Milliardeninvestitionen in den sozialen und bezahlbaren Wohnungsbau könnten der Bauwirtschaft neue Aufträge verschaffen. Die Gewerkschaft fordert deshalb einen deutlichen Kurswechsel in der Wohnungspolitik und jährlich 400.000 neue Wohnungen, darunter 100.000 Sozialwohnungen. Gleichzeitig sollen energetische Sanierungen und altersgerechte Umbauten stärker gefördert werden. Für Bauunternehmen und Handwerksbetriebe könnten damit nicht nur zusätzliche Bauleistungen entstehen, sondern auch langfristig mehr Planungssicherheit.
Der Wohnungsbau hat sich noch immer nicht nennenswert erholt. Doch trotz des hohen Bedarfs wurden im vergangenen Jahr bundesweit nur rund 206.000 Wohnungen fertiggestellt. Deshalb fordert die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) einen grundlegenden Kurswechsel in der Wohnungspolitik. Auf ihrem 24. Ordentlichen Gewerkschaftstag in Kassel hat daher die Arbeitnehmervertretung ihre Forderungen für den Wohnungsbau verschärft. Jährlich sollten 400.000 neue Wohnungen entstehen. Vor allem der soziale und bezahlbare Wohnungsbau müsste deutlich ausgeweitet werden. Von den angestrebten 400.000 neuen Wohnungen pro Jahr sollen mindestens 100.000 Sozialwohnungen sein. Hinzu kommen jährlich mindestens 60.000 bezahlbare Wohnungen für Haushalte mit mittleren Einkommen. Als Zielgröße nennt die Gewerkschaft Nettokaltmieten zwischen 8,50 und 12 Euro je Quadratmeter. Für Bauunternehmen und Handwerksbetriebe könnten daraus langfristig zusätzliche Aufträge entstehen.
Zwei Millionen Sozialwohnungen bis 2030 gefordert
Besonders großen Handlungsbedarf sieht die IG BAU beim sozialen Wohnungsbau. Ende 2025 gab es in Deutschland nur noch rund eine Million Sozialwohnungen. Bis zum Jahr 2030 soll sich dieser Bestand nach Vorstellung der Gewerkschaft auf mindestens zwei Millionen verdoppeln. Dafür seien jährlich mindestens 13,5 Milliarden Euro von Bund und Ländern erforderlich. Für geförderte Wohnungen fordert die IG BAU zudem den Grundsatz: „Einmal gefördert – immer sozial gebunden.“ Gleichzeitig soll der öffentliche und genossenschaftliche Wohnungsbau gestärkt werden. Dazu gehören nach den Beschlüssen eine Weiterentwicklung der Wohngemeinnützigkeit und bessere Förderbedingungen für Wohnungsgenossenschaften. Bei der Vergabe öffentlicher Grundstücke soll das Gemeinwohl stärker berücksichtigt werden. Kommunen sollen außerdem zusätzliche Möglichkeiten erhalten, gegen Bodenspekulation vorzugehen.
Sanierung soll Bauhandwerk Planungssicherheit bringen
Neben dem Wohnungsneubau rückt die Gewerkschaft auch den Gebäudebestand in den Fokus. Energetische Sanierungen sowie der Ausbau von Fern- und Nahwärmenetzen sollen durch verlässliche öffentliche Förderprogramme unterstützt werden. Damit verbindet die IG BAU ausdrücklich das Ziel, Bauhandwerk und Baustoffindustrie mehr Planungssicherheit zu geben. Zusätzlich könnte der altersgerechte Umbau ein wachsendes Betätigungsfeld für Bau- und Handwerksbetriebe werden. Nach Angaben der Gewerkschaft fehlen bereits rund 2,1 Millionen altersgerechte Wohnungen. Bis zum Jahr 2040 müssten deshalb jedes Jahr etwa 170.000 Wohnungen neu gebaut oder entsprechend umgebaut werden. Für altersgerechte Sanierungen und Umbauten fordert die IG BAU zunächst mindestens 500 Millionen Euro Förderung jährlich.
Wohnungsbau braucht deutlich mehr öffentliche Investitionen
Damit zeichnet die Baugewerkschaft ein umfangreiches Investitionsprogramm für Neubau und Bestand. Die Forderungen würden bei einer politischen Umsetzung nicht nur den sozialen Wohnungsbau ausweiten, sondern auch erhebliche Bauleistungen auslösen. Entscheidend für die Betriebe wäre dabei vor allem, ob Förderprogramme langfristig und verlässlich ausgestaltet werden. Denn nur dann können Bauunternehmen und Handwerksbetriebe Kapazitäten, Personal und Investitionen entsprechend planen.

















