Baubranche hängt bei Digitalisierung weiter zurück

News , 02.12.2019 , Frank Kessler Baubranche hängt bei Digitalisierung weiter zurück
Foto: Roland Riethmüller

Die Baubranche liegt bei der Digitalisierung aktuell im Branchenvergleich unter dem Durchschnitt. Dennoch haben immerhin knapp vier von zehn Baubetrieben die digitale Transformation in ihrer Geschäftsstrategie verankert, wobei die verschiedenen digitalen Instrumente aber teils sehr unterschiedlich verbreitet sind. Das zeigt eine aktuelle Studie zur Digitalisierung im Mittelstand, die anhand von vier Handlungsfeldern den Status der Digitalisierung untersucht hat.

Der Digitalisierungsindex der Baubranche liegt in der aktuellen und damit vierten Untersuchung der Telekom “Digitalisierungsindex Mittelstand” bei 52 von 100 möglichen Punkten. Das ist ein Punkt mehr als in der Vorjahresstudie, aber weniger als der diesjährige Branchendurchschnitt von 56 Punkten. Die Fortschritte bei der Digitalisierung hängen im Baugewerbe teilweise von der Unternehmensgröße ab. Aktuell haben im Durchschnitt 37 Prozent der Unternehmen in der Branche digitale Prozesse strategisch verankert, während es im Vorjahr erst 33 Prozent waren. Bei den Bauunternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitern sind es in diesem Jahr bereits 48 Prozent. Das ist jedoch immer noch weniger als der Durchschnitt in allen Branchen, unabhängig von der Unternehmensgröße: Er liegt bei 51 Prozent.

Online-Terminbuchung ist vergleichsweise häufig möglich

Bei 30 Prozent der Bauunternehmen können Kunden Dienste mittlerweile online buchen; weitere 28 Prozent der Betriebe möchten die Onlinebuchung bald ermöglichen. Damit ist dieses Instrument der Digitalisierung relativ häufig in der Branche. Ebenfalls häufig ist die Erfassung und Verarbeitung von Kundeninformationen in einer professionellen Kundendatenbank: 30 Prozent der Bauunternehmen nutzen solch ein Instrument.

Noch deutlich seltener ist dagegen der Einsatz eines Online-Konfigurators, um Kunden von Anfang an verstärkt in Planungsprozesse einzubeziehen. 16 Prozent der Unternehmen nutzen solch einen Konfigurator bereits. Weitere 23 Prozent planen solch einen Einsatz. Virtual Reality ist ebenfalls noch nicht sehr verbreitet. Damit wird zukünftigen Bewohnern eines Bauprojekts die Möglichkeit geboten, ihr Traumhaus vorab virtuell kennenzulernen. Zwölf Prozent der Bauunternehmen verwenden dieses Instrument. 16 Prozent planen den Einsatz.

Digitalisierung birgt Vorteile für Unternehmen, denn die Nutzung digitaler Prozesse stärkt sie im Wettbewerb. 85 Prozent von ihnen konnten mit digitalen Produkten und Services die Kundenzufriedenheit erhöhen. 82 Prozent haben sich neue Märkte erschlossen und 77 Prozent behaupteten sich im Wettbewerb besser als zuvor.

Vier Handlungsfelder bestimmen den Digitalisierungsindex

Durchgeführt wurde die Studie im Sommer 2019 von Techconsult. Die Analysten befragten für sie knapp 2.100 kleine und mittelständische Betriebe aus unterschiedlichen Branchen. Die Studienautoren berechnen den Digitalisierungsindex anhand der Fortschritte in den Handlungsfeldern "Beziehung zu Kunden", "Produktivität im Unternehmen", "Digitale Geschäftsmodelle" und "IT-Sicherheit und Datenschutz". Den Spitzenwert von 100 Punkten hätte ein Unternehmen, "wenn es sämtlichen digitalen Handlungsfeldern die höchste Relevanz zugeordnete und dabei maximal zufrieden mit der eigenen Umsetzung wäre".