Bauen im Bestand boomt – Neubau verliert weiter an Boden

Bauen im Bestand wird zur neuen Leitlinie der Baubranche: Eine aktuelle Untersuchung zeigt, dass fast jede zweite Baugenehmigung im Jahr 2025 im Bestand erfolgt. Während der Neubau massiv einbricht, bleibt der Bestandsbau stabil und wird zunehmend zum wirtschaftlichen und ökologischen Anker der Bauwirtschaft. Besonders in Nordrhein-Westfalen setzen Städte auf Umbau statt Neubau. Ein klarer Trend mit weitreichenden Folgen für Bauunternehmen und Handwerksbetriebe.

Der Neubau verliert immer mehr an Bedeutung, während das Bauen im Bestand zunehmend zur tragenden Säule der Bauwirtschaft wird. Das bestätigt der aktuelle Greyfield-Index, der bundesweite Bau- und Umbaumaßnahmen im Verhältnis zueinander setzt. Der Index zeigt: Während sich die Zahl der Neubauprojekte im Jahresvergleich deutlich verringert, bleibt die Aktivität im Bestand weitgehend stabil. Das ist ein klares Indiz für einen tiefgreifenden Wandel innerhalb der Branche. Laut Erhebung wird im Jahr 2025 fast jede zweite Baugenehmigung in Deutschland für ein Projekt im Bestand erteilt. Gleichzeitig wurden bisher nach Hochrechnungen im Jahr 2025 rund 182.000 Neubauaktivitäten registriert, ein Rückgang um etwa 22 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im selben Zeitraum wird die Zahl der Baumaßnahmen im Bestand mit 136.000 angegeben. Das sind nur sechs Prozent weniger als im Jahr 2024. Täglich entstehen damit im Schnitt 450 Baugenehmigungen, also eine alle drei Minuten. „Der Bestand erweist sich als deutlich krisenresistenter als der Neubau“, erklärt Timm Sassen, Geschäftsführer der Greyfield Gruppe. „Während die Genehmigungszahlen für Neubauprojekte stark eingebrochen sind, bleiben die Zahlen im Bestand weitestgehend stabil. Das macht das Bauen im Bestand zum Stabilitätsanker der Branche.“

Nordrhein-Westfalen setzt Maßstäbe im Neubau

Besonders ausgeprägt ist die Entwicklung in Nordrhein-Westfalen. In zahlreichen Städten des Bundeslandes – darunter urbane Zentren wie Essen, Bochum oder Düsseldorf – überwiegen die Maßnahmen im Bestand. Neubau und Umbau halten sich dort inzwischen die Waage. Damit wird NRW zum bundesweiten Vorreiter für eine Entwicklung, die sich immer stärker auch in anderen Regionen abzeichnet. Sollte sich der Trend fortsetzen, könnte der Bestandsbau den Neubau bereits im Jahr 2028 deutschlandweit überholen.

Nachhaltigkeit und wirtschaftliche Faktoren treiben im Bestandsbau den Wandel

Die Gründe für die zunehmende Bedeutung des Bauens im Bestand sind vielfältig. Einerseits steht der klimapolitische Druck: Der Erhalt und Umbau bestehender Gebäude gilt als ressourcenschonender, flächensparender und emissionsärmer als ein Abriss mit anschließendem Neubau. Hinzu kommt, dass in vielen urbanen Räumen kaum noch unbebaute Flächen zur Verfügung stehen. Dadurch wird die städtebauliche Nachverdichtung zur Notwendigkeit.

Hohe Baukosten stärken den Trend zum Bauen im Bestand

Gleichzeitig führen hohe Baukosten und gestiegene Zinsen dazu, dass Investitionen in Neubauten zunehmend unattraktiv werden. Bestandsprojekte dagegen bieten stabile wirtschaftliche Rahmenbedingungen, besonders für Bauunternehmen, die auf Umbau, Sanierung und Modernisierung spezialisiert sind. „Die Zukunft des Bauens liegt im Bestand“, so Sassen weiter. „Ressourcenknappheit, Klimaschutz und veränderte gesellschaftliche Bedürfnisse machen es notwendig, vorhandene Gebäude zu transformieren, statt neue Flächen zu versiegeln.“ So macht der Greyfield-Index deutlich, dass sich die Bauwirtschaft inmitten eines Paradigmenwechsels befindet. Wer künftig erfolgreich am Markt agieren will, muss die Potenziale im Bestand erkennen und gezielt nutzen.

Wie wird sich die Bauwirtschaft entwickeln? Bestand oder Neubau?

Kommentare

0 0 Bewertungen
Wie gefällt Ihnen dieser Artikel?
Abonnieren
Benachrichtigen bei
1 Kommentar
Älteste
Neueste Meistbewertet

Neues Serielles Bauen in Modulbauweise. Neuartiges Rapp-System für bezahlbaren Wohnungs- u, Wirtschaftsbau, übertreffen naachweislich, bautechnisch und energetisch den staatlich vorgeschriebenen Vorgaben..

Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen?

Dann melden Sie sich doch gleich an zum kostenlosen E-Mail-Newsletter und lassen sich über weitere Neuigkeiten wöchentlich informieren!

Hinweis: Sie können den Newsletter von meistertipp.de jederzeit und kostenfrei abbestellen. Ihre Daten werden nur zum Versand des Newsletters genutzt. Wir geben Ihre Daten nicht weiter. Mehr Informationen zum Umgang mit Nutzer-Daten finden Sie in unserer Datenschutz-Erklärung.

Das könnte Sie auch interessieren

Messen & Kongresse Übersicht 2026

Der große Meistertipp-Kalender: Messen und Kongresse 2026 für Bauindustrie, Baugewerbe, Bauhandwerk und die Bauwirtschaft.

Newsletter

Verpassen Sie nichts mehr mit unserem kostenlosen Newsletter. So werden Sie frühzeitig über anstehende Veranstaltungen informiert und bleiben immer auf dem neusten Stand.

Hinweis: Sie können den Newsletter von meistertipp.de jederzeit und kostenfrei abbestellen. Ihre Daten werden nur zum Versand des Newsletters genutzt. Wir geben Ihre Daten nicht weiter. Mehr Informationen zum Umgang mit Nutzer-Daten finden Sie in unserer Datenschutz-Erklärung.