Baugenehmigungen in Berlin auf Rekordkurs

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Foto: Roland Riethmüller

In den Jahren 2015 und 2017 wird ein neuer Rekord an Baugenehmigungen in Berlin erwartet. Laut einer aktuellen Untersuchung der Investitionsbank Berlin (IBB) wächst die Anzahl der bewilligten Wohnungen vor allem durch die vielen Zuwanderer in der Hauptstadt. Wesentlich beeinflusst wird der Anstieg ebenfalls durch die anhaltende Flucht der Kapitalanleger in Sachwerte und übertrifft damit noch den einstigen Rekord der 90er Jahre.

In den ersten drei Quartalen des vergangenen Jahres wurden in Berlin bereits 14.466 Wohnungen bewilligt. Das meldet das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg und weist damit einen Anstieg um 5.500 bzw. 61,4 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert aus. „Im Gesamtjahr dürfte es zu einer Steigerung der Baugenehmigungen auf rund 20.000 Einheiten kommen“, prognostiziert Rolf Friedhofen. Der IBB-Vorstandsvorsitzende rechnet mit Baumaßnahmen zu drei Viertel an Neubauten und einem Viertel an Bestandsbauten. Damit beträgt der Anstieg an Baugenehmigungen für den Neubau 76,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr und für Baumaßnahmen an bestehenden Gebäuden 4,3 Prozent.

Die Anzahl der Baugenehmigungen für Wohnungen ist seit dem Jahr 2011 kontinuierlich gestiegen und wird 2015 und 2017 mit prognostizierten 35.000 den einstigen Rekord aus der Bauphase „Aufbau Ost“ der 90er Jahre noch übersteigen. Damals wurden fast 30.000 Baugenehmigungen in Berlin gezählt, von denen fast 70 Prozent auf die Ostbezirken entfielen.

Als wesentliche Gründe für den starken Anstieg der Baugenehmigungen sehen die IBB-Volkswirte die anhaltende Unsicherheit auf den Finanzmärkten und damit ein wachsendes Interesse der Anleger an sogenanntem „Betongold“. Dessen Attraktivität steigt vor allem durch den andauernden Zustrom an Einwohnern. Denn aktuell wächst die Zahl der Einwohner, Beschäftigten und Haushalten in Berlin mit einem jährlichen Nettozuwanderungssaldo von 40.000 Personen. Da eine durch Bevölkerungsanstieg bedingte Bautätigkeit erst nach zwei bis drei Jahren anläuft, befand sich die Neubautätigkeit im Wohnungsbau in den vergangenen Jahren auf einem niedrigen Niveau. Dadurch bietet Berlin im Gegensatz zu anderen Städten noch ein großes Potential an Flächen für den Wohnungsneubau.

Diese zeitliche Verzögerung von der Baugenehmigung bis zur Fertigstellung des Wohnraums liegt vor allem an der Berliner Bauverordnung. Demnach darf die Bauausführung erst nach der Zustellung der Baugenehmigung an den Bauherren beginnen. Dazu müssen die erforderlichen bautechnischen Nachweise und die Baubeginnanzeige der Bauaufsichtsbehörde rechtzeitig vorgelegt werden. Wenn die Baumaßnahmen nicht innerhalb von drei Jahren nach Bewilligung der Baugenehmigung starten, erlischt die Baugenehmigung. Dies führt im Schnitt zu einer Fertigungsquote von knapp 70 Prozent. Davon werden fast 30 Prozent der Baugenehmigungen im Folgejahr umgesetzt. Gut 35 Prozent der Bauvorhaben werden erst zwei Jahre nach der Baugenehmigung realisiert. Hinzu kommen noch rund 1.000 jährlich fertiggestellte Wohnungen, deren Baugenehmigung drei oder mehr Jahre alt sind.

Nach diesem Rechenmodell wird von 2014 bis 2017 mit einer Baufertigstellung von rund 55.000 Wohnungen gerechnet, davon knapp 8.200 allein in 2014 auf Grundlage von 20.000 Baugenehmigungen. Durch diese Verzögerung wird sich die Wohnungssituation in Berlin zwar fortwährend verbessern, doch wohl erst in den nächsten Jahren abschließend entspannen.

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