84 Prozent wechselbereit: Bauwirtschaft kämpft um Fachkräfte

Foto: Roland Riethmüller

Hohe Gehälter schützen Bauunternehmen offenbar nicht vor dem Verlust ihrer Fachkräfte. Trotz guter Bezahlung sind viele Beschäftigte bereit, für mehr Geld den Arbeitgeber zu wechseln. Besonders brisant: Bei Projektleitern liegt die Wechselbereitschaft bei bis zu 84 Prozent. Ein aktueller Gehaltsreport zeigt außerdem, wie groß die Unterschiede beim Gehalt in der Bauwirtschaft sind. Dadurch könnte sich der Fachkräftemangel für kleinere Bauunternehmen und Handwerksbetriebe weiter verschärfen. 

Der Fachkräftemangel bleibt für die Bauwirtschaft eine der größten Herausforderungen. Dabei reichen mittlerweile hohe Gehälter allein offenbar nicht mehr aus, um Beschäftigte dauerhaft im Unternehmen zu halten. So zeigt der aktuelle Gehaltsreport Bau und Energie vom Personaldienstleister Hays eine überraschend hohe Wechselbereitschaft bei Fach- und Führungskräften. Besonders Projektleiter sind für neue Angebote offen. Für Bauunternehmen könnte sich damit der Wettbewerb um qualifiziertes Personal weiter verschärfen. Gleichzeitig zeigen die Zahlen, welche Gehälter aktuell im Baugewerbe gezahlt werden. Dafür wurden im ersten Quartal 2026 insgesamt 1.160 Fach- und Führungskräfte befragt. Zwar steigt mit dem Einkommen grundsätzlich auch die Zufriedenheit. Dennoch können sich selbst unter den Fachkräften, die mit ihrem Gehalt zufrieden oder sehr zufrieden sind, rund 40 Prozent einen Arbeitgeberwechsel für eine bessere Bezahlung vorstellen. Besonders auffällig ist die Projektleitung: Hier liegt die Wechselbereitschaft bei bis zu 84 Prozent. Bei Führungskräften sind es im Durchschnitt 67 Prozent.

Projektleiter verdienen besonders gut

Gerade Beschäftigte mit Verantwortung für zentrale Projekte sind auf dem Arbeitsmarkt gefragt. Das spiegelt sich auch in den Gehältern wider. Projektleitende kommen laut Gehaltsreport auf durchschnittlich 71.900 Euro pro Jahr und führen damit die Gehaltsliste der untersuchten Fachkräfte an. Bauleitende erreichen im Schnitt 67.900 Euro, Architekten rund 58.500 Euro. Deutlich niedriger liegen Beschäftigte in der Montage sowie Servicetechniker mit etwa 45.000 Euro jährlich. „Die Bau- und Energiewirtschaft braucht Fach- und Führungskräfte für zentrale Zukunftsaufgaben – von Energiewende über Infrastruktur bis hin zur Digitalisierung. Besonders gut verdienen jetzt diejenigen, die diese Transformationen als Projektleitende und Experten verantworten – doch genau diese Gruppen sind auch besonders wechselbereit, da sie aktuell sehr gute Angebote bekommen“, erklärt Martin Honerbom, Experte Bau- und Energiewirtschaft bei Hays.

Gehalt in der Bauwirtschaft: Kleine Betriebe zahlen deutlich weniger

Auch die Unternehmensgröße hat erheblichen Einfluss auf das Gehalt. Fachkräfte in Großunternehmen verdienen durchschnittlich 62.400 Euro jährlich. In kleinen Betrieben sind es dagegen nur 50.700 Euro. Damit entsteht gerade für kleinere Bauunternehmen und Handwerksbetriebe zusätzlicher Druck im Wettbewerb um qualifiziertes Personal. Auch die Qualifikation zahlt sich aus: Beschäftigte mit klassischer Berufsausbildung kommen durchschnittlich auf 46.500 Euro. Meister und Techniker erreichen dagegen 56.100 Euro und damit rund 21 Prozent mehr.

Zusätzlich bestehen erhebliche regionale Unterschiede. Fachkräfte in Westdeutschland verdienen durchschnittlich 13 Prozent mehr als im Osten. An der Spitze liegen Baden-Württemberg mit 62.600 Euro, Bayern mit 61.900 Euro und Hamburg mit 60.700 Euro. In Thüringen werden dagegen im Durchschnitt lediglich 42.400 Euro erreicht.

Fachkräftemangel am Bau, denn Baugewerbe zahlt weniger als Energiewirtschaft

Im Branchenvergleich gerät die Bauwirtschaft zusätzlich unter Konkurrenzdruck. Während Fachkräfte in der Energiewirtschaft durchschnittlich 62.000 Euro verdienen, sind es im Baugewerbe lediglich 53.600 Euro. Bei Führungskräften fällt der Abstand ähnlich deutlich aus: 80.000 Euro stehen 67.200 Euro gegenüber. Damit dürfte die Mitarbeiterbindung für Bauunternehmen weiter an Bedeutung gewinnen. Denn Gehalt ist längst nicht der einzige Faktor. 94 Prozent der Unternehmen bieten bereits Zusatzleistungen. Gleichzeitig wünschen sich 55 Prozent der Fachkräfte transparentere Gehaltsstrukturen. Wer qualifizierte Beschäftigte langfristig halten will, muss deshalb neben einer wettbewerbsfähigen Vergütung zunehmend auch bei Transparenz und Zusatzleistungen überzeugen.

Was hält Fachkräfte in der Bauwirtschaft wirklich im Betrieb?

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