Baugenehmigungen steigen, doch Bauaufträge bleiben zurück

Foto: Roland Riethmüller

Trotz steigender Genehmigungszahlen bleibt die erhoffte Trendwende am Bau fragil. Zwar wächst die Zahl geplanter Wohnungen deutlich, doch auf den Baustellen kommt davon bislang zu wenig an. Sinkende Auftragseingänge, hohe Baukosten und schwierige Finanzierungen belasten Bauunternehmen und Handwerksbetriebe. Die Bauwirtschaft fordert daher schnellere Verfahren, die schnelle Einführung vom Gebäudetyp E und eine verlässliche Neubauförderung, damit aus geplanten Wohnungen tatsächlich neue Bauaufträge entstehen. 

Die Baugenehmigungen im Wohnungsbau steigen weiter und machen Bauunternehmen sowie Handwerksbetrieben Hoffnung auf mehr Aufträge. Im Juli 2026 wurden 22.500 Wohnungen genehmigt. Das sind 1,9 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Seit Jahresbeginn summieren sich die Genehmigungen auf 148.800 Wohnungen und damit auf ein Plus von 12,9 Prozent. Besonders deutlich zeigt sich die Belebung im Geschosswohnungsbau. Von Januar bis Juli wurden 79.700 Wohnungen genehmigt, 15,1 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Bei Ein- und Zweifamilienhäusern stieg die Zahl um 13,0 Prozent auf rund 36.800 Wohnungen. Allerdings kommen die höheren Baugenehmigungen bislang nicht ausreichend auf den Baustellen an. Der reale Auftragseingang liegt nach Angaben der Bauindustrie im Minus. Zudem meldeten im August 13 Prozent der vom ifo Institut befragten Unternehmen Stornierungen. Daher warnen Bauindustrie, Baugewerbe und Wohnungswirtschaft gleichermaßen vor zu hoher Euphorie. Denn hohe Baukosten, schwierige Finanzierungen und unsichere Förderbedingungen gefährden die Trendwende.

Baubranche trotz steigender Baugenehmigungen unter Druck

Von einer echten Trendwende will die Bauindustrie deshalb noch nicht sprechen. „Die Indikatoren zeigen deutlich, dass der Wohnungsbau den Wendepunkt noch nicht erreicht hat“, erklärt Tim-Oliver Müller, Hauptgeschäftsführer des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie (HDB). „Auch die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute haben ihre Prognosen für den Wohnungsbau nach unten revidiert und gehen für 2026 von rückläufigen Bauinvestitionen aus.“

Auf das niedrige Ausgangsniveau verweist auch das Baugewerbe. Dem jährlichen Bedarf von rund 320.000 Wohnungen stehe weiterhin eine deutlich zu geringe Bautätigkeit gegenüber. Deshalb fordert der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB) schnellere Verfahren. Gleichzeitige Behördenbeteiligungen, feste Regelfristen für die Bauleitplanung und eine Genehmigungsfiktion bei behördlichem Schweigen sollen Planungen beschleunigen. Gleichzeitig müsse der Gebäudetyp E endlich umgesetzt werden.

Hohe Baukosten bremsen neue Projekte im Wohnungsbau

Doch schnellere Genehmigungen allein dürften nicht reichen. Der Spitzenverband der Wohnungswirtschaft GdW sieht vor allem die Wirtschaftlichkeit als entscheidendes Problem. „Die steigenden Genehmigungszahlen zeigen: Es gibt den Willen, Wohnungen zu bauen. Entscheidend ist aber, ob sich diese Wohnungen zu Mieten realisieren lassen, die die Menschen bezahlen können“, bestätigt GdW-Präsident Axel Gedaschko. „Genau daran scheitern weiterhin zu viele Vorhaben. Unsere sozial orientierten Wohnungsunternehmen vermieten dauerhaft günstig und können hohe Bau- und Finanzierungskosten nicht einfach weiterreichen.“ Die Wohnungswirtschaft fordert daher weniger kostentreibende Anforderungen, mehr serielles und modulares Bauen sowie einen rechtssicher verankerten Gebäudetyp E. Gleichzeitig soll die Förderung verlässlich bleiben. Der GdW verlangt unter anderem eine Fortführung der EH55-Plus-Förderung über das Jahresende hinaus. Zusätzliche Unsicherheit schafft die Diskussion über Kürzungen von 1,36 Milliarden Euro beim Neubau-Etat 2027. Für Bauunternehmen entscheidet sich damit erst noch, ob aus den steigenden Baugenehmigungen tatsächlich neue Bauaufträge werden.

Bringen mehr Baugenehmigungen endlich die Trendwende am Bau?

Kommentare

0 0 Bewertungen
Wie gefällt Ihnen dieser Artikel?
Abonnieren
Benachrichtigen bei
1 Kommentar
Älteste
Neueste Meistbewertet

Der Bauüberhang lag Ende 2025 bei 760.700 Wohnungen. Also Baugenehmigungen mit Grundstück.
Es könnte gebaut werden. Aber es rechnet sich nicht.

Aber, ein Immobillist, der Wohnungen bauen lässt, will diese Wohnung durch vermieten oder verkaufen wirtschaftlich ertragreich verwerten. Denn das ist der Sinn dieser Tätigkeit.

Aber, wenn die Ewiggestrigen und Besitzstandswahrer im Wohnungsbau mit der Immobilienverwertung allgemein eine EK-Rendite von weniger als 3% erwirtschaften bzw. erzielen können, ist das kein wirklich erstrebenswertes Resultat.

Egal was die Politik hinsichtlich des kostengünstigen Wohnungsbaus verkündet, diejenigen, deren Einkommen bzw. Honorare durch die Höhe der Baukosten bestimmt werden, haben kein Interesse an niedrige Baupreise beim Bau von Wohnungen.
Also Baubetriebe, Makler, Architekten, Projektentwickler, Notare, Steuerbehörde oder auch die Fonds-Verwalter.

Deshalb das ewige Geschrei nach Subventionen.
Also sogenannter geförderter Wohnungsbau in Verbindung mit der Sozialbindung, die nach 15 Jahren wegfällt.
Der Mieter muss dann die marktüblichen Mieten bezahlen oder ausziehen.
Also immer zum Nachteil des Mieters.

Eine Alternative im Wohnungsbau mit Mieten für jedes Einkommen und ohne Subventionen wäre die Entflechtung von der Beton-Fraktion hin zu effizienteren Bauweisen.

Eine Kosten- und Bauzeitreduzierung entsteht vor allem durch Optimierung von Effizienz bei Ressourcen und Prozesse.
Weniger Material, weniger Bauteile, weniger Prozesse, weniger Kosten, weniger Bauzeit,

Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen?

Dann melden Sie sich doch gleich an zum kostenlosen E-Mail-Newsletter und lassen sich über weitere Neuigkeiten wöchentlich informieren!

Hinweis: Sie können den Newsletter von meistertipp.de jederzeit und kostenfrei abbestellen. Ihre Daten werden nur zum Versand des Newsletters genutzt. Wir geben Ihre Daten nicht weiter. Mehr Informationen zum Umgang mit Nutzer-Daten finden Sie in unserer Datenschutz-Erklärung.

Das könnte Sie auch interessieren

Messen & Kongresse Übersicht 2026

Der große Meistertipp-Kalender: Messen und Kongresse 2026 für Bauindustrie, Baugewerbe, Bauhandwerk und die Bauwirtschaft.

Newsletter

Verpassen Sie nichts mehr mit unserem kostenlosen Newsletter. So werden Sie frühzeitig über anstehende Veranstaltungen informiert und bleiben immer auf dem neusten Stand.

Hinweis: Sie können den Newsletter von meistertipp.de jederzeit und kostenfrei abbestellen. Ihre Daten werden nur zum Versand des Newsletters genutzt. Wir geben Ihre Daten nicht weiter. Mehr Informationen zum Umgang mit Nutzer-Daten finden Sie in unserer Datenschutz-Erklärung.