Ausbildungsberufe in der Krise – nicht jedoch am Bau

Ausbildungsberufe in der Krise - nicht jedoch am Bau
Foto: Roland Riethmüller

Immer weniger Jugendliche interessieren sich für eine Ausbildung. Doch gibt es tatsächlich auch Ausbildungsberufe, die sich über ansteigende Bewerberzahlen freuen können. Fast alle sind dem Bereich Handwerk und Bau zugehörig und unterliegen dem Fachkräftemangel. Welche Berufsgruppen das genau sind, hat eine aktuelle Studie nun ermittelt. Die Krisensicherheit ist dabei sicher ein wichtiger Aspekt, doch auch die Relevanz für die Erreichung der Klimaziele trägt entscheidend zur Attraktivität bei.

Die duale Ausbildung steckt in der Krise. Immer weniger junge Menschen interessieren sich für diesen Bildungsweg. Wie das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) ermittelte, ist dabei sogar die Zahl der Ausbildungsinteressierten in den letzten zehn Jahren deutlich stärker zurückgegangen als das Ausbildungsangebot insgesamt. Folglich haben es die Unternehmen immer schwerer, ihre Ausbildungsplätze zu besetzen. Zum einen liegt das an den demografiebedingt sinkenden Schulabgängerzahlen. Hinzu kommt zum anderen der wachsende Wunsch nach einer akademischen Ausbildung.

Handwerk und Bau ist weiterhin gefragt

Doch es gibt Ausnahmen. Wie das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) in einer aktuellen Studie nachgewiesen hat, trotzen neun Ausbildungsberufe diesem allgemeinen Trend. Im Wesentlichen sind diese Tätigkeiten alle dem Handwerk und Bau zugehörig. Zusätzlich unterliegen sie alle bereits seit Jahren einem hohen Fachkräftemangel. Zwischen den Jahren 2016 und 2021 ist folglich die Ausbildungsplatznachfrage in diesen Berufen kontinuierlich angestiegen. Die stärkste Steigerung waren bei den Führerinnen und Führern von Erdbewegungs- und verwandten Maschinen zu verzeichnen. 67,3 Prozent mehr Menschen interessierten sich demnach für die Bedienung vom Bagger & Co. Da in diesem Bereich jedoch die in absoluten Zahlen gemessene Nachfrage sehr gering ist, führen bereits kleinere absolute Änderungen zu einem deutlichen prozentualen Anstieg. Deutlich relevanter ist daher das prozentuale Wachstum um 42,1 Prozent im Bereich vom Tiefbau, um 35,7 Prozent bei Dachdeckern und 30,6 Prozent bei Fliesenlegern. Doch auch im Bereich der Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik interessierten sich im Jahr 2021 22,8 Prozent mehr Jugendliche für eine Ausbildung als noch im Jahr 2016. In der Bauelektrik waren es 18,2 Prozent mehr.

Warum sind gerade diese Ausbildungsberufe so attraktiv?

Diese vorgestellten Berufe haben eines gemeinsam, sie brauchen Fachkräfte. Deshalb sind die Berufe dort krisensicher. Außerdem werden hier auch attraktive Gehälter gezahlt. “Unsere Auswertung zeigt deutlich, dass viele Ausbildungen sehr attraktiv sind und nicht alle Berufe mit sinkenden Bewerberzahlen zu kämpfen haben“, sagt Studienautorin Lydia Malin. „Gerade im Handwerk gibt es einige Berufe, für die sich Jahr für Jahr immer mehr junge Menschen interessieren.“ Das liegt auch daran, dass die Corona-Pandemie nicht in allen Sparten zu spüren war. Besonders die Berufe am Bau haben sich als krisensicher erwiesen. Obendrein sind es die aktuellen Herausforderungen, die die Berufe in der Gesellschaft auswerten. Dazu gehören der Wohnungsbau, die Klimawende und die Mobilitätswende. Durch die gesellschaftliche Relevanz werden diese Ausbildungsberufe auch in den Medien gestärkt. Soziale Netzwerke dienen auch dazu, die Berufe der breiten Öffentlichkeit bekannt zu machen und zur Berufsorientierung sehr hilfreich sein.

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