News, 26.10.2016, Frank Kessler

Endlich Einigung um Tariflohn für Dachdecker

Endlich Einigung um Tariflohn für Dachdecker

Foto: Roland Riethmüller

Die Fronten im Dachdeckerhandwerk waren verhärtet. Weil die Tarifverhandlungen immer wieder ergebnislos verliefen, hatte man sich auf das Schlichterverfahren geeinigt. Doch selbst der Schlichter konnte keine Einigung erzielen und hat daher einen Schlichterspruch verkündet. Den haben nun beide Tarifparteien angenommen und freuen sich über eine Anhebung von Tariflohn und Ausbildungsvergütung.

Bisher sind alle Verhandlungen der diesjährigen Tarifrunde im Dachdeckerhandwerk gescheitert. Eine Einigung der Tarifparteien aus dem Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH) und der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) im Hinblick auf einen neuen Tariflohn für Dachdecker schien aussichtslos. Daher stimmten die Tarifparteien einem Schlichtungsverfahren zu, welches am 5. Oktober diesen Jahres in Frankfurt stattfand. Als Schlichter wurde der ehemalige Präsident des Bundessozialgerichts, Dr. Matthias von Wolffen, berufen. Im Beisein von Vertretern der beiden Tarifparteien hörte er die beiden Positionen und versuchte, zwischen beiden Seiten zu vermitteln. Aufgrund der sehr unterschiedlichen Standpunkte konnte er jedoch keine Einigung erzielen und hat am Ende gemäß der Schlichtungsvereinbarung einen Schlichterspruch verkündet.

Höherer Tariflohn und Anhebung der Ausbildungsvergütung

Der Schlichterspruch sieht neben der einprozentigen Anhebung des Bundesecklohns zum 1. Oktober 2016 auf 17,82 Euro eine Laufzeit bis zum 30. April 2017 vor. Danach soll er weiter um 1,5 Prozent auf 18,08 Euro steigen mit einer Laufzeit bis zum 31. Juli 2018. In den vergangenen zwei Monaten gilt der alte Tarifvertrag für Dachdecker weiter. Als Ausgleich für diese zwei Nullmonate sind den gewerblichen Mitarbeitern mit dem Dezemberlohn jeweils 50 Euro zu zahlen. Dieser Anspruch gilt jedoch nur für Gewerkschaftsmitglieder.

Darüber hinaus wird der Teil eines 13. Monatseinkommens für gewerbliche Mitarbeiter um 26 Stunden erhöht und soll erstmals Ende 2017 ausgezahlt werden. Finanziert wird diese Zahlung durch eine Erhöhung der Arbeitgeberumlage um 1,4 Prozentpunkte ab Dezember 2016. Und auch die Auszubildenden profitieren: So steigen die Ausbildungsvergütungen um je 50 Euro monatlich in allen drei Lehrjahren und beträgt damit 650 Euro im ersten, 800 Euro im zweiten und 1.050 Euro im dritten Ausbildungsjahr. Diese Regelung gilt vom 1. Oktober 2016 bis zum 31. Juli 2018. Gleichzeitig wurde auch die Absichtserklärung zum Innovationsfond um ein Jahr verlängert.

Zustimmung des Schlichterspruchs ist tariflich bindend

Beide Vertragsparteien haben dem Schlichterspruch nun fristgerecht zugestimmt, der somit bindend als tarifliche Vereinbarung gilt. ZVDH-Präsident Karl-Heinz Schneider ist verwundert über die außergewöhnlich harte Verhandlung: “Aber wir haben mit Dr. von Wulffen einen sachkundigen und erfahrenen Schlichter gefunden sind nun erleichtert, dass sich beide Seiten auf seinen Schlichterspruch einigen konnten.” Denn es sich sicher, dass ein tarifloser Zustand bei einem erneuten Scheitern für beide Tarifparteien nicht zufriedenstellend gewesen wäre. “Vor allem die Erhöhung für die Auszubildenden, aber auch das Plus beim 13. Monatseinkommen sind deutliche Anreize für den schwierigen Nachwuchs- und Fachkräftemarkt”, betont Schneider.

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