News, 23.02.2017, Roland Riethmüller

Neue Handwerkertypen und wie sie die Baubranche verändern

Neue Handwerkertypen und wie sie die Baubranche verändern

Foto: Roland Riethmüller

In den nächsten Jahren stehen in der Baubranche erhebliche Veränderungen an. Denn drei große Trends beeinflussen aktuell nachhaltig das Handwerk. Eine aktuelle Studie hat die Handwerkerlandschaft analysiert und im wesentlichen in vier neue Handwerkertypen segmentiert. So sind die Experten überzeugt, dass es einige Handwerker durch die sich wandelnden Rahmenbedingungen in der Zukunft schwer haben werden.

Basierend auf den bereits zuvor beschriebenen drei Trends zum Wandel im Handwerk hat die Unternehmensberatung OC&C in ihrer aktuellen Studie “Renovierungsbedarf” über 1.250 Handwerksbetriebe aus dem Elektro- und SHK-Handwerk in Deutschland, Frankreich und Polen analysiert und dabei eine Vielzahl an Typen im Handwerk ermittelt. Sie unterscheiden sich teilweise erheblich im Bezug auf das Geschäftsmodell und Service-Angebot, also ob auch Planung, Beratung und Projektmanagement angeboten wird. Darüber hinaus entscheiden sich vor allem die digitalen Kompetenzen, also ob sie digitale Kundenakquise betreiben, eCommerce nutzen oder Building Information Modeling (BIM) im Einsatz haben. Doch auch die künftige Bereitschaft zur Investition und Nutzung dieser digitalen Kanäle für Marketingzwecke, Informationsrecherche oder Preisvergleich grenzt die Betriebe voneinander ab. So wurden am Ende vier Handwerkstypen ermittelt, die die höchste Relevanz in der Handwerkerlandschaft hatten.

4 Handwerkstypen bestimmen die Baubranche

Demnach machen rund 15-20 Prozent die “Helfer für kleine Montagen” aus. Diese Handwerker arbeiten hauptsächlich für Privatkunden und führen ohne Beratung und Einfluss auf die Produktauswahl vordefinierte Aufträge aus. Dabei haben rund 85 Prozent ihrer Aufträge weniger als 10.000 Euro Auftragswert. Als nicht-spezialisierte Generalisten haben sie kaum digitale Kompetenzen und sind auch nicht daran interessiert, dies zu ändern.

Rund 25-33 Prozent der Handwerker sind ein “klassischer Gewerkespezialist” mit breitem Serviceangebot. Auch diese Handwerker fokussieren sich eher auf Privatkunden und haben eher kleine Aufträge. Rund 75 Prozent ihrer Aufträge haben einen Auftragswert unter 10.000 Euro. Sie arbeiten selbständig und sind an einer Zusammenarbeit mit anderen Handwerkern kaum interessiert. Ihre digitalen Kompetenzen sind ebenso gering wie der Wunsch, sie weiter auszubauen.

Im Gegensatz dazu hat der “digital-begeisterte Spezialist” bereits eine hohe digitale Kompetenz, die er weiter ausbauen möchte. Rund 15 bis 20 Prozent der Betriebe sind Gewerkespezialisten, die jedoch auch gewerbeübergreifend tätig sind. Sie bieten ein breites Serviceangebot und arbeiten in Netzwerken oder innovativen Modellen. Rund 80 Prozent seiner Aufträge liegen über 10.000 Euro Umsatz.

Der vierte Typus ist der “moderne Alleskönner”, der als Generalist oder auch als sogenannter mobiler Generalist über gewerkespezifische wie gewerkeübergreifende Fähigkeiten verfügt. Auch er arbeitet meist in Netzwerken oder innovativen Modellen und bietet ein breites Serviceangebot für Privat- und Geschäftskunden. 80 Prozent seiner Aufträge übersteigen 10.000 Euro. 20 bis 25 Prozent der Betriebe entsprechen diesem Typus.

Digitalisierung wird unterschätzt

“In Deutschland sind traditionelle Gewerkespezialisten noch der am weitesten verbreitete Handwerkertyp”, bestätigt OC&C-Partner und Co-Autor Axel Schäfer. “Deren Bedeutung wird jedoch nicht weiter zunehmen. Denn der Fokus auf gewerkespezifische Produkte wird sie einschränken.” Viele dieser Betriebe verkennen noch die Chancen der digitalen Möglichkeiten. So werden vor allem die “digital-begeisterten Spezialisten” und “moderne Alleskönner” an Bedeutung gewinnen, prognostiziert die Studie. Beide haben einen hohen Einfluss auf die Produktwahl und bleiben damit trotz des wachsenden Einflusses der Bauherren relevant. Sie können gewerkeübergreifende Projekte umsetzen und profitieren von digitalen Angeboten wie Planungs- und Konfigurationstools. Das setzt wiederum die Hersteller und Händler unter Druck, zielgruppengerecht zu handeln.

 

Hinweis in eigener Sache

Am 1. und 2. April findet in Berlin das ersten Handwerkscamp statt. Dieses Barcamp richtet sich gezielt an Fachleute aus dem Bauhandwerk. Die Teilnehmer unterschiedlicher Gewerke tauschen sich dabei über Digitalisierung, 3D-Betondruck, Drohnen und vieles mehr aus. Nähere Infos unter http://handwerkscamp.de

 

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