News, 08.05.2018, Frank Kessler

Ist die Baukonjunktur im Hochbau am Ende?

Ist die Baukonjunktur im Hochbau am Ende?

Foto: Roland Riethmüller

Die gute Baukonjunktur im deutschen Hochbau hat im Jahr 2018 einen leichten Dämpfer erfahren. Demnach wird nur noch ein Wachstum von 2,0 Prozent erwartet. Im Jahr 2017 waren es noch 2,6 Prozent. Dabei war bisher primär der Wohnungsbau für den stetigen Anstieg verantwortlich. Doch auch hier wird ein weiterer Rückgang erwartet. Einige Indikatoren sprechen sogar von einer möglichen Entwicklung einer Immobilienblase.

Bereits seit vier Jahren hält die gute Baukonjunktur im Hochbau an. Eine aktuelle Studie der internationalen Strategieberatung EY-Parthenon prognostiziert jedoch erstmals ein Abflachen des Wachstums im laufenden Jahr von 2,6 Prozent auf 2.0 Prozent ergeben. Das soll sich auch in den folgenden Jahren fortsetzen. Demnach wird für das Jahr 2019 nur noch mit einem Wachstum von 1,3 Prozent gerechnet. Für das Jahr 2020 wird ein Absinken des Wachstums auf 0,7 Prozent prognostiziert. Auch das Volumen neuer Baugenehmigungen ist nur knapp höher als im Vorjahr. Ausnahme sind die Baugenehmigungen für Ein- und Zweifamilienhäuser, denn hier gingen die Zahlen um 0,7 Prozent zurück. Trotz allem rechnet man weiterhin mit einem Wachstum in den Großstädten, was auf die guten Finanzierungsbedingungen und den weiterhin bestehenden Wohnungsmangel zurückzuführen ist. "Das Volumen neuer Wohnungsbaukredite ist leicht rückläufig und auch das Wachstum der Baugenehmigungen lässt nach. Daher müssen wir mit einem geringeren Wachstum insbesondere im privaten Wohnungsbau rechnen," erläutert Björn Reineke, einer der für den Bausektor verantwortlichen EY-Parthenon-Partner.

Ansteigende Baupreise

In den Jahren 2011 bis 2016 sind die Baupreise stärker gestiegen als die Verbraucherpreise. Ursachen waren die geringe Inflationsrate und der Auftragsstau in der Baubranche. Obwohl die Inflation im Jahr 2017 um 1,6 Prozent leicht angestiegen ist, setzte sich dieser Trend fort. Für Neubauten stiegen im vergangenen Jahr die Preise um 3,0 Prozent bis 3,3 Prozent. Für Renovierungen konnte eine Preissteigerung von 3,3 Prozent verzeichnet werden. EY-Parthenon erwartet auch für die kommenden Jahre Preissteigerungen, die die Inflationsrate übersteigen. In den vergangenen Jahren sind die Kaufpreise für Immobilien in den Ballungsräumen stärker angestiegen als die Mietpreise. Gute Renditen seien aufgrund der niedrigen Zinsen aber immer noch möglich. Das wird sich jedoch ändern, wenn die Zinsen wieder ansteigen, erläutert EY-Parthenon-Partner Volkmar Schott.

Das Sparmotiv Wohneigentum ist den Verbrauchern wichtig

Im Jahr 2017 blieb die Sparquote im Vergleich zum Vorjahr konstant und lag bei 9,7 Prozent. Das Einkommen stieg um 3,9 Prozent. Somit konnte sich die anhaltende Entwicklung steigender Ersparnisse fortsetzen. Dabei ist eines der wichtigsten Sparmotive der Deutschen immer noch das Wohneigentum. Das gaben in einer Umfrage 40,7 Prozent der Befragten als wichtigsten Spargrund an.