Die geplanten Kürzungen des Bundesarbeitsministeriums bei den Sicherheitsbeauftragten sorgen in der Bauwirtschaft für Empörung. Die IG Bau warnt vor einem „gefährlichen Rückschritt“ beim Arbeitsschutz und sieht Menschenleben in Gefahr. Besonders für Baustellen und Handwerksbetriebe hätte die Reduzierung fatale Folgen. Statt weniger Kontrolle fordert die Gewerkschaft mehr Schutz und Prävention, denn Sicherheit am Bau darf kein Opfer des Bürokratieabbaus werden.
Die Pläne des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS), die Zahl der Sicherheitsbeauftragten insbesondere in kleinen und mittleren Betrieben zu reduzieren, sorgen in der Bauwirtschaft für heftige Kritik. Die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau) warnt eindringlich vor den möglichen Folgen einer solchen Reform. „Das ist ein sehr, sehr schlechter Plan“, betont Carsten Burckhardt, Stellvertretender Bundesvorsitzender der IG BAU. „Wer Sicherheit abbaut, gefährdet Menschenleben. Bürokratieabbau auf dem Rücken der Beschäftigten ist keine Reform – das ist Leichtsinn.“ Denn Sicherheitsbeauftragte spielen in der täglichen Praxis eine Schlüsselrolle. Sie sind die ersten Ansprechpartner, wenn es um sichere Arbeitsabläufe, Gefährdungsbeurteilungen oder den richtigen Umgang mit Maschinen und Gefahrstoffen geht. Gerade auf Baustellen, im Dachdeckerhandwerk oder auch Straßenbau, in der Gebäudereinigung oder im Garten- und Landschaftsbau sind sie unverzichtbar. Dort, wo körperlich anspruchsvolle Arbeit und komplexe Abläufe zusammentreffen, tragen sie wesentlich dazu bei, dass Sicherheit nicht nur auf dem Papier existiert, sondern tatsächlich gelebt wird.
Kritik an „Bürokratieabbau auf Kosten der Sicherheit“
Nach Angaben der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) sind derzeit rund 670.000 Sicherheitsbeauftragte in Deutschland tätig. Die meisten arbeiten ehrenamtlich und zusätzlich zu ihrer eigentlichen Beschäftigung. Sie sind ein tragendes Element der betrieblichen Prävention. Laut der IG Bau würde ein Rückbau dieser Strukturen die bisherigen Erfolge beim Arbeitsschutz gefährden. „Mit einer solchen Initiative bestraft man die Arbeitgeber, die sich ernsthaft um Sicherheit kümmern – und verschafft denen Wettbewerbsvorteile, denen die Gesundheit ihrer Beschäftigten am Hintern vorbeigeht“, so Burckhardt weiter. Gleichzeitig verweist die Gewerkschaft darauf, dass die Zahl der tödlichen Arbeitsunfälle in den letzten Jahren deutlich gesunken sei. Während im Jahr 2015 noch rund 630 Menschen bei der Arbeit ums Leben kamen, lag die Zahl im Jahr 2024 mit 351 Fällen auf einem historischen Tiefstand. Diese Entwicklung sei kein Zufall, sondern Ergebnis jahrelanger Präventionsarbeit – unter anderem durch die enge Zusammenarbeit der IG Bau mit der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG Bau) im Rahmen der Initiative „Vision Zero“.
Sicherheitsbeauftragte nicht abbauen – IG Bau fordert Kurskorrektur des BMAS
Die IG Bau sieht in den BMAS-Plänen ein gefährliches Signal. „Wir brauchen mehr Schutz – nicht weniger“, fordert Burckhardt. Viele Beschäftigte arbeiteten bereits heute an der Belastungsgrenze, geprägt von Fachkräftemangel, Leistungsdruck und wachsender psychischer Beanspruchung. Eine Reduzierung der Sicherheitsbeauftragten würde diesen Druck weiter verschärfen. Sicherheit, so Burckhardt, sei kein Kostenfaktor, sondern Ausdruck von Respekt und Wertschätzung gegenüber den Beschäftigten: „Wer mit seinen Händen und seinem Kopf am Bau arbeitet, verdient Schutz und Sicherheit – nicht politische Sparübungen auf Kosten der Gesundheit.“ Daher fordert die IG Bau das Arbeitsministerium auf, die Pläne umgehend zu stoppen und stattdessen gemeinsam mit den Sozialpartnern, der DGUV und der BG Bau an einer Stärkung der Prävention zu arbeiten. „Gesundheitsschutz ist nicht verhandelbar – Bürokratieabbau darf nicht auf dem Rücken der Beschäftigten stattfinden“, so Burckhardt abschließend.

















