Bau wird digitalisiert, aber Baumaschinen vergessen!

News | Frank Kessler | 28.10.2020
Bau wird digitalisiert, aber Baumaschinen vergessen!
Foto: Roland Riethmüller

Während die Bauwirtschaft gute Schritte in Richtung der Digitalisierung geht, wird der digitalisierte Umgang mit Baumaschinen immer noch recht stiefmütterlich behandelt. Dabei gibt es schon heute sehr attraktive Möglichkeiten, Baumaschinen digital zu warten oder auch komfortabel unterschiedliche Maschinendaten zentral zu verwalten. Die Coronakrise beschleunigt das Umdenken und führt zu Veränderungen in verschiedenen Stufen der Wertschöpfungskette der Baumanschinenindustrie.

"Digital, autonom und grün: Die Baustelle der Zukunft wird Realität": Das ist das Leitthema des diesjährigen Construction Equipment Forums, das vom 30. November bis zum ersten Dezember stattfindet. Im Rahmen der Vorankündigung bescheinigt Robert Michaelides Jr., COO der Proemion GmbH, der Baubranche, dass viele Unternehmen bei der digitalen Ausstattung ihrer Mitarbeiter mittlerweile gut aufgestellt sind. Dagegen werde die Baumaschine oft noch nicht digitalisiert.

Digitalisierte Baumaschinen bieten mehr als reines Flottenmanagement

Michaelides sieht in der Baubranche einen gewissen Vorbehalt gegenüber vollständigen Telematik-Lösungen zur Baumaschinen-Digitalisierung. Aus seiner Sicht werden derartige Lösungen oft mit reinen Flottenmanagement-Systemen gleichgesetzt, obwohl Telematik viel mehr kann. Er verweist hier auf "Remote Diagnostics": Service-Techniker warten digitalisierte Baumaschinen aus der Ferne. Das könne besonders in heutiger Zeit, in der die Mobilität von Personal erheblich eingeschränkt sei, ein entscheidender Vorteil sein.

Schnittstellen für die zentrale Steuerung unterschiedlicher Baumaschinen

Ein wichtiges Spezialthema sind für Michaelides Jr. sogenannte AEMP Schnittstellen. Sie vereinfachen die Baumaschinen-Digitalisierung für Bauunternehmer mit einer gemischten Flotte, die aus Fahrzeugen unterschiedlicher Anbieter besteht. Denn die verschiedenen Hersteller statten ihre Maschinen mit jeweils eigener Software aus. Bauunternehmer mussten sich deshalb zur Nutzung der digitalen Möglichkeiten lange auf verschiedenen Benutzeroberflächen bewegen. Das war umständlich. Über eine AEMP Schnittstellen lassen sich die verschiedenen Maschinendaten dagegen auf ein einziges Webportal übertragen, sodass eine zentrale Steuerung möglich wird.

Digitalisierung erhält durch Covid-19 mehr Relevanz

Das Thema Digitalisierung in der Braubranche ist aus Sicht von Michaelides durch Covid-19 nochmals deutlich relevanter geworden. Die Umsetzung habe sich beschleunigt, urteilt er. "Die Pandemie bewegt die Wirtschaftswelt insgesamt", ergänzt Prof. Dr. Johannes Walther im selben Interview. Er ist Vorstandsvorsitzender der Firma IPM, die das Construction Equipment Forum gemeinsam mit den Gründungspartnern Ammann, Wacker Neuson. Robert Bosch, Strabag und Hitachi Construction Machinery organisiert.

Man habe sich für das Construction Equipment Forum 2020 deshalb entschlossen, "dem Thema Covid19 einen gewissen Stellenwert im Konferenzprogramm einzuräumen". Prof. Dr. Walther nennt als ein Beispiel Beiträge im Programm, die positive Wandlungserfahrungen durch die Krise aufzeigen. Darüber hinaus wird es Informationen zu den Marktlagen in verschiedenen Bereichen der Wertschöpfungskette geben.

Das Construction Equipment Forum findet in diesem Jahr zum dritten Mal statt. Als Standort der zweitägigen Konferenz mit begleitender Ausstellung war ursprünglich das Estrel Hotel Berlin geplant. Aufgrund der Covid-19-Pandemie gibt es nun auch beim Event selbst Veränderungen. So wird die Veranstaltung erstmals nur online durchgeführt. Mit diesem digitalen Kongress erhält die Baumaschinenindustrie in dieser angespannten Zeit eine Plattform, um aktuelle Branchenthemen zu diskutieren und wertvolle Kontakte zu knüpfen.

Aktuelle Kommentare zum Beitrag.

Wir stellen diese Frage, um automatisierten Spam zu verhindern.

Das könnte Sie auch interessieren.