tätigkeit. “Viele Handwerker haben keine Webseite und wenn doch, dann wird sie nicht gefunden”, erklärt MyHammer-Rechtsanwalt Matthias Niebuhr die große Herausforderung für das Handwerk. Denn während früher die Kunden zum Handwerker kamen, muss sich der Handwerker heute dem Kunden präsentieren. Wenn dann noch die Kunden die Aufträge schlecht ausschreiben, führt das zu Frustration auf beiden Seiten. Daher hilft MyHammer nicht nur Anbieter und Nachfrager zusammen zu bringen, sondern auch die Leistung optimal auszuschreiben. Denn alle Aufträge, bei denen Gefahr droht, sind heute meisterpflichtig und haben ihren Preis. Das schafft Qualität und verbessert die Zusammenarbeit zwischen Verbrauchern und Handwerkern.Denn auch das ist eine Tendenz der heutigen Zeit und bestätigt die Gefahr der Zweiklassengesellschaft im Baugewerbe: Die Industrie wird immer mehr Jobs direkt übernehmen. So werden beispielsweise heute bereits Duschkabinen von der Industrie montiert. Das ist eine Entwicklung, die weiter voranschreiten wird, mahnt Koch-Martin. Auch die bessere Koordination zwischen den Gewerken ist eine Aufgabe, die sich das Handwerk nicht aus der Hand nehmen lassen sollte. Doch leider haben viele Handwerker immer noch Angst vor der Digitalisierung und verstecken sich dahin, keine Zeit für Fortbildung zu haben. Dabei sind die Chancen für die Zukunft enorm und sollten so schnell wie möglich ergriffen werden, darüber sind sich alle einig. “Es wird Jahre dauern, die Installateure und das Handwerk zu schulen”, befürchtet auch eine Wincubator-Managerin, sieht diese Problematik jedoch auch im gesamten Mittelstand.