News, 25.05.2017, Frank Kessler

Zukunft der Bauwirtschaft - Fachkräfte effizient gewinnen

Zukunft der Bauwirtschaft - Fachkräfte effizient gewinnen

Foto: Roland Riethmüller

Der Fachkräftemangel beschäftigt die Bauwirtschaft. In einer aktuellen Studie wurde daher untersucht, wie künftig Fachkräfte nachhaltig für den Bau gewonnen werden können. Dabei ging es vor allem um die Aspekte, die für Auszubildende wichtig sind, sich für einen Beruf am Bau zu entscheiden. Das bietet Handwerksbetrieben interessante Einblicke und Ansätze für nachhaltige Fachkräftebeschaffung.

Schon seit langer Zeit haben die Betriebe in der Baubranche Schwierigkeiten, die freien Ausbildungsstellen zu besetzen. Die Online-Unternehmensbefragung "Ausbildung 2016" vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) aus Juni 2016 hatte ergeben, dass 30 Prozent aller befragten Bauunternehmen ihre freien Ausbildungsplätze nicht besetzen konnten. Dabei geht es weniger um die bloße Zahl der Auszubildenden, sondern vielmehr um deren Bildungsniveau und entsprechende Motivation, auf dem Bau zu arbeiten. In einer aktuellen Studie "Ausbildung als Zukunft der Bauwirtschaft" des F.A.Z.-Fachverlags und der Sozialkassen der Bauwirtschaft (Soka-Bau) wurden die Erwartungen, Pläne und Einstellungen von jungen Berufsanfängern aus der Bauwirtschaft untersucht. Befragt wurden rund 1.400 junge Menschen in der Ausbildung, junge Bauprofis und Beschäftigte mit einer Bauausbildung, die zurzeit nicht in der Branche tätig sind. “Die Studie soll der Bauwirtschaft helfen, Schüler und Jugendliche für eine Ausbildung in der Baubranche zu gewinnen, Fachkräfte in der Branche zu halten und nicht zuletzt auch berufliche Abwanderer wieder zurückzugewinnen“, erklärt Soka-Bau-Vorstandsmitglied Gregor Asshoff.

Die wichtigsten Kriterien für die Berufswahl am Bau

Für 95 Prozent der befragten Auszubildenden ist der Spaß an der Arbeit der wichtigste Faktor für die Berufswahl. Außerdem ist es für die Auszubildenden am Bau wichtig, das Erlernte auch im privaten Bereich anwenden zu können. Weiterhin gaben die Befragten an, sich bessere Weiterbildungsmöglichkeiten zu erhoffen. Erst als nächster Punkt war die Ausbildungsvergütung ausschlaggebend für die Berufswahl. Für 34 Prozent der Auszubildenden war auch die Nähe zum Wohnort wichtig. Bei der ersten Befragung im Jahr 2012 gaben nur 30 Prozent der Auszubildenden dies als weiteren Grund an. Das bestätigt, dass heute die junge Generation weniger bereit ist, wegen der Ausbildungsstelle das gewohnte Umfeld ihrer Eltern und Freunde zu verlassen.

Fast alle Azubis wünschen sich einen festen Arbeitsplatz und ein gutes Einkommen. Rund 96 Prozent betrachten dies als einen sehr wichtigen bis wichtigen Aspekt. Auffällig ist allerdings, dass sich die Bauprofis heute eine bessere Vereinbarung zwischen der Arbeitszeit und ihrem Privatleben wünschen. So halten 62 Prozent diesen Aspekt für sehr wichtig. Im Jahr 2012 lag der Wert noch bei 51 Prozent. Ebenso haben flexible Arbeitszeiten heute einen höheren Stellenwert, als das noch vor fünf Jahren der Fall war.

Ausbildung am Bau sehr positiv bewertet

Insgesamt sind jedoch 92 Prozent der Auszubildenden mit ihrer Bauausbildung zufrieden. Dabei hat vor allem die betriebliche Ausbildungszeit besonders gut abgeschnitten. Insgesamt gesehen wird weder der Betrieb, die Berufsschule oder das überbetriebliche Ausbildungszentrum schlecht bewertet. Bei den Bauprofis verhält es sich ähnlich. Die Ausbildungsmaßnahmen wurden von gut bis sehr gut bewertet. Mit dieser Umfrage zeigt sich, dass die Berufsausbildung beim Bau qualitativ sehr hochwertig ist.

Doch auch die Weiterentwicklung ist ein wichtiger Aspekt. So planen 55 Prozent der Azubis und 72 Prozent der Bauprofis in den kommenden zehn Jahren eine Weiterbildung. Dabei streben jeweils etwa zwei Drittel den Meistertitel an. Bei den anderen Weiterbildungen unterscheiden sich die Angaben von Azubis und Bauprofis. Die Fortbildung zum Polier erwägen 46 Prozent der Azubis und 41 Prozent der Bauprofis. Studieren wollen dagegen nur 28 Prozent der Azubis und 18 Prozent der Bauprofis.

Neue Medien sind zur Jobsuche essentiell

Das Internet ist bei der Suche nach einem Job am Bau die Informationsquelle Nummer eins. Rund 80 Prozent der Bewerber nutzen das Internet. Doch auch Social Media wird bereits von 12 Prozent der Befragten zur Jobsuche herangezogen. Schulen, Arbeitsagenturen, Ausbildungsmessen und vor allem Zeitungsanzeigen folgen mit weitem Abstand.

56 Prozent der aus der Baubranche ausgestiegenen ehemaligen Bauprofis gaben übrigens an, sich in ihrem früheren Betrieb nicht wohl gefühlt zu haben. Dabei kann sich die Hälfte durchaus vorstellen, wieder im ehemaligen Job zu arbeiten. Neben der besseren Rekrutierung von Nachwuchskräften ist die ein großes Potential, den Fachkräftemangel abzuschwächen.

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