Baugenehmigungen steigen, Wohnungsbau bleibt in der Krise

Foto: seventyfourimages / envatoelements

Die Baugenehmigungen steigen wieder, doch die Wohnungsbaukrise ist nach Einschätzung führender Verbände noch lange nicht überwunden. Zwar wurden im Mai 2026 fast ein Viertel mehr Wohnungen genehmigt als ein Jahr zuvor, doch hohe Baukosten, teure Finanzierungen und fehlende Planungssicherheit verhindern vielfach den Baustart. Der Aufwärtstrend bei den Baugenehmigungen führt für Bauunternehmen und Handwerksbetriebe bislang kaum zu mehr Aufträgen. 

Die Zahl der Baugenehmigungen steigt wieder deutlich. Im Mai 2026 wurden bundesweit 21.000 Wohnungen genehmigt. Das sind 24,7 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Auch im bisherigen Jahresverlauf zeigt die Statistik nach oben. Dennoch sehen Bauwirtschaft, Wohnungswirtschaft und Immobilienbranche darin noch keine Trendwende. Hohe Baukosten, teure Finanzierungen, fehlende Planungssicherheit und eine schwache Nachfrage verhindern nach Einschätzung vieler Verbände, dass aus den genehmigten Projekten tatsächlich neue Wohnungen entstehen. So genehmigten die Behörden von Januar bis Mai 2026 insgesamt 104.700 Wohnungen. Das entspricht einem Plus von 15,4 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Besonders der Geschosswohnungsbau legte mit 56.100 genehmigten Wohnungen um 18,9 Prozent zu. Auf dem Papier deutet damit vieles auf eine Erholung hin. In der Praxis bleibt die Baukonjunktur jedoch unter Druck. So spiegelt sich die schwache Nachfrage auch in den aktuellen ifo-Daten wider. Das ifo Institut meldet für Juni eine erneute Eintrübung des Geschäftsklimas im Wohnungsbau. Sowohl die aktuelle Lage als auch die Erwartungen der Unternehmen verschlechterten sich. Immer mehr Unternehmen berichten über Auftragsmangel, während die Erwartungen auf den niedrigsten Stand seit März 2025 gefallen sind. Gleichzeitig berichten immer mehr Betriebe über fehlende Aufträge und eine weiterhin hohe Stornierungsquote. „Die Hoffnung auf eine schrittweise Erholung hat erneut einen Dämpfer erhalten“, bestätigt ifo-Experte Klaus Wohrabe. Zudem gebe es derzeit „keine Anzeichen für eine nachhaltige Belebung des Wohnungsbaus.“

Mehr Baugenehmigungen, aber kaum neue Baustellen

Denn vor allem die steigenden Bau- und Finanzierungskosten bremsen den Wohnungsbau. Nach Angaben des Zentralverbands des Deutschen Baugewerbes (ZDB) verteuerten sich Neubauten im Mai gegenüber dem Vorjahr um fünf Prozent. Viele bereits genehmigte Projekte würden deshalb wirtschaftlich nicht mehr funktionieren. „Der Aufwärtstrend auf dem Papier hält damit an“, warnt ZDB-Hauptgeschäftsführer Felix Pakleppa. Gleichzeitig verweist er darauf, dass zahlreiche Baugenehmigungen wegen gestiegener Finanzierungskosten wieder verfallen und fordert mehr Tempo bei Reformen wie dem Gebäudetyp E sowie langfristig verlässliche Förderprogramme. Auch der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) sieht trotz positiver Statistik keine Entwarnung. „Die positive Entwicklung bei den Baugenehmigungen ist gut, aber sie kommt bislang nicht in den Auftragseingängen an“, erklärt HDB-Hauptgeschäftsführer Tim-Oliver Müller. „Die Krise im Wohnungsbau ist daher noch lange nicht überwunden.“ Gleichzeitig fordert er strukturelle Reformen, unter anderem mehr Digitalisierung, serielle Bauweisen sowie kostenreduzierte Normen, um dauerhaft günstiger bauen zu können.

Verbände fordern verlässliche Rahmenbedingungen im Wohnungsbau

Auch die Wohnungswirtschaft warnt davor, die steigenden Genehmigungszahlen überzubewerten. „Die Genehmigungszahlen bewegen sich in die richtige Richtung, allerdings von einem niedrigen Niveau aus“, betont GdW-Präsident Axel Gedachko. Entscheidend sei nicht die Statistik, sondern ob Projekte tatsächlich gebaut würden. Hohe Baukosten, Finanzierung und zusätzliche Anforderungen führten weiterhin dazu, dass viele Vorhaben als sogenannte Schubladenprojekte liegen blieben. Der Immobilienverband Deutschland (IVD) schlägt in dieselbe Kerbe. „Der Aufschwung im Wohnungsbau bleibt Theorie“, ist IVD-Präsident Dirk Wohltorf überzeugt. „Von einer Erholung sind wir weit entfernt.“ Er fordert einen schnellen politischen Impuls für mehr Planungssicherheit und Investitionsanreize, damit aus steigenden Genehmigungen wieder mehr bezahlbarer Wohnraum entsteht.

Steigende Baugenehmigungen – kommt der Wohnungsbau jetzt endlich in Schwung?

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