Neuer klimaschonender Zement im Praxistest

News , 30.04.2019 , Frank Kessler Neuer klimaschonender Zement im Praxistest
Foto: Holcim (Schweiz)

Die Produktion von Zement ist ressourcenintensiv. Aus der Schweiz kommt nun ein neues Verfahren, bei dem durch die Einsparung von Klinker weniger CO2-Emissionen verursacht werden. Wie sich der neue Werkstoff verhält, soll ein Praxistest zeigen. Dieser findet zurzeit auf der Baustelle B12 Illside in Nüziders statt. Hier entsteht die Firmenzentrale von Gantner Elektronik und Tomaselli Gabriel Bau.

Bei dem Bau der Firmenzentrale stand Nachhaltigkeit und Innovation im Vordergrund. Das Gebäude ist 30 Meter hoch und soll 200 Arbeitsplätze beinhalten. In die Verglasung sind 180 Quadratmeter Photovoltaikzellen integriert und das Dach ist begrünt. Bei der Wahl der Baustoffe wurde ebenfalls auf Nachhaltigkeit und Innovation gesetzt. Ein Teil des Gebäudes besteht aus einem neu entwickelten Zementbaustoff. Das Besondere daran ist, dass der Klinkeranteil bei nur 50 Prozent liegt. Das ist weltweit der niedrigste Wert. Der Durchschnitt liegt in der Regel bei 70 Prozent Klinker.

Schiefer, Kalkstein und Flugasche statt Klinker

Das Material des Ersatz für Klinker ist ein Holcim-Produkt aus gebranntem Schiefer, Kalkstein und Flugasche. Hinzu kommen Betonzusatzmittel, die sorgfältig abgestimmt wurden. Alle Tests hinsichtlich Dauerhaftigkeit und Korrosion hat der Betonstoff bestanden. "Nun geht es darum, die Ergebnisse in der Praxis zu bestätigen", schildert Peter Kruspan, Produktingenieur bei Holcim Schweiz. "Wir wollen noch besser verstehen, wie sich der Beton mit dem neuartigen Zement unter realen Bedingungen verhält." Für die Tests wurden eigens von der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich hochauflösende Sensorsystem in Wände platziert. Diese Sensoren sollen die Daten des ph-Wertes, der Chloridkonzentration und der Feuchte ständig auslesen. Ein niedriger Klinkeranteil kann die Karbonatisierung und die damit zusammenhängende Korrosion der Stahlbewehrung im Beton verstärken." In diesem Projekt haben wir die einzigartige Gelegenheit, gemeinsam mit Fachexperten sowohl die Herstellung von klinkerreduzierten Zementen der neuesten Generation im Beton zu optimieren als auch deren Einfluss in Bauteilen kontinuierlich zu überwachen - und das in durchgehend industriellem 1:1-Maßstab", sagt Holcim-Produktingenieur Kruspan. "Erste fundierte Auswertungen aller Analysen und Daten erwarten wir ab 2020." Holcim geht davon aus, dass der Klinkeranteil im Zement noch weiter gesenkt werden kann. Ein klimaschonender Zement könnte dann in Zukunft flächendeckend eingesetzt werden und viel zur Nachhaltigkeit beim Bau beitragen.