Klaus Marquardt, Geschäftsführer von Marquardt Dächer & Fassaden

Bauwirtschaft im Dialog | Roland Riethmüller | 06.07.2020
Foto: Klaus Marquardt
Foto: Klaus Marquardt

Mein Name ist Klaus Marquardt und ich bin 47 Jahre alt. Ich bin einer von zwei Geschäftsführern der Marquardt Dächer & Fassaden in Waghäusel. Das liegt mitten im Dreieck Mannheim, Heidelberg und Karlsruhe. Wir haben insgesamt 30 Mitarbeiter und unsere Spezialisierung besteht darin, dass wir unsere Tätigkeit ausschließlich Personen, Unternehmen und Institutionen widmen, denen Werte wie Zusammenarbeit auf Augenhöhe, Zuverlässigkeit, Wertschätzung und Termintreue wichtig sind. Für diese Kunden bieten wir Flachdachabdichtungen, Metalldächer und vorgehängte hinterlüftete Fassaden an.

Fürs Handwerk habe ich mich entschlossen, weil es als Jugendlicher die einfachste Lösung war. Ich wollte eigentlich was mit Computern machen, Aber Ende der 80er Jahre gab es da nicht viel. Nur mit Realschulabschluss hattest du keine Chance was zu bekommen. Dafür darf ich jetzt die Digitalisierung vorantreiben und das macht mir eine Menge Spaß

Heute liebe ich an meiner Tätigkeit, dass es im Handwerk ehrlich und direkt zugeht. Da wird Tacheles gesprochen und nicht politisch rumgeeiert wie in größeren Konzernen das oft der Fall ist. Außerdem macht es mir eine große Freude dafür zu sorgen, dass unsere Kunden stressfrei zu Ihrem neuen Dach kommen.  Leider sind ja unzuverlässige Handwerker oft Realität. Da möchte ich einfach mit gutem Beispiel voran gehen.

Mindestens genauso wichtig ist mir dabei, dass unser Mitarbeiter dabei auch fair behandelt werden und ihren Job durch gute Organisation ohne Ärger ausführen können. Denn es gibt nicht viel, was denen mehr auf den Zeiger geht, als einen schlecht organisierten Chef.

Stolz bin ich immer dann, wenn die Planung geklappt hat, die Baustelle sauber durchläuft und Lieferanten, Mitarbeiter und auch der Kunde Spaß an der Umsetzung hatten. Da kommt es auch nicht darauf an wie groß die Baustelle ist.

Erzählen Sie uns doch bitte einmal kurz, wie es Ihnen bisher in der Corona-Krise ergangen ist?

Eine große Sorge war am Anfang, dass ich eine Erkrankung in der Firma oder im direkten Umfeld habe, so dass die Firma hätte zwei Wochen dicht machen muss. Uns würden pro Tag, den wir zu machen müssten, 5.000 € fehlen. Meine größere Sorge war aber eher, dass ich vielleicht noch den Virus mit nach Hause nehme und eventuell noch meine Mama mit 80 Jahren anstecke. Das hat sich nicht gut angefühlt, aber das Geschäft muss ja laufen.

Wir haben alle möglichen Maßnahmen ergriffen, dass einmal die Teams untereinander aber auch mit dem Büro so wenig wie möglich Kontakt haben. Aber das ist in der Realität schwer umzusetzen. Wir sind jetzt einfach wachsam und versuchen mit gesundem Menschenverstand uns verantwortungsvoll zu verhalten. Unser Betriebsarzt unterstützt uns dabei.

Am Markt haben wir nichts gemerkt. Eine einzige Baustelle hatte sich für ein paar Wochen verschoben, aber das war es. Von daher sind wir sehr dankbar dafür, dass es uns wirtschaftlich nicht erwischt hat.  Denn wir wissen, dass es im Handwerk nicht allen so geht. Und in ganz vielen anderen Branchen geht es an die Existenz.

Die Herausforderung ist jetzt den Markt zu beobachten. Denn ich glaube, dass es schon eine kleine Delle geben wird. Aber wo? Gibt die Öffentliche Hand weiter Geld aus, um ihre Schulen zu sanieren? Werden die Wohnungsbauprojekte so weiterlaufen, obwohl es für die Endkunden schwieriger geworden ist, Kredite zu bekommen? Es gilt wachsam zu bleiben, damit man sich nicht auf einen Markt konzentriert, der dann anfängt zu schwächeln.

Aber insgesamt bin ich positiv gestimmt. Ohne naiv zu sein, glaube ich, dass es das Handwerk nicht so sehr treffen wird.

Wie sind Sie mit der Herausforderung umgegangen?

Mein Netzwerk bei den 100 Top-Dachdeckern hat mir sehr geholfen.  Sich mit anderen Unternehmern seiner Branche austauschen zu können, ist extrem wichtig.  Aber auch unsere Innung hat gute Arbeit gemacht.

Hilfe erwarte ich allerdings von niemanden. Ich denke jeder Unternehmer sollte jetzt Verantwortung übernehmen und schauen, wie er einen Beitrag dazu leisten kann, dass die Krise überwunden wird.

Enttäuscht bin ich von denen, die in der Krise ständig nur meckern und alles besser wissen, ohne sich richtig in die Materie einzulesen. Aktuell sind es diejenigen die die Corona App nicht installieren wollen, weil sie denken, überwacht zu werden. Ich frag mich echt, ob die keine anderen Probleme haben.

Es muss doch auch etwas Gutes haben! Was können wir Ihrer Meinung nach aus der Krise lernen?

Ich versuche immer das Gute in einer Situation zu sehen.  Auch jetzt.  Hilft ja nichts, wenn wir uns auf das Schlechte konzentrieren. Das bringt uns nicht weiter.

Unser Learning ist, dass es sich jetzt in der Krise auszahlt, wenn man seine Mitarbeiter auch schon vor der Krise fair behandelt und ihnen Vertrauen geschenkt hat.

Unsere Büromitarbeiter sind zum Teil ins Homeoffice und haben neben der Kinderbetreuung gearbeitet. Jeder der ein Kind hat, weiß, dass das nur bedingt funktioniert und sehr anstrengend sein kann.  Aber ohne Anweisung von uns haben die sich dann am Wochenende oder abends hingesetzt, wenn die Kinder im Bett waren, um die anstehende Arbeit zu erledigen. Auch dann, wenn man eigentlich Schlaf benötigen würde, weil man weiß, dass der Nachwuchs wie gewohnt nachts das Fläschchen braucht. Ich bin sehr dankbar dafür, was unser Mitarbeiter zu Hause für ein Spagat gemacht haben, um trotzdem für die Firma da zu sein.  Ein riesiges Dankeschön dafür! Vor allem auch den Frauen unserer Mitarbeiter, die durch die Kinderbetreuung dafür gesorgt haben, dass ihre Männer auf die Arbeit können.

Was noch gut war, ist dass es der Digitalisierung einen Schub gegeben hat. Baustellenbilder werden jetzt auf dem Smartphone gemacht, so dass diese sich direkt mit unserem Server synchronisieren und in den richtigen Projektordnern zu finden sind. Das war eine von mehreren Maßnahmen, um den Kontakt zwischen den Teams draußen und dem Büropersonal zu reduzieren.
Videokonferenzen sind gängig geworden, so dass man sich jede Menge Zeit auf der Autobahn einspart.

Ich denke, wenn man in so einer Krise zusammenhält, stärkt das eine Gemeinschaft sehr.  Aber wenn nicht, dann reißt es dich auseinander. Ein Bekannter hat mir erzählt, dass sein Chef doch tatsächlich gesagt hat: „Ich habe kein Problem mit Kinderbetreuung. Das sind doch deine Kinder. Da musst du schauen wie du damit klarkommst“.  Puuuh, das sitzt. Na ja, er hat dann später gekündigt und ein Kollege auch….

Stellen Sie sich vor, Sie könnten in eine Glaskugel sehen. Was würden Sie dort über die Zukunft der Bauwirtschaft sehen?

Das Handwerk wird sich mehr spalten. Es wird viele kleine Unternehmen geben, die auch in der Zukunft, wie jetzt auch schlecht organisiert sind, aber draußen einfach gute Arbeit abliefern.

Dann wird es Unternehmen geben, die sich auf die neue Zeit einstellen und erfolgreich am Markt agieren. Dabei ist es vor allem auch wichtig eine gut Arbeitgebermarke zu sein.  Denn der Fachkräftemangel wird nicht besser werden. Weiterbildung und Persönliche Entwicklung ist dabei ein großes Thema. Wir müssen den Arbeitern auf dem Bau eine gute Alternative zur Industrie anbieten. Die sind da zum Teil schon deutlich weiter.

Tablets werden in vielen Betrieben in der Zukunft Standard sein. BIM wird noch eine Weile brauchen und sich auch nur in wenigen großen Projekten behaupten.  Aber wer weiß?

In wieweit wird sich die Corona-Krise auf Ihre Zukunft auswirken?

Im Bezug auf Corona wird es keine großen Änderungen bei uns geben. Vielleicht auch deswegen, weil wir wenig Kontakt mit Privatkunden haben. Ansonsten habe ich bescheidene Ziele für die Zukunft, was unsere Firma betrifft. Ich möchte weiter daran arbeiten, ein positives Umfeld zu schaffen, in dem unsere Lieferanten, Mitarbeiter und Kunden einfach Spaß haben zu Arbeiten. Der Erfolg kommt dann von ganz allein. Das größere Ziel ist etwas persönlicher. Ich betreibe einen Blog für Inhaber von Dachdeckerbetrieben. Denn ich möchte einen Beitrag dazu leisten, dass das Handwerk wieder den Stellenwert in der Gesellschaft bekommt, den es verdient.
 
Fast alle Betriebe möchten, dass ihre Kunden und Mitarbeiter glücklich und zufrieden sind. Oft fehlt aber die nötige Organisation, Zeit, oder einfach auch nur Wissen, um dieses Ziel auch erfolgreich umsetzen zu können.

Meine Erfahrung auf dem Dach und zu Qualitätsmanagementsystemen, sowie meine Leidenschaft zu Zahlen und zur Digitalisierung können dabei helfen.

Kontakt
Klaus Marquardt
Marquardt GmbH Dächer & Fassaden
Lessingstraße 33, 68753 Waghäusel
Telefon: 07254 776830
https://www.marquardt.gmbh

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