News, 21.06.2016, Jennifer Brandt

Handwerk wird sich in Zweiklassen-Gesellschaft teilen

Handwerk wird sich in Zweiklassen-Gesellschaft teilen

Foto: Roland Riethmüller

Das Handwerk kann sich zwar derzeit über satte Auftragsbücher freuen, sollte sichjedoch nicht darauf ausruhen und die Situation als selbstverständlich hinnehmen. Denn es ist die Innovationskraft und Kompetenz eines jeden Betriebes, die ihn erfolgreicher sein lassen als seine Mitbewerber. Doch um langfristig erfolgreich zu sein, müssen Hersteller, Handel und Handwerk noch enger zusammenarbeiten, um den Kunden die optimalen Lösungen anbieten zu können.

Das Handwerk kann sich derzeit vor Aufträgen kaum retten. Das ist zwar eine sehr erfreuliche Nachricht, dennoch sollte sich jeder einzelne darüber bewusst sein, dass nur derjenige langfristig erfolgreich ist, der auch mit der Zeit geht. Denn Kunden wünschen sich heutzutage weit mehr als nur eine handwerkliche Arbeit. Vielmehr wollen sie fachmännisch beraten und in ihren Ideen unterstützt fühlen. Doch genau hier hapert es bei manchen Handwerkern, was nicht immer nur an ihnen selbst liegt.

Handwerk 2.0 bildet die Zukunft

Im Grunde erlebt das Handwerk gerade eine Revolution, weg von den klassischen Verarbeitern, hin zu einer Mischung aus Verkäufer, Berater und Verarbeiter. Damit sprechen wir quasi von einem Handwerk 2.0. Wer hier nicht mithält, wird mittel- bis langfristig wohl auf der Strecke bleiben.

Immer mehr Menschen entscheiden sich für den Bau von Eigenheimen, weil es die derzeitige Zinssituation immer noch hergibt. Doch erwartet der Kunde von seinen eingesetzten Dienstleistern längst nicht nur die Ausführung der anfallen Bau- und Ausbautätigkeiten. Vielmehr wünscht er sich eine rundum-sorglos-Betreuung von dem beauftragten Handwerksbetrieb. Dabei sind es insbesondere Innovationen, an denen der Kunde interessiert ist. Diese Kombination aus Verkäufer, Berater und Verarbeiter zu bieten, ist nicht einfach und Bedarf auch der Hilfe der Hersteller und des Handels.

Leider können viele Handwerksbetriebe diese Aufgabe gar nicht bewältigen, weil es ihnen selbst an Knowhow fehlt oder aber auch nicht ausreichend Innovationen seitens der Hersteller vorhanden sind, die sie an Kunden weitergeben könnten.

Entwicklung des Handwerks zur Zweiklassen-Gesellschaft

Handwerksmeister Thomas Graber hat die Herausforderung bereits erkannt und macht sich dafür stark, dass Hersteller, Handel und Verarbeiter viel enger zusammenarbeiten müssen, um den Kundenwunsch bestmöglich zu erfüllen. Denn er weiß, dass am Ende alle davon profitieren werden. Für Graber steht fest, dass das Handwerk der Zukunft eine Zweiklassen-Gesellschaft sein wird. Da gibt es dann die Betriebe, die im Baumarkt einkaufen und ausschließlich preisgünstige und gleichzeitig gering qualifizierte Arbeitskräfte einsetzen, um lediglich einfache Arbeiten auszuführen. Auf der anderen Seite werden die Betriebe stehen, die Fachkompetenz, Kreativität und lösungsorientierte Leistungen für ihre Kunden bereithalten möchten. Diese wollen dann wiederum in qualitativ hochwertiger Arbeit ausgeführt werden.

Zusammenarbeit von Hersteller, Handel und Verarbeiter unabdingbar

Um vor allem der letzten Gruppe den Rücken zu stärken, bedarf es dann aber auch an der Unterstützung durch Hersteller und Handel. So müsse Hersteller auch wieder mehr Spezialprodukte und Innovationen anbieten. Die derzeitige Entwicklung hin zu Universalprodukten erschwert die kreative Arbeit immens. Natürlich erhöhen Universalprodukte die Marge durch Verringerung von Kosten, doch ist dem Kunden damit nicht geholfen. Lediglich der Handwerker, der auf Altbewährtes setzt, wird hier unterstützt. Dass ihre Rendite dabei unter Umständen geringer ausfällt, weil kostenintensivere Spezialaufträge ausbleiben, ist die entsprechende Folge für diejenigen Betriebe, die eigentlich durch Kompetenz und Innovation hervorstechen möchten.

Und auch der Handel muss umdenken. Denn auch hier muss wieder mehr Fachpersonal eingesetzt werden, um eine entsprechende Beratungsleistung gegenüber den Handwerksbetrieben vorweisen zu können. Leider haben immer weniger Verkäufer im Fachhandel wirklich fundiertes Wissen, um die Verarbeiter entsprechend zu unterstützen.

Das Handwerk wird nur dann innovativ, kreativ und lösungsorientiert arbeiten, wenn alle am gleichen Strang ziehen. Daher sollte sich jeder einzelne bewusst machen, dass er den anderen in der Kette braucht und so alle am Ende profitieren werden.

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