News, 25.10.2017, Frank Kessler

Erhebliches Risiko auf Baustellen durch mangelnden Arbeitsschutz

Erhebliches Risiko auf Baustellen durch mangelnden Arbeitsschutz

Foto: CWS-boco

Arbeitsschutz wird in der Praxis nicht so ernst genommen, das ist das ernüchternde Ergebnis einer aktuellen Umfrage auf deutschen Baustellen. Demnach geht gerade bei den jüngeren Mitarbeitern Komfort oftmals vor Sicherheit. So werden vielfach Kompromisse gemacht, Teile der Schutzausrüstung einfach weggelassen und Berufskleidung selbst gewaschen. Obwohl das Risiko erheblich ist, fördern die geringe Kontrollen dieses Ergebnis eher als davor abzuschrecken.

Eine internationale Umfrage zum Thema Arbeitsschutz des Marktforschungsinsituts net-request im Auftrag des Lösungsanbieters für Textil-Services  und Waschraumhygiene CWS-boko bringt erhebliche Sicherheitsmängel ans Licht. Fast zwei Drittel der befragten Arbeitnehmer gaben an, dass ihnen der Komfort wichtiger sei als die Sicherheit. Sogar 44 Prozent der Befragten erklärten, auch schon mal wichtige Teile der Schutzausrüstung wegzulassen. Dazu gehören Helme, Handschuhe und Schutzbrillen. Auf die Frage nach dem Grund gaben sie an, dass man so bequemer arbeiten könne.

Mangelnde Kontrolle im Arbeitsschutz führt zu Nachlässigkeit

Grundsätzlich mangele es laut Studie aber auch an Kontrollen. Nur bei 57 Prozent der Befragten wird das Einhalten der Sicherheitsvorschriften alle acht Wochen kontrolliert. Damit schneidet Deutschland im internationalen Ländervergleich am schlechtesten ab. Außerdem gaben 45 Prozent an, dass ihr Chef ihnen Tätigkeiten auftragen würde, die unsicher seien.

Großes Sicherheitsrisiko durch selbst gewaschene Kleidung

In vielen Berufen ist eine professionelle Schutzausrüstung (PSA) vorschrift. Dazu zählen Elektriker, Schweißer, Mitarbeiter im Bauhandwerk und Lagerarbeiter. In Deutschland gaben 63 Prozent der Befragten an, dass sie ihre Berufsbekleidung selbst waschen müssten. Dabei stellt gerade dies ein erhebliches Risiko für die Sicherheit dar. Hitze- und Flammschutzkleidung kann sich nach dem Waschen entzünden, wenn ein Weichspüler verwendet wurde. Bei unsachgemäßem Waschen geht aber auch die Leuchtkraft von Reflektoren verloren. Außerdem gaben 25 Prozent der Befragten an, dass ihre Sicherheitskleidung nicht regelmäßig kontrolliert werden würde. "Die richtige Ausrüstung und deren Pflege sollte nur in professionelle Hände gegeben werden. Dies betrifft vor allem die Kontrolle und Instandhaltung der Schutzfunktionen der Kleidung", erklärt Werner Münnich, PSA-Experte bei CWS-boco.

Die Sicherheit ist ein Kostenfaktor

Nach der EU Arbeitsschutz-Richtlinie 89/656/EWG müssen die Unternehmen sicherstellen, dass die Sicherheitskleidung den Anforderungen gerecht wird. Die Schutzkleidung muss in regelmäßigen Abständen kontrolliert werden und die maximale Lebensdauer der Schutzkleidung überwacht werden. Münnich sagte zu diesem Thema weiter, dass bei den 63 Prozent, die ihre Wäsche selbst waschen, die Berufsbekleidung nicht sachgemäß geprüft wird und nicht richtig instand gehalten wird. Die Arbeitnehmer wurden befragt, warum sie ihre Berufsbekleidung nicht regelmäßig überprüfen lassen würden. 53 Prozent von ihnen gaben die Kosten an. Außerdem gaben 52 Prozent an, dass bei ihren Arbeitgebern die Produktivität vor der Sicherheit stehen würde. Die Umfrage fand im Juli 2017 statt. Befragt wurden auf internationaler Ebene 1.000 Mitarbeiter im Alter zwischen 20 und 60 Jahren aus Deutschland, Belgien, Polen und der Schweiz. Alle Befragten arbeiten in Bereichen, in denen die Sicherheit am Arbeitsplatz eine zentrale Rolle spielt.

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