Attraktive Bauwirtschaft - Fachkräftemangel steigert Löhne

News | Frank Kessler | 18.01.2021
Attraktive Bauwirtschaft - Fachkräftemangel steigert Löhne
Foto: Roland Riethmüller

Der Fachkräftemangel erhöht die Löhne. Eine aktuelle Studie bestätigt dies zumindest bei Berufen für Hochqualifizierte. Die Löhne in Berufen mit mittlerem Anforderungsniveau reagieren dagegen deutlich schwächer. Folglich zeichnet sich die Bauwirtschaft damit durch beste Beschäftigungschancen sowie höchste Löhne aus. Besonders gute Jobchancen bei bester Bezahlung bietet unter den untersuchten Ausbildungsberufen beispielsweise der Rohrleitungsbau.

Vor allem Bauberufe sind durch den Fachkräftemangel attraktiv geworden und bieten eine sichere und gut bezahlte Beschäftigung. Wie das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) ermittelt hat, verdienen beispielsweise ausgebildete Kräfte im Rohrleitungsbau einen Bruttomonatslohn von 3.590 Euro im Monat. Gleichzeitig kommen auf 100 offene Stellen 27 Arbeitslose. Noch etwas höher sind die Löhne bei den Ausbildungsberufen im Gleisbau, wo der mittlere Bruttolohn 3.637 Euro/Monat erreicht. Den größten Fachkräftemangel bei den Bau-Ausbildungsberufen verzeichnet die Kältetechnik mit nur zwölf Arbeitslosen pro 100 offenen Stellen. Auf der anderen Seite der Skala stehen ausgebildete Gebäudetechniker mit 2.889 Euro Bruttomonatslohn und 920 Arbeitslosen pro 100 Stellen.

Ohne Ausbildung ist die Lage oft sehr schwierig

Für Arbeitnehmer ohne Ausbildung ist die Lage auf dem Bauarbeitsmarkt weiter schwierig. Das zeigt beispielsweise ein Blick auf die unausgebildeten Kräfte bei den Maler- und Lackiererarbeiten. Ihr mittlerer Bruttoverdienst liegt bei 2.332 Euro/Monat und auf 100 Stellen kommen 1.120 Arbeitslose. Ähnlich schwierig ist die Lage bei unausgebildeten Kräften in der Bodenverlegung und Klempnerei, im Hochbau sowie im Aus- und Trockenbau. Eine Ausnahme bildet die Ver- und Entsorgung, wo auch unausgebildete Kräfte im Mittel über 3.000 Euro verdienen.

Höherqualifizierung in der Bauwirtschaft rechnet sich

Auf der anderen Seite erhalten Baufachkräfte mit einer Fortbildung beziehungsweise einem Bachelor fast ausnahmslos mehr Lohn als diejenigen Baufachleute, die nur eine berufliche Ausbildung ohne Fortbildung abgeschlossen haben. Fachleute mit Bachelor oder Fortbildung arbeiten auch fast ausnahmslos in Berufen mit Fachkräftemangel. Das gilt insbesondere für Aufsichtskräfte im Tiefbau. Ihr mittlerer Bruttolohn liegt bei 4.981 Euro und es kommen 17 Arbeitssuchende auf 100 ausgeschriebene Stellen. Noch besser stehen Fachkräfte mit Master oder Diplom da, etwa im Tiefbau. Ihre Löhne liegen im Mittel bei 5.558 Euro/Monat und auf 100 offene Stellen kommen nur zwölf Arbeitslose. Noch etwas stärker ist der Fachkräftemangel bei den Fachkräften mit Master oder Diplom in der Ver- und Entsorgung (mittlerer Bruttoverdienst: 5.484 Euro/Monat) mit acht Arbeitssuchenden auf 100 Stellen.

Löhne sollten sich stärker an Fachkräftemangel orientieren

Die Fachleute des IW weisen in ihrer Studie darauf hin, dass sich erhöhte Löhne in den untersuchten Berufen nicht immer mit einem Fachkräftemangel erklären ließen. So seien etwa die Löhne bei angestellten Zahnärzten auch ohne einen Fachkräftemangel kräftig gestiegen. Auf der anderen Seite stiegen die Löhne bei Lokführern und Brandschutzfachkräften trotz eines Mangels an Bewerbern nur unterdurchschnittlich. Für das IW erscheint es aus volkswirtschaftlich-theoretischer Sicht sinnvoll zu sein, Lohnerhöhungen künftig mehr als bisher anhand des Fachkräftemangels zu differenzieren. Wenn die Tarifverträge mehr Spielraum für betriebliche Lohnprämien zulassen würden, könnten Betriebe in Branchen mit Fachkräftemangel einfacher einen Effektivlohn oberhalb des Tariflohns zahlen, schreibt das IW.

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