News, 05.10.2017, Frank Kessler

Weniger Streit am Bau durch Adjudikation

Weniger Streit am Bau durch Adjudikation

Foto: Roland Riethmüller

Auseinandersetzungen am Bau sind oft langwierig und teuer. Daher setzen die Beteiligten immer häufiger auf Adjudikation zur Vermeidung von Verzögerungen oder gar Baustopp. So sorgt vor allem die vorläufige Bindung an die Entscheidung des Adjukators für Planungssicherheit und eine Fortsetzung des Bauprojekts. Doch obwohl eine aktuelle Studie die Wirtschaftlichkeit bestätigt, fordert die Bauwirtschaft zusätzlich eine vorbeugende Vermeidung der Konfliktursachen.

Adjudikation ist ein Streitbeilegungsverfahren, das bei Bauprojekten zum Einsatz kommt. Eine Studie des Instituts für Technologie (KIT) in Karlsruhe im Auftrag vom Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) beweist, dass auf diese Weise Verzögerungen in Bauprojekten oder Baustillstände abgewendet werden können. Der geschäftsführende KIT-Direktor Prof. Dr. Shervin Haghsheno leitete die Studie und sieht die Stärken vor allem in der Entscheidungsbindung. Denn der große Vorteil des Verfahrens ist auch die vorläufige Bindung der Beteiligten an die Entscheidung des Adjudikators. Das sorgt für Planungssicherheit am Bau und eine mögliche Fortsetzung des Bauprojektes. Trotzdem kann man die Entscheidung später noch durch ein Gericht prüfen lassen ohne dafür jedoch einen vollständigen Baustopp in Kauf nehmen zu müssen. Diese Vorgaben sorgen dafür, dass diese Streitbeilegungsform weiter an Akzeptanz gewinnt.

Kostengünstige Streitlösung statt teurem Baustopp

Neben der Planungssicherheit bietet die Adjudikation weitere Vorteile. Die Adjudikatoren sind gut ausgebildet und darin geschult, Streitlösungen zu finden. Das Verfahren wird vertraulich behandelt, außerdem wird die Verfahrensdauer so kurz wie möglich gehalten. Die Verfahrenskosten fallen geringer als bei einem gerichtlichen Verfahren aus, selbst bei einem höheren Streitwert. Für eine deeskalierende Wirkung sorgt der mögliche Ausgleich der Machtpositionen, den die Adjudikation mit sich bringt.

Bauwirtschaft fordert Vorsorge statt Nachsorge

Die Adjudikation kann helfen, Konflikte zu entschärfen, die zwangsläufig entstehen, wenn eine Vielzahl an Beteiligten aufeinandertrifft. Das Streitbeilegungsverfahren kann diese Situationen entschärfen und so einen Baustopp oder eine Bauverzögerung zu verhindern. Die Forderung von HDB-Hauptgeschäftsführer Michael Knipper ist jedoch eine Vermeidung der Ursachen dieser Konflikte. Wichtig sei vor allem die richtige Vorbereitung. So müsse eine ausreichend gute Planung und Leistungsbeschreibung vorliegen und die Projektbeteiligten müssen genau eingewiesen werden. Er weist auch auf die Schwierigkeiten der öffentlichen Auftraggeber hin. Diese sind aufgrund der knappen Ressourcen oft nicht in der Lage, ein Projekt richtig durchzuplanen. Konflikte sind hier schon fast vorprogrammiert. Knipper schlägt die Nutzung von Vergabemodellen vor. Hierbei erfolgen die Bau- und Planungsleistungen aus einer Hand. Als Beispiel werden Design-und-Build-Modelle genannt.

Adjudikation ist vielseitig einsetzbar

Die Adjudikation ist nicht nur für große Projekte geeignet. Möglich sind zwei Varianten. Für Projekte ab einem Volumen von 15 Millionen Euro wird ein Standing Board empfohlen. Dies bedeutet, dass ein Adjudikator oder ein Gremium das gesamte Bauprojekt begleitet. Bei kleineren Projekten kommt das Ad-hoc-Verfahren zum Einsatz. Erst im Bedarfsfall wird auf eine Adjudikation zurückgegriffen. Wie ein solches Adjudikationsverfahren gestaltet werden kann, können die Vertragspartner in den Adjudikationsordungen nachlesen.

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