Barrierefreie Badgestaltung zwischen Tabu und Euphorie

Roland Riethmüller | 22.08.2012
Bild zu: Barrierefreie Badgestaltung zwischen Tabu und Euphorie
Foto: Villeroy & Boch

Das Thema Barrierefreie Badgestaltung bewegt viele Zielgruppen und wird trotzdem nicht trennscharf betrachtet. Denn sowohl die Industrie als auch das SHK-Handwerk tun sich schwer, Generationenbäder gezielt zu vermarkten. Noch immer ist Barrierefreiheit trotz attraktiver Wachstumsraten vor allem sprachlich ein schwieriges Thema. Dabei könnte das Marktsegment überzeugend durch Komfort und Sicherheit vermarktet werden.

Aufgrund der demographischen Entwicklung kommt heute kein Hersteller oder Installateur der Sanitär-, Heizung- und Klimabranche mehr an der barrierefreien Badgestaltung vorbei. Kein anderes Marktsegment bietet vergleichbare Wachstumsraten an. Und obwohl bereits seit Jahren die Sanitärindustrie barrierefreie Bäder anbietet und erste SHK-Installateure sich auf die barrierefreie Badgestaltung spezialisiert haben, so wird der Bedarf nur ungenügend gedeckt. Vor allem hinsichtlich der genauen Zielgruppe ist sich die Branche nicht einig. Wer gehört denn nun zu den Absatzgruppe? Ist die Zielgruppe mit den ca. 2,4 Millionen ambulanten und stationären Pflegebedürftigen zu eng gefasst? Reicht die Ausweitung auf die 17 Millionen Deutschen der Generation 65 plus aus? Oder sollte unter dem Aspekt der Sicherheit für alle Generationen die Zielgruppe generell auf die gesamte Bevölkerung ausgedehnt werden? Die Wuppertaler Marketing-Agentur Thielenhaus & Partner empfiehlt zur klaren Zielgruppen-Definition für Hersteller und Installateure der SHK-Branche, um die Streuverluste so gering wie möglich zu halten.

Auch sprachlich sollte die Zielgruppe klar und unverblümt angesprochen werden. Etwaige Tabuisierung älterer und behinderter Menschen hilft weder dem Anbieter noch dem Nachfrager, weiß auch Dietrich W. Thielenhaus. „Bei einer effektiven Kommunikation kommt es auf die überzeugende Nutzen-Argumentation an, die im unfallträchtigen Badezimmer folgerichtig auf Komfort und Sicherheit abstellen sollte.“ So sollten spezielle Produkte für Menschen mit eingeschränkten körperlichen Möglichkeiten anders vermarktet werden als universell nutzbare Generationenbäder mit einem entsprechenden Zusatznutzen. So seien selektive Nutzer-Argumentationen aus Erfahrung wirksamer als sprachliche Eiertänze.

Aktuelle Kommentare zum Beitrag.

Das könnte Sie auch interessieren.