News, 31.07.2018, Frank Kessler

Handwerk besorgt über Rekordanstieg der zulassungsfreien Betriebe

Handwerk besorgt über Rekordanstieg der zulassungsfreien Betriebe

Foto: Roland Riethmüller

Nach dem ersten Halbjahr 2018 waren bei den Handwerkskammern von Baden-Württemberg insgesamt 133.015 Betriebe eingetragen. Damit wurde zum ersten Mal überhaupt die Schwelle von 133.000 Betrieben überschritten. Allerdings ist davon primär nur das zulassungsfreie Handwerk betroffen, in dem es keine Meisterpflicht gibt. Bei den zulassungspflichtigen Gewerken sinkt die Zahl jedoch schon seit Jahren.

Das zulassungsfreie Handwerk kann sich über einen deutlichen Zuwachs freuen. Im ersten Halbjahr diesen Jahres wurden allein in Baden-Württemberg rund 2.600 neue zulassungsfreie Betriebe eingetragen, so viel wie noch nie zuvor im gleichen Zeitraum. "Diese Entwicklung sehen wir zwiespältig: Einerseits ist es schön, dass wir so viele Handwerksbetriebe im Land haben wie noch nie. Andererseits gibt es am Markt immer weniger qualifizierte Meisterbetriebe. Das macht uns Sorgen", so Landeshandwerkspräsident Rainer Reichhold. Damit betrug die Steigerung 9,4 Prozent. Allerdings handelt es sich hier um viele Gründungen im Nebenerwerb durch Solo-Selbstständige. Hier fehlt es jedoch an Ausbildungsmöglichkeiten. Betriebe ohne Meisterpflicht werden zwar schnell gegründet, aber ebenso schnell auch wieder geschlossen. Im ersten Halbjahr 2018 waren 2.200 Betriebe davon betroffen.

Das zulassungspflichtige Handwerk sinkt unter die 80.000er Marke

Zum 30. Juni 2018 waren nur noch 79.775 Betriebe im zulassungspflichtigen Handwerk eingetragen. Damit sank zum ersten Mal die Zahl der Betriebe auf unter 80.000. Im Vergleich zu Jahresbeginn gab es 236 Betriebe weniger (-0,3%), im Zwölf-Monatsvergleich 519 Betriebe weniger (-0,6%). Im zulassungsfreien Handwerk (Anlage B1 der Handwerksordnung HwO) waren zum Ende des Halbjahres 29.324 Betriebe eingetragen. Der Wachstum setzte sich damit in diesem Bereich fort. Es wurden so viele Betriebe im ersten Halbjahr eingetragen, wie noch nie zuvor. Insgesamt betrug die Steigerung im zulassungsfreien Handwerk 9,4 Prozent. Das Handwerk für den gewerblichen Bedarf wuchs um 138 Betriebe.

Besonders betroffen ist das Ausbaugewerbe

Besonders betroffen ist das Ausbaugewerbe, denn die Handwerksbetriebe mit Meisterpflicht finden oftmals keinen geeigneten Nachfolger. Das Endergebnis ist, dass diese Betriebe mit Meisterpflicht schließen müssen. Besonders wenn die Auftragslage gut ist, werden weniger Betriebe übernommen oder neu gegründet. Reichhold sagte dazu, dass die Handwerker genügend attraktive Stellen finden würden, auch als Angestellte. Vor diesem Hintergrund sind die Initiativen zur Fachkräftebindung und Qualifikation besonders gefragt. Das betrifft vor allen Dingen das gemeinsame Projekt von Handwerk und Wirtschaftsministerium "Dialog und Strategie Handwerk 2025”.