Künstliche Intelligenz und autonome Baumaschinen könnten die Produktivität auf Baustellen deutlich steigern. Eine Zukunftsstudie zeigt, wie stark sich der Infrastrukturbau bis zum Jahr 2030 verändern könnte. Allein in der Bauplanung soll der Aufwand durch KI und generatives Design um bis zu 35 Prozent sinken. Gleichzeitig übernehmen automatisierte Prozesse und teilautonome Maschinen immer mehr Aufgaben. Für Bauunternehmen werden damit Daten und digitale Prozesse zunehmend zum Wettbewerbsfaktor.
Der Infrastrukturbau rückt zunehmend in den Fokus und entwickelt sich derzeit zu einem wichtigen Treiber der Baukonjunktur. Experten vermuten, dass gleichzeitig die Produktivität im Infrastrukturbau bis zum Jahr 2030 deutlich steigen wird. Besonders großes Potenzial sieht eine aktuelle Zukunftsstudie bereits in der Bauplanung und Bauvorbereitung. Künstliche Intelligenz, generatives Design und automatisierte Prozesse sollen dort den Aufwand um bis zu 35 Prozent reduzieren. Auf der Baustelle dürften dagegen teilautonome Baumaschinen an Bedeutung gewinnen. Voraussetzung für die Produktivitätssprünge sind jedoch strukturierte Daten und neue Prozesse. So hat der 2b AHEAD ThinkTank gemeinsam mit dem Infrastruktur-Beratungsunternehmen VIA IMC untersucht, wie sich der Infrastrukturbau bis zum Jahr 2030 verändern könnte. Grundlage der Delphi-Studie waren 34 Tiefeninterviews mit insgesamt 38 Experten. Im Fokus standen unter anderem Robotik, Künstliche Intelligenz, Bausoftware und Augmented Reality sowie neue Geschäftsmodelle, Nachhaltigkeit und die künftige Arbeitswelt.
KI senkt Aufwand in der Bauplanung um bis zu 35 Prozent
Die größten kurzfristigen Produktivitätsgewinne erwartet das Expertenpanel nicht auf der Baustelle, sondern davor. In der Planungsphase könnte der Aufwand innerhalb von fünf Jahren durchschnittlich um 35 Prozent sinken. Einen wesentlichen Beitrag soll generatives Design leisten. Dabei erzeugen Systeme anhand vorgegebener Parameter automatisch unterschiedliche Entwürfe und simulieren mögliche Varianten. Gerade im komplexen Infrastrukturbau könnten dadurch schneller optimierte Lösungen entstehen. Aber auch Koordination, Kalkulation, Dokumentenprüfung und Terminplanung sollen zunehmend durch KI unterstützt oder automatisiert werden. Entscheidend dafür ist allerdings die Datenbasis. Ohne strukturierte und qualitativ hochwertige Bauablauf-, Planungs- und Umweltdaten lassen sich die erwarteten Effizienzgewinne kaum realisieren. Die Studie sieht deshalb die Aufbereitung eigener Unternehmensdaten als wichtige Voraussetzung für die weitere Digitalisierung.
Autonome Baumaschinen verändern die Baustelle im Infrastrukturbau
Auf der Baustelle selbst zeichnet sich eine schrittweise Automatisierung ab. Als realistisches Szenario bis zum Jahr 2030 gilt, dass ein Maschinenführer eine zentrale Baumaschine bedient und gleichzeitig mehrere weitgehend autonome Transport- oder Verdichtungsmaschinen überwacht. Dadurch könnte ein Beschäftigter mehrere Maschinen koordinieren. Vollständig menschenleere Baustellen erwartet das Expertenpanel dagegen auf absehbare Zeit nicht. Auch humanoide Bauroboter dürften nach Einschätzung der Befragten zunächst keine größere Rolle spielen. Spezialisierte Robotik erscheint für Arbeiten im Infrastrukturbau geeigneter. Entscheidend sei zudem nicht der Austausch einer einzelnen konventionellen Maschine durch ein autonomes Modell. Vielmehr müssten komplette Bauprozesse neu organisiert werden, damit Automatisierung tatsächlich Produktivität bringt.
KI-Agenten könnten ganze Bauprozesse automatisieren
Noch größer könnte der Einfluss von Künstlicher Intelligenz (KI) werden. Die Studie erwartet, dass KI-Agenten bereits vor dem Jahr 2030 verlässlich genug sein könnten, um nicht nur einzelne Aufgaben zu unterstützen, sondern vollständige Prozesse zu übernehmen. Perspektivisch könnten sie beispielsweise Verträge prüfen, Informationen bereitstellen, Projekte managen und Bauabläufe optimieren. Damit wird die Digitalisierung im Infrastrukturbau zunehmend zur Frage der eigenen Datenstrategie. Standardisierte KI dürfte breit verfügbar werden, während unternehmensspezifische Daten zum Wettbewerbsvorteil werden können. Die Zukunftsstudie macht damit deutlich: Der technologische Wandel bis 2030 dürfte weniger an spektakulären Robotern sichtbar werden als an effizienterer Planung, automatisierten Prozessen und einer zunehmend datengetriebenen Baustelle.

















