Bauen im Bestand: Kommt jetzt die Umbau-Pflicht?

Foto: Pressmaster / envatoelements

Die Bauministerkonferenz steht heute vor einer Entscheidung mit enormer Tragweite für Bauwirtschaft und Handwerk: Umwelt- und Bauverbände verlangen einen „Umbau-Turbo“, der Abrisse stoppt, Verfahren beschleunigt und das Bauen im Bestand zum Standard macht. In Zeiten explodierender Baukosten und steigendem Klimadruck könnten bundesweite Umbau-Regeln endlich Planungssicherheit schaffen und dringend benötigte Aufträge auslösen, statt Neubauprojekte zu blockieren.

Die Erwartungen an die heutige Bauministerkonferenz sind hoch: Umwelt- und Bauinitiativen fordern einen grundlegenden Kurswechsel in der deutschen Baupolitik. Statt immer neuer Flächenversiegelung und teurer Neubauten soll der Fokus deutlich auf Umbau, Sanierung und Umnutzung bestehender Gebäude gelenkt werden. Angesichts steigender Baukosten, knapper Rohstoffe und der Notwendigkeit, die Klimaziele endlich einzuhalten, wird eine deutliche Beschleunigung bei Bauvorhaben im Bestand verlangt. Das beinhaltet klare gesetzliche Vorgaben und weniger bürokratischen Hürden. Denn das zentrale Anliegen des Bündnisses aus Deutscher Umwelthilfe (DUH), Architects for Future (A4F) und dem Naturschutzbund Deutschland (NABU) ist es, Abrisse nicht länger zur Regel werden zu lassen. In einem offenen Brief an die Bauministerinnen und -minister der Länder kritisieren die Organisationen langwierige Genehmigungsprozesse, starren Bestandsschutz sowie Abstands- und Stellplatzpflichten, die Umbauprojekte unnötig verzögern und verteuern. Gleichzeitig sehen sie darin ein gewaltiges Hindernis für die Schaffung bezahlbaren Wohnraums, vor allem in angespannten Ballungsräumen.

Umbau als Standard statt Ausnahme

Einige Bundesländer haben in den vergangenen Monaten bereits erste Reformschritte eingeleitet. Best-Practice-Beispiele aus Baden-Württemberg oder Niedersachsen zeigen, wie Umbauordnungen Planungssicherheit schaffen und das Bauen im Bestand effizienter machen können. Nun soll ein bundesweit einheitlicher Rahmen folgen. Die DUH fordert: „Die Bauministerinnen und -minister müssen jetzt eine Novelle der Musterbauordnung auf den Weg bringen, die Altbausanierung und Umbau im Bestand gegenüber Neubau priorisiert.“ Eine Genehmigungspflicht für Abrisse könne sicherstellen, dass der Bestand zuerst geprüft und genutzt wird, bevor Gebäude weichen müssen. Darüber hinaus sollen Themen wie Stadtbegrünung, Entsiegelung und Klimaanpassung verbindlich verankert werden. Gerade eine stärkere Raumordnung könne dazu beitragen, Städte zukunftsfähiger und widerstandsfähiger gegen Extremwetter zu gestalten.

Kommunen als Schlüsselakteure für Bauen im Bestand

Auch Architects for Future mahnt, die rechtlichen Grundlagen insgesamt neu zu denken. „Baugesetzbuch, Landes-Bauordnungen und Anforderungen aus der EPBD dürfen nicht länger getrennt voneinander diskutiert werden“, heißt es von Andrea Bitter. Damit rücken Städte und Gemeinden stärker in den Fokus, denn sie steuern auf lokaler Ebene, wie wirkungsvoll Umbau gelingt. Leerstand aktivieren, Flächen effizienter nutzen, die Innenentwicklung stärken – all das erfordert schnelle Entscheidungen vor Ort und einheitliche Rahmenvorgaben.

Wohnraum schaffen, Grünflächen erhalten

Während die Baubranche dringend Aufträge braucht, dürfen ökologische Ziele nicht aus dem Blick geraten. Stefan Petzold vom NABU mahnt: „Die spürbaren Folgen der Klimakrise zeigen unmissverständlich, was es braucht: den konsequenten Erhalt unserer Grünflächen.“ Umbaukonzepte ermöglichen beides: Wohnraum zu schaffen und die Natur zu schützen. Politisch erwartet der NABU daher klare Vorgaben in der kommenden BauGB-Novelle.

Signalwirkung für die gesamte Branche

Der Ruf nach einem „Umbau-Turbo“ sendet ein deutliches Signal: Die Zukunft des Bauens liegt im Bestand. Für Bauwirtschaft, Handwerk und Planungsbüros eröffnet dies neue Marktchancen – vorausgesetzt, die Politik schafft schnell die nötigen Spielräume. Die Bauministerkonferenz könnte damit zum entscheidenden Impulsgeber für eine nachhaltige Bauwende werden.

Sollte der Umbau im Bestand in Deutschland gesetzlich zur Pflicht werden?

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Ganz wesentlich ist die Erschließung des riesigen Potentials an Aufstockungen um preiswerten Wohnraum zu schaffen. Hierfür ein praktikables Regelungswerk zu schaffen finde ich sehr sinnvoll. Hier müssten vor allem auch die Duldungspflichten für die Anwohner geklärt werden.

Was will Merz & Co oder Bert Rürup oder Verena Hubertz beim Wohnungsbau für jedes Einkommen anders machen bzw. können – und mit welchen Baupartnern?

Und, was ist an dem aktuellen Koalitionspapier in Bezug auf den Wohnungsbau anders als das Koalitionspapier der Ampel in Bezug auf den Wohnungsbau?

Bekanntlich wurde davon kein einziger Punkt, außer der Typengenehmigung, erfüllt.
Was wurde bisher dagegen bzw. dafür getan?

In den letzten 10 Jahren gab es die verschiedensten Bündnisse und Wettbewerbe mit immer der gleichen Aufgabenstellung: Intensivierung des Wohnungsbaus für Haushalte mit geringem Einkommen.

Bspw.:
• „Bündnis für bezahlbares Wohnen und Bauen“ in 2014 (Barbara Hendricks) und als Neuauflage in 2022 (Klara Geywitz)
• „Europäischen Ausschreibung für modulares und serielles Bauen“, in 2018 (GdW)
• Rahmenvereinbarung „Serielles und modulares Bauen 2.0“, in 2023 (GdW)
• Runder Tisch „Serielles, modulares & systemisches Bauen“ an der Bundesstiftung Bauakademie
• Taskforce Wachstumsinitiative Wohnungsbau (Leitung Bert Rürup)
Die haben aber alle das Ziel nicht erreicht.

Ut aliquid fieri videatur, wie wir Lateiner sagen würden.

Hilfreich wäre eine Umbaupflicht besonders, wenn damit auch eine Pflicht zu mehr barrierefreien Anpassungsmaßnahmen verbunden wäre.

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