News, 15.12.2011, Stephan Gruber

Fließestrich richtig verarbeiten

Fließestrich richtig verarbeiten

Foto: Holzmann-Bauberatung

Da die Verarbeitung von Fließestrich sehr aufwändig ist und darüber hinaus viel falsch gemacht werden kann, stellt Gerhard Holzmann, Inhaber von Holzmann-Bauberatung, seinen Verarbeitungshinweis eines Fließestrichs vor. Die Holzmann-Bauberatung ist seit dem Jahr 2000 international als Sachverständigenbüro tätig. Der Schwerpunkt des Unternehmens liegt im Bauwesen – dabei im Bereich der Baustoffe, Sanierung und Schadenermittlung in Neu- und Altbauten. Auch in der Bauberatung, -betreuung, -kontrolle und Selbstbauhilfen kann Holzmann zu Rate gezogen werden.

Reinigung des Untergrunds

Alle Verunreinigungen, wie Beton- und Mörtelreste, müssen vom Rohboden komplett entfernt werden. Mögliche Unebenheiten sollten geprüft und dann ggf. beseitigt werden. Durch den Einbau einer Wärmedämmschicht aus Dämmplatten oder Schüttungen in entsprechender Dicke sind Rohrleitungen einschließlich Befestigungen auszugleichen. Bei Keller- und Feuchträumen sollte darüber hinaus stets eine Feuchtigkeits- und Dampfsperre mit einem minimalen Sd-Wert von 1500 m gesetzt werden. Sie muss als Wanne ausgebildet verlegt werden und dann an den Eckschnitten oder Überlappungen feuchtigkeits- und dampfdicht verklebt werden.

Randdämmstreifen anbringen

An alle Wände und sonstige aufsteigende Bauteile, z.B. Rohrleitungen oder Türzargen, muss der schalldämmende Randdämmstreifen mit angeklebter Folie angeordnet werden. Dabei muss er vom tragenden Untergrund bis zur Oberkante des Belags reichen und sollte mindestens 10 mm dick sein. Erst nach der Fertigstellung des Bodenbelags darf der Randdämmstreifen abgeschnitten oder entfernt werden. Nur so können Schallbrücken durch beispielsweise Mörtelreste verhindert werden. Sollten auch noch eine Anbringung durch einen Tacker nötig sein, so dürfen die Tackernägel keinesfalls im Bereich des Estrichquerschnitts eingeschlagen werden. Sonst sind möglicherweise Schallbrückenbildungen die Folge.

Dämmschicht einbringen

Es sollten nur Dämmstoffe eingesetzt werden, die auch für Estriche zugelassen sind. Die ist wichtig für die Druckfestigkeit. In Falle des Trittschall- und Wärmedämmplatten-Einsatzes in Kombination, sollte erst die Trittschalldämmung eingebaut werden. Nur beim Ausgleich von Rohrleitungen darf und soll zuerst die Wärmedämmschicht verarbeitet werden. Hohlstellen beim vollflächigem Auflegen der Dämmplatten auf dem Untergrund sind sofort zu entfernen. Auch beachtet werden muss, dass die Verlegung der Platten im Verband und mit dichtem Stoß erfolgen muss. Bei einer mehrlagigen Verlegung müssen die Stöße gegeneinander versetzt erfolgen (Verbandverlegung). Die oberste Lage ist unter die Folie des Randdämmstreifens anzuordnen.

Trennung zwischen Dämmung und Estrich

Hierbei empfiehlt sich ein verschweißbares, gewachstes Papier (Schrenzpapier). Auf keinen Fall sollte PE-Folie dabei verwendet werden, denn diese führt zu Faltenbildung und damit zu Schwachstellen im Estrich. Die sogenannte Schrenzlage ist so zu verlegen, dass die Bahnen quer zur Fließrichtung liegen bzw. die Verlegerichtung entgegen der Fließrichtung anzuordnen ist. Dadurch presst das Eigengewicht des fließenden Estrichs die Bahnen aufeinander. Mögliche Überlappung werden dann mit Klebeband verklebt oder aber verschweißt. Der Folienstreifen des Randdämmstreifens ist nicht an das Schrenzpapier zu fixieren. Auch dies kann zu Schwachstellen des Estrichs in diesem Bereich führen. Die Abdecklage sollte lose auf die Folie des Randdämmstreifens gelegt werden und die Überlappung muss mindestens 10 cm betragen.

Meterriss ist unverzichtbar

Um den Estrich in der gewünschten Höhe einbauen zu können, ist die Anordnung eines Meterriss absolut unverzichtbar. Dieser sollte alle 2 - 3 Meter aufgezeichnet werden. Die Position des Meterrisses wird dann durch einen Rotationslaser oder eine Schlauchwaage erarbeitet. Durch diese Nivellierböckchen kann die exakte Estrichhöhe eingestellt werden.

Vor dem Gießen noch wichtig

Damit mit der Maschinentechnik jegliche Komplikationen vermieden werden können, sollten Schläuche mit einer Schlämme (Anhybritbinder oder Zement) durchgespült werden. Dadurch ist sichergestellt, dass ein besserer Mörtelfluss erreicht werden kann. Zu beachten ist allerdings, dass die Schlämme wieder aufgefangen werden müssen und keinesfalls in den Estrich verbaut werden dürfen.

Konsistenz vor dem Einbau prüfen

Die Wassermenge des Estrich ist wesentlich für das Fließverhalten des Baustoffes. Das bedeutet, dass der Estrich zwar schön fließen soll, dabei aber keine wässerigen Schlämme oder Wasser absondern darf. Es dies der Fall ist die Wassermenge definitiv zu hoch. Durch Überwässern des Produkts entstehen weiche Stellen auf der Oberfläche. Um die Konsistenz zu prüfen, empfiehlt sich die Anwendung einer 1,3 l Konsistenzprüfdose. Das Ausbreitemaß sollte in der Regel zwischen 40 und 45 cm liegen.

Einbau des Fließestrichs

Der Fleißestrich muss immer so eingebracht werden, dass die Fließrichtung des Materials immer von der oberen Schrenzlage zu der unteren verläuft. So wird die Unterfließung der Trennlagen verhindert. Den Gießschlauch muss man wie einen Gartenschlauch nutzen. Bedeutet also, durch ein gleichmäßiges Hin- und Herschwenken wird eine gleichmäßige Bodenverteilung und Kornaufbau erreicht. Gleich nach dem Erreichen des erforderlichen Niveaus des Estrichs, sollte dieser mit einer Schwabbelstange oder einem Besen durchschlagen werden. Bei Verwendung einer Schwabbelstange muss die begossene Fläche quer und längs durchgeschlagen werden. Bei Nutzung eines Besens wird vom Rand begonnen und dann die gesamte Fläche behandelt. Der Besen ist dabei leicht schräg zur Bewegungsrichtung zu halten und beim Anheben vollständig aus dem Estrich zu heben. Beim Durchschlagen es Estrich entsteht eine Wellenbewegung auf der Oberfläche, diese ist die Grundlage für eine gute Ebenheit des Estrichs und darüber hinaus homogenisiert sich dabei das Material.

Auch wenn sich bei der Nachbehandlung des Estrich die Meinungen scheiden, so ist sie durchaus ratsam. Bei Calzium-Sulfat-Estrichen sollte die Nachbehandlung in jedem Fall vorgenommen werden. Hierbei sollten die Oberfläche am Tag nach der Gießung mit einer üblichen Gerüstscharre abgescharrt oder die Oberfläche nach einigen Tagen abgeschliffen werden.

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