Architekten arbeiten mit BIM - Bauwirtschaft hinkt hinterher

News | Roland Riethmüller | 17.06.2015 Bild zu: Architekten arbeiten mit BIM - Bauwirtschaft hinkt hinterher
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Es gibt zahlreiche Beispiele für Bauprojekte, die hinsichtlich der Kosten und Dauer aus dem Ruder gelaufen sind. Dies liegt auch daran, dass die immer komplexer werdenden Bauprojekte mit den klassischen Methoden nicht mehr effizient gesteuert werden können. Building Information Modeling (BIM) schafft Abhilfe. Laut einer aktuellen Studie wird das Thema in der Architektur durchaus schon eingesetzt, nicht jedoch in der Bauwirtschaft.

Nach fünf Monaten schließt das auf Building Information Modeling (BIM) spezialisierte “Bim it!” Planungs- und Projektteam von BPS International ihre Recherche zum Thema BIM ab. Untersucht wurde dabei der Einsatz dieses Prozessverfahrens in den 750 größten Architekturbüros für Hochbau ab einem Umsatz von 50 Millionen Euro und Ingenieurbüros für bautechnische Gesamtplanung sowie derer für technische Fachplanung jeweils ab fünf Millionen Euro Umsatz. Demnach ist das Thema BIM durchaus in den Planungsbüros angekommen, wird jedoch eher als Planungstool statt als Prozessablauf verstanden. Folglich wird BIM eher auf die Software reduziert. Um langfristig den Fortschritt zu etablieren, muss ein stärker Wissensaufbau zur Steuerung und Verwaltung von BIM-Projekten erfolgen, resumieren die Experten. Außerdem muss das Thema als Gewerke- und Leistungsphasenübergreifender Kollaborations- und Datenstandard positioniert werden. Hinderlich dabei ist jedoch, dass es aktuell noch keinen gemeinsamen Datenpool sowie Datenschnittstellen für BIM-Projekte gibt. Doch die BPS-Experten sind zuversichtlich. “Die nächste Stufe der Anwendung von Building Information Modeling wird darin bestehen, dass deutsche Ingenieur- und Architekturbüros BIM als ganzheitlichen Prozess verstehen, der sich auch über die Bau- und Betriebsphase erstreckt und nicht mit Abgabe der Planungsleistungen aufhört”, erläutert BIM-Projektkoordinator Tobias Schmidt.

Wichtig ist jedoch auch, dass die Vernetzung mit den nachgelagerten Wertschöpfungsstufen aus den Bereichen Bauen und Betrieb erfolgt. Nur dadurch kann die nötige Transparenz und Prozess-Sicherheit für das mit BIM gestaltete Projekt erreicht werden. Doch insbesondere dies ist nicht so ganz einfach. “Gerade die Bauwirtschaft hinkt bei der Digitalisierung derart weit hinterher wie kein anderer Wirtschaftsbereich, was auch Studien von Forschungsunternehmen sowie die Unternehmen der Branche selbst bestätigen”, klagt Schmidt. “Fehlende Innovationsimpulse und nicht adaptierte Rahmenbedingungen haben in den letzten Jahren einen Stillstand in Bezug auf die Modernisierung von Planungs-, Bau- und Betriebsprozessen eingeleitet und führen nun zu einem sehr späten Einstieg in Building Information Modeling (BIM) in Deutschland.” So verweist der BIM-Projektkoordinator vor allem auf die fortschrittliche Entwicklung im IT-Bereich, bei der Visualisierung und Digitalisierung bereits eine entscheidende Rolle spielen. “Diese Einflüsse prasseln nun wie ein nährender Regen auf den eingestaubten Bausektor.”

Hinzu kommt, dass sich die Rahmenbedingungen in den letzten Jahren grundlegend geändert haben. Viele Bauprojekte sind extrem komplex und vereinen das Knowhow und die Technologie verschiedenster Gewerke. Auch die rechtlichen Aspekte und Arbeitsprozesse sind vielfach umfangreicher geworden und lassen sich mit den klassischen Planungs-, Bau- und Betriebsmethoden oftmals nicht mehr beherrschen. Die Folge sind ineffiziente Zusammenarbeit, zeitliche Verzögerungen, Qualitätsmängel und höhere Betriebskosten. Mit dem Einsatz von BIM können Bauprojekte im mehrstelligen Millionenbereich hinsichtlich Zeit und Kosten deutlich effizient abgewickelt werden, sind sich die BPS-Experten einig. Doch können heutige Probleme damit allein noch nicht gelöst werden. “Es geht darum, die schleichende Verschwendung und Doppel- bzw. Mehrarbeit zu reduzieren, in dem ehemals manuelle, nicht greifbare und nicht verzahnte Prozesse digitalisiert und miteinander vernetzt werden”, erklärt Tobias Schmidt. Nur die konsequente Verwendung von Hilfsmitteln wie Building Information Modeling (BIM), Computer-Aided Facility Management (CAFM) und Smart Building führen zur transparenten, steuerbaren und beeinflussbaren Ausgestaltung von größeren Bauprojekten.

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