Aktuelle Herausforderungen am Bau - was Baubetriebe belastet

News | Roland Riethmüller | 10.09.2021
Aktuelle Herausforderungen am Bau - was Baubetriebe belastet
Foto: Baugewerbeverband Schleswig-Holstein

Bei Betriebsbesuchen hatten drei Bauunternehmer in Norddeutschland die Möglichkeit, ihre aktuellen Themen mit der Politik zu diskutieren. Exemplarisch für die Lage in der Bauwirtschaft sind dabei die wichtigsten Herausforderungen auf den Tisch gekommen. So geht es um die Vergabe, Sicherung der Nachwuchskräfte, Werkverträge und die überzogenen Anforderungen zur Umsetzung energetischer Vorgaben.

In Schleswig-Holstein hat der regionale Baugewerbeverband Ende August mit dem dortigen Wirtschaftsminister Dr. Bernd Buchholz verschiedene Betriebe besucht und so einen guten Eindruck von den aktuellen Herausforderungen vermittelt. Dabei haben Thorsten Freiberg, der Vorstandsvorsitzende des Baugewerbeverbandes Schleswig-Holstein und Georg Schareck, der Hauptgeschäftsführer von Die Bauwirtschaft im Norden den Landespolitiker bei den Betriebsbesuchen begleitet.

Mittelständische Baubetriebe in Auftragsvergabe von Infrastrukturprojekten einbeziehen

Als erste Station der Betriebsbesuche in Norddeutschland wurde die Autobahn-Baustelle am Bordesholmer Dreieck bei Blumenthal von den Bauverbänden und dem Wirtschaftsminister angefahren, wo die Autobahn GmbH auf einer Länge von zehn Kilometern die Deckschicht in beiden Fahrtrichtigungen grundhaft erneuert. Umgesetzt wird der 16 Millionen Euro Auftrag von drei Bauunternehmen mit Sitz oder Niederlassung in Schleswig-Holstein: der Eurovia Teerbau GmbH, der Strabag AG und der Kemna Bau Andreae GmbH & Co. KG. „Ein mittelständisches Unternehmen kann ein Projekt in dieser Größenordnung nicht alleine stemmen“, erklärt dazu Stefan Jung von Kemna Bau. Daher waren alle drei Unternehmen bei der Auftragsvergabe als Bietergemeinschaft aufgetreten. Denn die gesamte Delegation ist sich einig, dass auch mittelständische Bauunternehmen aus dem Straßen- und Brückenbau bei Auftragsvergaben einbezogen werden und dass bei größeren Losen eben auch projektbezogene Zusammenschlüsse von Betrieben berücksichtigt werden müssen. Weitere Gespräche wurden jedoch auch zur Verstetigung der Ausschreibungen und der Planungssicherheit geführt. Dabei betonte Buchholz, dass er bei  landeseigenen Infrastrukturprojekten grundsätzlich anstrebe, Planungssicherheit durch eine verstetigte Investitionslinie herzustellen.

Sicherung des Fachkräftebedarfs belastet Bauunternehmen

Anschließend ist die Gruppe bei der Baufirma C. H. Maack GmbH & Co. KG aus Tornesch vorstellig geworden. Das mittelständische Bauunternehmen führt kleinere und größere Baumaßnahmen im Neubau und Bestandsbau aus und vereinigt dabei die drei Gewerke der Zimmerer, Maurer und Tischler. Das Ziel des Betriebsbesuchs bestand darin, für die Sicherung des Fachkräftebedarfs durch eine eigene Ausbildung sowie die gezielte, pragmatische Förderung ausländischer Fachkräfte zu sensibilisieren. Denn trotz dualer Ausbildung, dualem Studium und Meisterfortbildung wird auch bei diesem Mittelständler der Nachwuchs knapp. Buchholz setzt sich daher für Ausbildungsverträge ein, die auch jetzt noch im laufenden Ausbildungsjahr geschlossen werden können. Darüber hinaus ermutigen die beiden Maack-Geschäftsführer Marion Maack und Rolf Schwarz, die Verzahnung von Studium, Ausbildungszentren und Betrieben von politischer Seite noch einmal prüfen und optimieren zu lassen. Ferner sprachen die Bauausführenden und der Landespolitiker über digitale Vergabe, den Ausbau des Glasfasernetzes sowie die aktuellen Herausforderungen für den Holzbau mit den steigenden Baupreisen und der Materialknappheit.

Statt Werkvertragsrecht einzuschränken, lieber Fachkräftemangel bekämpfen

Der folgende Stopp bei der Karl Petersen Bauausführungen GmbH in Ahrensburg bildete den Abschluss der Betriebsbesuche. Das Familienunternehmen errichtet Mehrfamilienhäuser und Gewerbebauten in konventioneller Ziegelbauweise. Die größte Herausforderung stellt dort der Fachkräftemangel dar. Aus diesem Grund wurde der scharfe Appell an die Politik gerichtet, das Werkvertragsrecht im Bau nicht einzuschränken. Auch Buchholz bestätigte die Seriosität der Werkverträge, die nicht durch schwarze Schafe missbraucht werden dürfe. Doch auch die zu hohe Geschwindigkeit, mit der energetische Anforderungen von den Betrieben umgesetzt werden müssten, wurde vom Bauunternehmer Petersen bemängelt. So würde er sich als Bauausführender durchaus für den Klimaschutz einsetzen, erwartet jedoch ein Einbeziehen in politische Entscheidungen.

Aktuelle Kommentare zum Beitrag.
  (Geschrieben von Martin Biermann am 10.09.2021 )

Die Produktivitäts-Herausforderung!
Leider wurde DAS (vs. andere Länder – u. wie fast immer in D.) nicht angesprochen (weil, es das - effizienteste bis nachhaltigstes Lösungsmittel ist**)
Wenn Bauen (https://www.badische-zeitung.de/wohnungsbau-ministerin-razavi-mehr-leben-in-die-kommunen-zurueckbringen--204665599.html) nur noch eine Zuschuss-Branche aus ist – hat die Branche (gegenüber dem Wohlbefinden seiner Bürgern gem. der Angst-Studie: ...*-Schulden fürchten Deutsche am meisten) versagt!
MfG

*https://www.dw.com/de/angst-studie-corona-schulden-f%C3%BCrchten-deutsche-am-meisten/a-59111379
**z.B. - Dieser Mindestlohn https://www.cbsnews.com/news/minimum-wage-26-dollars-economy-productivity/ + der Baustrategie v. UK = Construction 2025 (minus 33% der Errichtungs- u. Lebenszyklus-Kosten + 50% schneller + 50% weniger CO2 + 50% weniger Importabhängigkeit)
wurde in D. ?  Schon im Dez. 2000 erreicht. (PS: "Allerdings gab`s bis gibt`s dafür  - in D. > nicht nur eine kurze - Hall of Fame < sondern;  Der Bau Staatsfeind Nr.1 bzw. Bau007 in D. zu sein!")

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