Altglas-Pulver statt Zement: so wird Beton langlebig

Foto: Provencher Roy

Für den Bau der „Darwin-Brücken“ in Montreal wurde ein ganz besonderer Beton verwendet. Er besteht zu zehn Prozent aus fein gemahlenem Altglas, das den Beton langlebiger und widerstandsfähiger machen und seinen ökologischen Fußabdruck verbessern soll. Mithilfe von insgesamt 70.000 Weinflaschen entstand damit ein Infrastrukturbauwerk, das fast doppelt so lange halten soll wie ein vergleichbares Gebäude aus herkömmlichem Beton.

Die bereits im Jahr 2020 fertiggestellte Zwillingsbrücke befindet sich auf der Insel Île des Surs im Sankt-Lorenz-Strom und dient als Ersatz einer in den 60er Jahren erbauten Brücke. Bei ihrem Bau setzten die Bauherren Altglas aus insgesamt 70.000 Weinflaschen ein, was ungefähr 40.000 Kilogramm Zement eingespart hat. Laut dem Architekturbüro Provencher_Roy, das die Pläne für den Brückenbau entwickelt hat, besitzt die 37 Meter lange Konstruktion eine Lebensdauer von über 125 Jahren, während Konstruktionen aus herkömmlichem Beton durchschnittlich nur 75 Jahre lang halten. Für das Projekt kooperierte die Stadt Montreal mit der Université de Sherbrooke und der Société des alcools du Québec (SAQ), die einen Großteil des Alkoholverkaufs in Quebec organisiert.

Seit Fertigstellung der Brücken wird die Leistung des Betons von der Universität und der Stadt überwacht. Einen Award erhielt das Projekt von der Ortsgruppe „Quebec und östliches Ontario“ des „American Concrete Institutes“ (ACI). Das ACI verlieh ihm den Award of Excellence 2021 in der Kategorie Infrastruktur und reichte das Projekt zusätzlich beim internationalen ACI ein. Dort wurde es ebenfalls in der Kategorie Infrastruktur ausgezeichnet.

Altglas in Beton ist für Montreal nichts Neues

Als die Zwillingsbrücken entstanden, war Altglas im Beton für Montreal in anderen Bauprojekten längst Alltag. „Seit 2011 verwenden wir Glaspulver im Gehwegbau und die Ergebnisse sind überzeugend“, erklärte bereits im Jahr 2020 Sylvain Ouellet, der damals für Infrastruktur zuständigen Montrealer Stadtrat. „Wir sind äußerst stolz darauf, den Einsatz dieser neuen, effektiven und ökologischen Techniken auszuweiten, um eine widerstandsfähigere und umweltfreundlichere Stadt für alle Einwohner Montreals zu schaffen.“

Offiziell geregelt ist die Nutzung von Altglas-Pulver als Ersatz für Zement bei der Beton-Herstellung in Kanada seit Dezember 2018 durch den CSA A3000-Standard. Ihm folgte im Jahr 2020 der CT866-Standard für die USA. Bei der Entwicklung beider Standards spielte die Université de Sherbrooke eine nicht unerhebliche Rolle.

Auch die SAQ sieht viele Vorteile

Den Brückenbau aus Beton mit Altglas empfanden nicht nur die Universität und die Stadt Montreal als vorteilhaft. Einen nicht unerheblichen Nutzen sah auch Marie-Hélène Lagacé, Vizepräsidentin der SAQ für öffentliche Angelegenheiten. Sie betonte, dass die Verwendung von Altglas-Pulver im Beton einer Straßenbrücke ein Fortschritt sei, den die SAQ als äußerst spannend empfinde. Die Gesellschaft forscht seit über 15 Jahren an neuen Verwendungsmöglichkeiten für die von ihr verkauften Glasflaschen. Beton mit Altglas kommt da gerade recht.

Kommentare

0 0 votes
Wie gefällt Ihnen dieser Artikel?
Abonnieren
Benachrichtige mich bei
0 Comments
Inline Feedbacks
View all comments

Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen?

Dann melden Sie sich doch gleich an zum kostenlosen E-Mail-Newsletter und lassen sich über weitere Neuigkeiten wöchentlich informieren!

Hinweis: Sie können den Newsletter von meistertipp.de jederzeit und kostenfrei abbestellen. Ihre Daten werden nur zum Versand des Newsletters genutzt. Wir geben Ihre Daten nicht weiter. Mehr Informationen zum Umgang mit Nutzer-Daten finden Sie in unserer Datenschutz-Erklärung.

Das könnte Sie auch interessieren

Messen & Kongresse 2024

Der große Meistertipp-Kalender: Messen und Kongresse 2024 für Bauindustrie, Baugewerbe, Bauhandwerk und die Bauwirtschaft.

Newsletter

Verpassen Sie nichts mehr mit unserem kostenlosen Newsletter. So werden Sie frühzeitig über anstehende Veranstaltungen informiert und bleiben immer auf dem neusten Stand.

Hinweis: Sie können den Newsletter von meistertipp.de jederzeit und kostenfrei abbestellen. Ihre Daten werden nur zum Versand des Newsletters genutzt. Wir geben Ihre Daten nicht weiter. Mehr Informationen zum Umgang mit Nutzer-Daten finden Sie in unserer Datenschutz-Erklärung.