Mit 150 Millionen Euro belebt die Bundesregierung die KfW-55-Förderung neu, um den ins Stocken geratenen Wohnungsbau zu reaktivieren. Bis zu 51.000 Wohnungen könnten dadurch entstehen. Doch Experten zweifeln am Effekt. Steigende Baukosten, hohe Zinsen und langwierige Genehmigungen lassen viele Projekte scheitern. Auch das SHK-Handwerk warnt vor zu großer Euphorie und befürchtet, dass die bereitgestellten Millionen vor dem Hintergrund der aktuellen Baukrise kaum Effekt zeigen werden.
Die befristete Rückkehr der KfW-55-Förderung soll kurzfristig Bewegung in den stagnierenden Wohnungsbau bringen. Rund 150 Millionen Euro werden dafür umgeschichtet, unter anderem aus dem Programm „Gewerbe zu Wohnen“ und aus nicht abgerufenen Haushaltsmitteln. Nach Berechnungen der Immobilienwirtschaft könnten dadurch bis zu 51.000 Wohnungen realisiert werden, die bisher an fehlender Finanzierung gescheitert sind. Doch die Maßnahme stößt in der Branche auf Skepsis. Zu groß erscheinen die strukturellen Hindernisse, als dass das Programm die Baukrise wirksam entschärfen könnte. Denn die Dimension der Herausforderungen ist weitaus größer, berichtet der Zentralverband Sanitär Heizung Klima (ZVSHK). Steigende Baukosten, hohe Zinsen und eine unsichere wirtschaftliche Lage bremsen die Bautätigkeit massiv aus. „150 Millionen Euro sind angesichts der Dimension der Baukrise ein Tropfen auf den heißen Stein“, erklärt ZVSHK-Hauptgeschäftsführer Daniel Föst. Auch der viel zitierte Bauüberhang, also genehmigte, aber nicht fertiggestellte Wohnungen, erweise sich zunehmend als trügerische Hoffnung. Denn viele dieser Projekte bleiben selbst mit der temporären Zusatzförderung unwirtschaftlich und lassen sich schlicht nicht mehr realisieren.
Bauwirtschaft fordert verlässliche Förderstrukturen in der Baukrise
Die Reaktivierung von dem Förderprogramm EH55 wird in der Branche als pragmatischer Schritt gesehen, jedoch ohne nachhaltige Wirkung. Gefordert werden stabile und langfristige Rahmenbedingungen statt kurzfristiger Ad-hoc-Programme. Planungssicherheit sei entscheidend, um Investitionen in den Wohnungsbau wieder anzustoßen. Immer neue Kurswechsel bei Förderprogrammen erschweren hingegen eine solide Kalkulation und belasten insbesondere kleinere und mittelständische Unternehmen.
Trotz KfW-55-Förderung bleiben strukturelle Hürden
Neben verlässlichen Fördermodellen sieht die Bauwirtschaft vor allem Handlungsbedarf bei Genehmigungen und Bauvorgaben. Komplexe Verfahren verlängern Projekte und erhöhen die Kosten zusätzlich. Ohne Entlastung auf dieser Ebene werden selbst gut gemeinte Impulse schnell verpuffen. Hinzu kommt die enorme Abhängigkeit von Material- und Energiepreisen, die Bauprojekte unberechenbar machen.
SHK-Handwerk zwischen Chance und Unsicherheit
Besonders das SHK-Handwerk verdeutlicht, wie sehr die Branche auf stabile Förderkulissen angewiesen ist. Betriebe benötigen Planungssicherheit, um Personal und Material für Heizungs-, Klima- und Sanitärtechnik vorzuhalten. „Ohne Planungssicherheit können Betriebe weder Personal noch Material für moderne Heizungs-, Klima- und Sanitärtechnik zuverlässig einplanen“, betont Föst. Kurzfristige Zuschüsse helfen kaum, wenn Betriebe nicht langfristig mit einem gesicherten Auftragsvolumen rechnen können.
Wohnungsbau braucht Aufbruch statt Flickwerk
Unter dem Strich bleibt die Wiederbelebung von EH55 ein Signal, das in der Praxis jedoch kaum ausreicht, um den Wohnungsbau nachhaltig zu stabilisieren. Die Maßnahme zeigt den politischen Willen, einzelne Projekte zu retten, löst aber nicht die tieferliegenden Probleme. Wer den Wohnungsbau ankurbeln will, muss mehr tun als zusätzliche Fördertöpfe zu öffnen. Erst wenn die strukturellen Rahmenbedingungen verbessert werden, entsteht die notwendige Investitionsbereitschaft. Nur dann kann der Wohnungsbau seine Rolle als Motor für Beschäftigung, Klimaschutz und bezahlbaren Wohnraum erfüllen.

















