Bauarbeitsmarkt hat negativen Saldo

News | Roland Riethmüller | 09.02.2015
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Wie die aktuellen Zahlen der Bauwirtschaft beweisen, leidet die Branche nachweislich unter Fachkräftemangel. Denn mittlerweile gibt es nämlich mehr ausscheidende Ruheständler als Nachwuchskräfte. Zwar bleibt durch die leicht positive Baukonjunktur das Beschäftigungsniveau in der Bauwirtschaft konstant, doch wächst der Bedarf an ausländischen Fachkräften und Maßnahmen zur Förderung und Entwicklung zusätzlicher Nachwuchskräfte.

Vor allem durch den Wohnungsbau hält sich die Baukonjunktur in Deutschland nach wie vor ziemlich konstant auf einem positiven Niveau. Davon profitiert vor allem auch der Bauarbeitsmarkt nachhaltig und bleibt im Jahresdurchschnitt 2015 ziemlich stabil bei 760.000 Beschäftigten im Bauhauptgewerbe. „Damit hat sich der Beschäftigungsaufbau zwar nicht mit der Dynamik der vergangenen Jahre fortgesetzt, bleibt aber leicht positiv und verzeichnet aktuell rund 60.000 Beschäftigte mehr als 2009, dem Tiefpunkt nach der Wiedervereinigung“, erläutert Vizepräsident Sozialpolitik des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie (HDB), Dipl.-Oec. Andreas Schmieg anlässlich der Präsentation der aktuellen Zahlen zum Bauarbeitsmarkt. Auch die Zahl der arbeitslosen Baufacharbeiter hat sich im Jahresdurchschnitt um 7,6 Prozent auf 36.500 reduziert.

Vor allem die allgemeine Entwicklung vom Bauarbeitsmarkt ist für die arbeitskräfteintensive mittelständische Bauwirtschaft besorgniserregend. Denn die Arbeitskräftereserve sei quasi aufgebraucht, womit den Betrieben praktisch keine Nachwuchskräfte mehr zur Verfügung stehen. So gehen jährlich rund 16.000 Fachkräfte in den Ruhestand, aber nur 11.800 Auszubildende rücken nach. „Damit ist die Fachkräftelücke faktisch da und wird immer größer“, so Schmieg.

Eine vorübergehende Linderung der Situation bietet demnach nur das Anwerben von ausländischen Fachkräften, vor allem aus dem europäischen Ausland wie Spanien, Portugal und Griechenland. Der HDB unterstützt das Engagement durch entsprechende Eingliederungs- und Weiterbildungsangebote. Da jedoch bereits heute schon 11,3 Prozent der Fachkräfte in der Bauwirtschaft aus dem Ausland kommen, setzt der HDB gleichzeitig auch auf eine aktive Förderung des Baunachwuchses aus dem eigenen Land. So werden Jugendliche unterstützt, die noch nicht die Voraussetzungen für eine Ausbildung erfüllen. Beispielsweise führten die Maßnahmen im Pilotprojekt „Berufsstart Bau“ im vergangenen Jahr zum Abschluss von 72 zusätzlichen Ausbildungsverträgen. Dennoch gleicht das immer noch nicht den Rückgang der Ausbildungszahlen von 0,7 Prozent oder 250 Stellen aus. Ende 2014 wurden im Bauhauptgewerbe 36.500 Auszubildende beschäftigt, obwohl die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe ungebrochen ist. Lediglich der in diesem Jahr seit drei Jahren wieder leichte Anstieg neuer Ausbildungsverträge gebe Hoffung, äußerte HDB-Vizepräsident Sozialpolitik Andreas Schmieg.

Ähnlich verhält es sich auch mit den akademischen Nachwuchskräften am Bauarbeitsmarkt. Zwar gibt es laut Statistik keine arbeitslosen Bauingenieure, doch ist die Anzahl der offenen Stellen im Vergleich zum Vorjahr um 14 Prozent gestiegen. Dabei konnte jede zehnte Neubesetzung im vergangenen Jahr erst nach sechs Monaten abgeschlossen werden. Dennoch gibt es Hoffnung auf Entspannung am Bauarbeitsmarkt, da 2014 mit rund 12.400 Erstsemestern die Zahl der Studienanfänger wieder gestiegen sei. „Damit wird spätestens 2018 eine dem Markt angemessene Zahl an Absolventen zur Verfügung stehen“, zeigt sich Schmieg zuversichtlich.

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