Ausbildung zum Meister, Spaß am Bau, faire Bezahlung treibt den Nachwuchs

Jennifer Brandt | 13.06.2012
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Eine Anfang des Jahres durchgeführte Studie hat Berufseinsteiger zu ihrer Berufsausbildung in der Bauwirtschaft befragt. Dabei setzte man sich mit den Wünschen und Zielen, wie auch den Erfahrungen der Befragten auseinander. Die Ergebnisse bringen einige Erkenntnisse hervor, die dazu beitragen können, die Weichen für das Gewinnen von Fachkräften am Bau in die richtige Richtung zu stellen.

Der demografische Wandel wird immer mehr zum Problem des Arbeitsmarktes, denn es kommen einfach nicht genug qualifizierte Fachkräfte nach. Auswertungen der Arbeitnehmerzahlen durch die SOKA-BAU machen deutlich, wie Ernst die Lage ist: etwa 136.000 Arbeitnehmer sind zwischen 45 und 54 Jahre alt, immer noch gut 119.000 Beschäftigte sind zwischen 35 und 44 Jahren alt, lediglich knapp 52.000 Personen haben ein Alter zwischen 15 und 24 Jahren. An den Zahlen ist erkennbar, dass die älteren Jahrgänge um ein Vielfaches  stärker vertreten sind als die jungen. Dies wird schon in den nächsten acht Jahren zu einem echten Problem werden können. Wenn die Ausbildungszahlen in den nächsten Jahren nicht deutlich steigen, werden die in Rente gehenden Beschäftigten nicht mehr ausreichend nachbesetzt werden können.

Im Januar und Februar 2012 wurde von der SOKA-BAU und dem F.A.Z.-Institut für Management-, Markt- und Medieninformation eine Studie durchgeführt, die 5.800 Berufseinsteiger aus der Bauwirtschaft hinsichtlich ihrer Berufsausbildung sowie ihren Karriereplänen befragt hat. Die Berufseinsteiger setzen sich aus 900 derzeitigen Azubis, 1.900 Junggesellen (Bauprofis) und 3.000 ehemaligen Bauprofis (Ex-Bauprofis) zusammen. Unter den Ex-Bauprofis befinden sich zum einen  diejenigen, die ihre Ausbildung erfolgreich abgeschlossen, den Berufsweg aber nicht weiterverfolgt haben. Und zum anderen handelt es sich um Jugendliche, die ihre Ausbildung abgebrochen haben. Die Studie soll einen Beitrag dazu leisten, Jugendliche besser zu verstehen. Wo liegen ihre Wünsche, Ziele und Prioritäten? Nur so wird es mittel- bis langfristig möglich sein, junge Schulabgänger für eine Ausbildung am Bau zu gewinnen und damit auch langfristig im selbigen Berufsleben zu halten.

Die Befragten geben in der Mehrheit an, dass die Vergütung natürlich wichtig ist, dennoch aber nicht ihre Priorität für oder gegen die Wahl des Berufs am Bau ist. Vielmehr ist es ihnen wichtig, Spaß an ihrem Job zu haben, ein gutes Betriebsklima vorzufinden und vor allem eine Herausforderung in ihren alltäglichen Arbeiten zu finden. Die Wahl für die Ausbildung am Bau wird demnach sehr bewusst von den jungen Menschen getroffen. Keinesfalls stellt sie nur einen Notnagel dar, weil vielleicht andere Ausbildungsplätze nicht zur Verfügung stehen.

Bei der Findung des passenden Stellenangebots und Betriebes spielen zwei ganz wichtige Faktoren eine Rolle: das Internet und der frühe Kontakt zum späteren Ausbildungsbetrieb. Mit 91,3% liegt das Internet ganz weit vorn bei den angehenden Azubis, wenn es um das Finden eines Ausbildungsplatzes geht. Erst danach folgen die Schule, die informiert (28,8%), Broschüren und Flyer (19,6%), Berufsfachmessen (17%), Zeitungen (11,2%) oder Öffentlichkeitsveranstaltungen von überbetrieblichen Ausbildungszentren (9,9%). Wenn die mögliche Stelle dann gefunden ist, zeigt sich, dass sich die Mehrheit immer noch ganz klassisch bei den Betrieben bewirbt. Dennoch besteht bei fast jedem Zweiten schon ein längerer persönlicher Kontakt mit dem Ausbildungsbetrieb, beispielsweise durch Praktika. Es zeigt sich gerade unter den befragten Abbrechern der Ausbildung, dass sie ihren Ausbildungsbetrieb erst bei Einstellung persönlich kennengelernt haben. Der frühzeitige Kontakt trägt damit einen wesentlichen Teil dazu bei, dass Ausbildungsbetrieb und Auszubildender bereits vor Beginn der Ausbildung wissen, was sie voneinander und vom Berufsbild zu erwarten haben.

Die Umfrage legt auch offen, dass fast alle befragten Azubis mit ihrer derzeitigen Ausbildung am Bau durchaus zufrieden sind (93,5%). Ein Viertel derer (24,8%) sind sogar sehr zufrieden in ihrem Ausbildungsbetrieb. Diese Zufriedenheit mit dem Betrieb und der Ausbildung bietet außerdem die Grundlage für eine erfolgreiche Vermittlung der Ausbildungsinhalte. Bei den Ausbildungsabbrechern bestätigt sich nämlich ebenso deutlich, dass eine große Unzufriedenheit mit dem Ausbildungsbetrieb sowie der Ausbildung an sich vorhanden war. Fast jeder zweite Abbrecher gab dies als Grund für seine Entscheidung an. Insbesondere das Betriebsklima, die Arbeitsbelastung und den Umgang unter Kollegen und Vorgesetzten trugen ihren Teil zum Abbruch der begonnenen Ausbildung bei.

Nun gäbe es in der Studie noch das Bild derer, die aus der Baubrache aus unterschiedlichsten Gründen komplett ausgestiegen sind. Die Mehrzahl hat sich für diesen Weg entschieden, weil sie eine Weiterbildung wünschten (41,3%). Weitere Gründe sind Arbeitslosigkeit (30,2%), Unzufriedenheit mit der Arbeit am Bau (22,2%) und gesundheitliche Gründe (22,2%). Dennoch würde gut jeder Dritte (31,8%) wieder in den Bauberuf zurückkehren. Lediglich 4,5% ziehen diese Möglichkeit nicht mehr in Betracht.

Die Untersuchung stellt die Situation für die Bauwirtschaft sehr deutlich dar und zeigt damit, wohin der Handlungsbedarf der Betriebe gehen muss, um sich gegen den Fachkräftemangel erfolgreich durchzusetzen. Jobsicherheit und ein faires Gehalt sowie Weiterbildungen sind das A und O für die Entscheidung zu einer Karriere in der Baubranche. Beim Stichwort Karriere zeigen die Zahlen auch, dass die Azubis und Gesellen heutzutage nicht mehr nur mit der reinen Ausbildung glücklich zu machen sind. Vielmehr wünschen sie sich – 60% der Azubis und 67,5% der Junggesellen – die Meisterprüfung zu absolvieren. Die Laufbahn des Polier streben 39,5% der Azubis und 34,7% der Junggesellen an. Für ein Studium würden sich immer noch 29,8% der Azubis und 22,9% der Junggesellen entscheiden. Lediglich etwa ein Viertel der Azubis (27,6%) und Junggesellen (22%) planen, sich später selbstständig zu machen.

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