In Bauwirtschaft und Handwerk macht sich zunehmend massive Kritik breit an der geplanten Entlastungsprämie. Führende Verbände warnen, dass die angekündigte steuerfreie Sondervergütung Beschäftigten helfen soll, für viele Betriebe aber zur zusätzlichen Belastung werden könnte. Angesichts hoher Energiepreise, steigender Materialkosten, wachsender Bürokratie und schwacher Konjunktur wächst der Druck auf den Mittelstand. Unternehmen fordern stattdessen spürbare Entlastungen, sinkende Abgaben und verlässliche Rahmenbedingungen für Investitionen.
Die von der Bundesregierung angekündigte steuer- und abgabenfreie Entlastungsprämie für Beschäftigte sorgt in der Bauwirtschaft und im Handwerk für scharfe Kritik. Mehrere Verbände aus Bauhauptgewerbe, Ausbau, SHK-Handwerk sowie Garten- und Landschaftsbau sehen in den Beschlüssen der Koalition keine echte Hilfe für Unternehmen, sondern zusätzliche finanzielle Belastungen in ohnehin schwierigen Zeiten. Angesichts steigender Energiepreise, hoher Materialkosten, wachsender Bürokratie und schwacher Baukonjunktur warnen die Branchen vor weiterem Druck auf mittelständische Betriebe. Dabei fällt die Kritik der Bundesvereinigung Bauwirtschaft (BVB) besonders deutlich aus. „Die Ergebnisse der Koalitionsklausur sind für die Bau- und Ausbauwirtschaft schlicht enttäuschend“, erklärt BVB-Vorsitzender Marcus Nachbauer. „Statt dringend benötigter Entlastungen für die Betriebe liefert die Bundesregierung das Gegenteil: Sie wälzt die Kosten ihrer Maßnahmen einseitig auf die Unternehmen ab.“ Viele Firmen arbeiteten bereits an der Grenze der Wirtschaftlichkeit. Gerade in energieintensiven Gewerken und bei laufenden Bauprojekten seien die Margen zuletzt massiv geschrumpft.
Betriebe sehen Entlastungsprämie als Fehlanreiz
Auch im SHK-Handwerk wächst der Unmut. Der Zentralverband Sanitär Heizung Klima (ZVSHK) spricht von einer „Schein-Entlastung auf Kosten des Handwerks“. Verbandspräsident Michael Hilpert warnt: „Der Staat verteilt Versprechen – und die Unternehmer sollen bezahlen.“ Viele Betriebe sicherten derzeit Arbeitsplätze und Ausbildung unter schwierigen Rahmenbedingungen. Zusätzliche Sonderzahlungen in dieser Größenordnung seien für zahlreiche Unternehmen kaum darstellbar. Ähnlich argumentiert auch der Fachverband Sanitär Heizung Klima Hessen (FV SHK Hessen). „Die geplante Prämie mag gut gemeint sein, sie verkennt jedoch die wirtschaftliche Realität in unseren Betrieben“, kritisiert Landesinnungsmeister Uwe Loth. „Viele Unternehmen stehen bereits unter erheblichem Kostendruck.“ Geschäftsführer Björn Hendrischke ergänzt: „Statt kurzfristiger Symbolpolitik braucht das Handwerk verlässliche Rahmenbedingungen, damit Betriebe investieren, ausbilden und Beschäftigung sichern können.“
GaLaBau warnt vor neuer Belastungswelle
Auch der Garten- und Landschaftsbau sieht die Maßnahme kritisch. „Die vom Koalitionsausschuss beschlossenen Maßnahmen zur Abmilderung der Folgen der gestiegenen Energiekosten verfehlen ihr Ziel“, erklärt Thomas Banzhaf, Präsident des Bundesverbandes Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (BGL). Besonders kleinere und mittlere Unternehmen litten bereits unter Kostensteigerungen und einer angespannten Ertragslage. Deshalb fehle der finanzielle Spielraum für zusätzliche Prämienzahlungen. „Statt einer Entlastung der Betriebe sehe ich unterm Strich eine weitere Belastung“, so Banzhaf.
Forderung nach echten Reformen
Trotz Zustimmung zur angekündigten Senkung der Energiesteuer halten die Verbände diese Maßnahme allein für unzureichend. Gefordert werden dauerhaft wettbewerbsfähige Energiepreise, sinkende Lohnnebenkosten, weniger Bürokratie und mehr Planungssicherheit für Investitionen. Die Botschaft aus Bauwirtschaft und Handwerk ist eindeutig: Symbolpolitik reicht nicht mehr aus. Benötigt werden strukturelle Entlastungen, damit Betriebe Beschäftigung sichern, Fachkräfte ausbilden und den Sanierungs- sowie Wohnungsbau voranbringen können.

















