Interview mit Thomas Dietenmeier von Dietenmeier + Harsch Haustechnik

Bauwirtschaft im Dialog | Roland Riethmüller | 14.07.2020
Interview mit Thomas Dietenmeier von Dietenmeier + Harsch Haustechnik
Foto: Thomas Dietenmeier

Wie ist das Baugewerbe bisher mit der Corona-Krise umgegangen? Wir haben Thomas Dietenmeier befragt. Der 55-Jährige ist angestellter Geschäftsführer in der Dietenmeier + Harsch Haustechnik GmbH aus Konstanz. Der Betrieb im Bereich Elektro, Heizung und Sanitär besteht seit 70 Jahren und beschäftigt aktuell 45 Angestellte. Nach dem Krieg 1948 startete sein Großvater mit seinem Vater als ersten Lehrling. Dietenmeier folgte dieser Tradition und hat mit 15 Jahren eine Lehre als Zentralheizungs- und Lüftungsbauer begonnen.

Der Weg im eigenen Betrieb war für ihn nicht immer ganz einfach. So war es oft eine Herausforderung, „als pubertierender Jugendlicher vor dem Chef und Vater in Personalunion zu stehen und sich später in der Durchsetzungsphase immer im Vergleich zum Vater als großen ‚Paten‘ zu befinden, bei dem immer und alles besser war.“ Außerdem musste sich Dietenmeier in der Aufgabenvielfalt eines Handwerksunternehmers beweisen, vom Pausenclown, über den Personalpsychologen  bis zum Steuerfachexperten. Und obwohl dabei das fachliche Handwerk etwas zu kurz kam, hat der sein Leben, seine Aufgabe und seine Verantwortung lieben gelernt. Noch heute treibt ihn der Gedanke, eine zukunftsweisende Idee zu entwickeln und gegen alle Bedenken umzusetzen, um am Ende zu sehen, ob die Sorgen gerechtfertigt waren. Sein Ziel ist es, dem Unternehmen eine klare zukunftsorientierte Ausrichtung zu geben, jedem Mitarbeiter eine Eigenverantwortung in seinem Spaßfeld zu ermöglichen und sein Handeln über seinen eigenen Arbeitszyklus auszurichten.

Erzählen Sie uns doch bitte einmal kurz, wie es Ihnen bisher in der Corona-Krise ergangen ist?

Das Schlimmste war die Unsicherheit durch die plötzliche unbekannte Situation und kein korrektes Handlungsmuster dafür zu haben. Hier habe ich gelernt und ich denke auch die Kolleginnen und Kollegen, dass man auf Sicht handeln, sich permanent verändern und anpassen muss. Wir hatten durch die Corona-Krise schnell Auftragseinbrüche, da wir hauptsächlich Sanierungsarbeiten und Reparaturarbeiten ausführen. Trinkwasserbeprobungen sind uns komplett weggebrochen, da sie von Amtswegen untersagt wurden. In Vorbereitung auf die Kurzarbeit haben wir diese Phase mit dem Abbau von Überstunden überbrückt und sind auf der Montage mit fast Null KA durchgekommen. Auch das Büro ist stark zurück gefahren worden, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gingen quasi sofort in Kurzarbeit. Seit Anfang Juli sind alle wieder vollständig im Dienst, auch unsere Köchin. Jedoch gibt es hier vorläufig nur Essen für ToGo.

Wir sind saisonal nicht stark schwankend, aktuell sieht die Auftragslage noch recht gut aus. Kommt jedoch eine zweite Welle, so wird es wieder weh tun. Doch generell war eine Rezession schon vor COVID 19 bemerkbar. Im Jahr 2020 wird das Bilanzziel auf jeden Fall negativ ausgehen.

Trotzdem habe ich jetzt keine Sorge mehr. Das was jetzt passiert, ist erkennbar und voraussehbar. Handlungsmuster sind angelegt, die Situation ist nicht mehr neu.

Wie sind Sie mit der Herausforderung umgegangen?

Wir haben erst mal Ruhe bewahrt und geduldig beobachtet , um das Handeln täglich anzupassen. Klar gab/gibt es wirtschaftliche Hilfen, wir hatten Kurzarbeit gewählt, aber man kann sich nur selbst helfen.
Dabei hat mir auch der Austausch mit Kollegen geholften, zum Beispiel in der Facebook-Gruppe CraftCamp. Denn Institution wie der Zentralverband und die Handwerkskammer brauchen immer recht lange und die Informationen müssen erst gefiltert werden, was für einen passt. Da gehe ich eher meiner Intuition, meinen Gefühlen und meinen Erfahrungen nach und formuliere selber. Beobachten finde ich sehr, sehr wichtig.

Enttäuscht hat mich dabei in der Krise keiner, ich habe eher viele Menschen mehr schätzen gelernt. Eine persönliche Überraschung war jedoch als ich feststellte, dass ich selbst überrumpelt wurde . Denn ich hatte die Geschwindigkeit und die Auswirkungen nicht kommen sehen oder wollen. Obwohl mein Ex-Schwager in China bei einem Autokonzern arbeitet, wo die Situation schon viel eher bekannt war. Leider habe ich die Gefahr einer weltweiten Ausbreitung trotz einer guter Beobachtungsgabe völlig unterschätzt und war wie alle anderen auch entsprechend unvorbereitet.

Es muss doch auch etwas Gutes haben! Was können wir Ihrer Meinung nach aus der Krise lernen?

Ja, lernen können wir aus dieser Krise, dass wir in einem tollen und vor allem sicheren Staat leben. Denn wir spüren zum ersten Mal etwas wie Angst. Und ich meine sogar noch zu wenig! Dabei lernen wir Werte zu erkennen und wieder neu zu schätzen. So erleben wir wieder das schöne Wasser bei uns am See statt uns nicht nach den Seychellen zu sehnen und schätzen diese Dinge wieder. Alles was nah ist, Regionalität und Menschen spüren, sehen, riechen wir mehr. Vielleicht weil die Auswahl der möglichen Beschäftigungen, wie shoppen, verreisen oder Partys uns von heute auf morgen genommen wurden.

Stellen Sie sich vor, Sie könnten in eine Glaskugel sehen. Was würden Sie dort über die Zukunft der Bauwirtschaft sehen

Ich glaube, man braucht keine Glaskugel. Es ist klar, dass eine Phase der Rezession kommen wird. Diese hat bereits begonnen, auch unabhängig von COVID 19 und dem ersten Bekanntwerden der Übertragung von einer Fledermaus in China. Je nachdem wie die auftragsgelagerten Vorlaufszeiten sind, wird uns die Rezession schneller oder langsamer treffen. Jetzt kehrt sich unser demographisches Problem vielleicht um und wir spüren das gar nicht oder nur wenig. Man wird sehen!

Was die technologische Entwicklung betrifft, so haben wir mit Hilfsmitteln die Kommunikation entpersonalisiert. Dadurch können wir viele Aufgaben weiter gut lösen, sogar effizienter. Aber ist im Handwerk nicht der persönliche Kontakt zu Mitarbeitern, Kunden und Geschäftspartnern ein entscheidender Schlüssel zum Erfolg? Ich glaube ja. Und hier kann ich nicht einschätzen, was überwiegt und entscheidend für den Erfolg ist.

In wieweit wird sich die Corona-Krise auf Ihre Zukunft auswirken?

Regionalität wird temporär mehr Gewicht bekommen. Gibt es einen Impfstoff, wird diese Gewichtung sich jedoch wieder in Richtung Globalisierung verschieben.

Der Prävention will ich jedenfalls in Zukunft mehr Gewicht einräumen. Wir hatten schon vor COVID 19 Desinfektionsspender für alle unter dem Gesichtspunkt „Reduzierung der Influenza“ eingeführt. Diese werden wir ausbauen und Desinfektionsspender in jedem KFZ etablieren. Unabhängig von der Pandemie ist mein Ziel unverändert: „Wie bleibt mein Betrieb und das Handwerk in Zukunft leistungsstark, interessant und ertragsreich.

Kontakt
Thomas Dietenmeier
Dietenmeier + Harsch Haustechnik GmbH
Conradin-Kreutzer-Straße 10, 78467 Konstanz
Telefon: 07531 59990
https://www.dietenmeier-harsch.de/

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