News, 25.07.2018, Frank Kessler

Schwierige Entsorgung - Bauunternehmer schlagen Alarm

Schwierige Entsorgung - Bauunternehmer schlagen Alarm

Foto: Roland Riethmüller

Der Bauboom hält nach wie vor an, und immer noch werden händeringend geeignete Gebiete für neue Wohngebiete gesucht. Doch es gibt noch ein weiteres gravierendes Problem: Die Verkehrsinfrastruktur lässt deutlich zu wünschen übrig. So beklagen die Bauunternehmer die langen Wege zur Entsorgung des Erdaushubs und die hohen Preise. Denn fest steht auch, dass es zu wenig Entsorgungsmöglichkeiten für Bauaushub gibt.

Überall im Rhein-Main-Gebiet wird gebaut und gebuddelt. Die Kommunen und die Städte suchen nach neuen Flächen, die zum Bau von Wohngebiete geeignet sind. Doch zeitnah muss auch die Verkehrsinfrastruktur ausgebaut werden, denn Staus und verstopfte Straßen stehen auf der Tagesordnung. Diesen Umstand machen sich die Parteien für den anstehenden hessischen Landtagswahlkampf zunutze. Dabei vergessen sie, dass es an Entsorgungsmöglichkeiten für den Bauaushub fehlt, der an jeder Baustelle anfällt. Aus diesem Grund fand Anfang Juli eine Krisensitzung in Gießen zwischen Vertreter der Bauinnungen Gießen, Lahn-Dill, Marburg und Vogelsberg statt. Der Obermeister der Bauinnung Lahn-Dill und Bauunternehmer Ulrich Weber erklärte zu diesem Thema, dass die Preise für die Entsorgungsmöglichkeiten von Bauschutt und Erdaushub ins Unermessliche steigen würden. Diese Kosten seien über den Markt nicht mehr einzuholen, denn die Bauherren zeigten null Verständnis für diese Situation.

Im Jahr über 2.000 Kilogramm Abfälle beim Bau pro Einwohner

Dieses Ausmaß ist bei den Verantwortlichen kaum bekannt. Im Jahr 2016 wurden in Hessen 15,3 Millionen Tonnen Abbruch- und Bauabfälle entsorgt. Nur die Hälfte davon wird für die Verfüllung verwendet. Zu 95 Prozent handelt es sich dabei um Steine und Boden, den typischen Erdaushub. Rechnet man das auf die 6,2 Millionen Einwohner in Hessen um, so kommt man auf rund 2.000 Kilogramm Bauabfälle je Einwohner im Jahr. Die LKWs müssen zudem immer weitere Wege in Kauf nehmen, um die Abfälle entsorgen zu können. Dieser Vorgang hat sich in den letzten Jahren deutlich von Süd- nach Mittelhessen verlagert. Das beste Beispiel ist die Salzbachtalbrücke. Hier fielen im Jahr 2017 rund 5.000 LKW-Fahrten nur für den Mülltransport an.

Die Wege für den Transport sind schon über 50 Kilometer weit

Eine aktuelle Umfrage des Verbandes unter den Mitgliedsbetrieben hat ergeben, dass eine baustellennahe Entsorgung von bis zu 25 Kilometern heute nicht mehr möglich sei. Heute müssen die Betriebe mehr als 50 Kilometer weite Wege in Kauf nehmen. In Einzelfällen betrug die Transportentfernung sogar 150 Kilometer. Nach Angaben des Hessischen Umweltministeriums ist die Zahl der in Hessen zur Verfügung stehenden Deponien in den letzten 20 Jahren deutlich zurückgegangen. Von den bisherigen 17 Deponien wurden bis Ende 2017 sieben stillgelegt.