News, 24.08.2018, Frank Kessler

Teure Handwerkerstunde? Vorurteile besser abbauen

Teure Handwerkerstunde? Vorurteile besser abbauen

Foto: Roland Riethmüller

Handwerker sind zu teuer. Das denken viele Verbraucher. Doch das stimmt so nicht, denn der auf der Rechnung ausgewiesene Stundenverrechnungssatz ist nicht gleich der Verdienst. Die wahren Preistreiber sind die Lohnnebenkosten und die Kosten der Bürokratie. Um allgemeine Vorurteile bei den Kunden abzubauen, empfiehlt sich daher die Offenlegung vom Verrechnungssatz für die Handwerkerstunde.

Viele Handwerker können ein Lied davon singen: Fragt man Verbraucher nach den Preisen einer Handwerkerstunde, kommt als Antwort immer, dass sie zu teuer sind. Die meisten übersehen dabei jedoch, dass der Stundenlohn des Handwerkers nicht gleich der Gewinn ist. Im Gegenteil, denn im Stundenlohn sind auch die Lohnzusatzkosten, die Gemeinkosten und der eigentliche Stundenlohn enthalten. Was unterm Strich übrig bleibt, das ist der Gewinn. Deshalb empfiehlt die Handwerkskammer Stuttgart, dass die Betriebe den Kunden den Verrechnungssatz für eine Arbeitsstunde offenlegt. Nur so ist es möglich, Vorurteile abzubauen und der Kunde über die Personalintensität des Handwerksbetriebs zu informieren. Nur so wird dem Kunden verdeutlicht, dass der Verrechnungssatz weder ein übersteigerter Gewinn oder einfache Willkür ist, sondern sich an den betriebswirtschaftlichen Kosten orientiert.

Wie setzt sich die Handwerkerstunde zusammen?

Die wenigsten Verbraucher sind sich darüber im Klaren, dass die Handwerkerstunde die anfallenden Lohnnebenkosten und die anteiligen Gehälter beinhaltet. Diese machen zwei Drittel vom Stundenverrechnungssatz aus. Wenn eine Arbeitsstunde 61,42 Euro kostet, dann sind darin 16 Euro Bruttostundenlohn, 13,42 Euro Lohnnebenkosten und 1961 Euro betriebliche Allgemeinkosten enthalten. Dazu kommt noch die gesetzliche Umsatzsteuer, die der Unternehmer an das Finanzamt abführen muss. Der Handwerksbetrieb hat lediglich 2,58 Euro Gewinn. Zu den Lohnnebenkosten gehören die Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung, bezahlte Urlaubstage sowie Feiertage, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, bezahlter Mutterschaftsurlaub und Urlaubs- und Weihnachtsgeld. Hinzu kommt, dass die Lohnnebenkosten in den vergangenen Jahren deutlich angestiegen sind. Mit 32,20 Euro Arbeitskosten liegt Deutschland über dem EU-Durchschnitt und 2,4 Prozent höher als noch im Jahr 2014.

Gesamtwirtschaftliche Kosten aus Steuermittel finanzieren

Ein Ende der Kostensteigerung ist nicht in Sicht, denn aufgrund der demografischen Entwicklung werden die Kosten im Pflegebereich weiter ansteigen. Die Handwerkskammer fordert deshalb, diese gesamtwirtschaftlichen Kosten aus Steuermitteln zu finanzieren und nicht aus dem Fonds des Sicherungssystems. Vermieden werden sollte auch eine weitere Belastung der Beitragszahler. Vielmehr müssten die Beiträge zur Sozialversicherung bei 40 Prozent eingefroren werden. Zu den Gemeinkosten gehören unter anderem die Raumkosten, Energiekosten, betriebliche Versicherungen, die Personalkosten für die Mitarbeiter im Büro und Porto, Telefon und mehr. Denn das sind Kosten, die den Stundenverrechnungssatz erhöhen.