Baugewerbe auch 2021 uneinig - Tarifverhandlung vertagt

News | Frank Kessler | 14.05.2021
Baugewerbe auch 2021 uneinig - Tarifverhandlung vertagt
Foto: Roland Riethmüller

Ohne Ergebnis sind Anfang dieser Woche die Tarifverhandlungen für die 890.000 Beschäftigten im Bauhauptgewerbe vertagt worden. In der zunächst eintägigen Verhandlung hatten die Arbeitgebervertreter ein frühes Angebot offeriert. Dieses wurde von den Arbeitnehmervertretern als unzureichend bezeichnet und zurückgewiesen. Aufgrund der immer noch sehr positiven Baukonjunktur erwarten sie ein deutlich stärkeres Entgegenkommen. Alle Hoffnungen liegen nun auf der nächsten Tarifverhandlung Mitte Juni.

"Nach einer intensiven achtstündigen Verhandlung haben uns die Arbeitgeber ein absolut unzureichendes Angebot vorgelegt", beschwert sich Carsten Burckhardt, Mitglied des Bundesvorstands der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU). "Für 24 Monate lediglich drei Prozent mehr Lohn und Gehalt werden der Leistung unserer Beschäftigten nicht gerecht". Weiterhin bemängelt Burckhardt, dass die Bauunternehmer auf das Thema Wegezeit überhaupt nicht eingegangen seien. Nur beim Thema Angleichung der Gehälter in Ost und West hätten die Arbeitgeber eingesehen, dass auch hier nachgebessert werden müsse.

Forderungspaket für die Beschäftigten im Bauhauptgewerbe

Die Bauwirtschaft hat mit 143 Milliarden Euro eine Umsatzsteigerung von sechs Prozent für sich verbuchen können. Das sind rund 77 Prozent mehr, als noch vor zehn Jahren. In diesem Jahr ist mit weiteren Umsatzsteigerungen zu rechnen. Laut dem Ifo-Geschäftsklimaindex kann das Bauhauptgewerbe mit einem Plus von 2,3 Prozent rechnen. Aufgrund dieser äußerst positiven konjunkturellen Lage der Bauwirtschaft ist die IG BAU mit großem Selbstbewusstsein in die Verhandlungen gegangen und hatte zuvor ein konkretes Forderungspaket für die 890.000 Beschäftigten im Bauhauptgewerbe beschlossen. Demnach sollen die Beschäftigten 5,3 Prozent mehr Lohn und Gehalt bekommen. Außerdem soll das Modell zur Entschädigung der Wegzeiten weiterentwickelt werden. Darüber hinaus sollten die Löhne im Osten dem Westeinkommen angeglichen werden. Ein Jahr soll die Vertragslaufzeit betragen.

Baugewerbe soll höher Löhne und Gehälter sowie eine Wegstreckenentschädigung erhalten

Der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) und der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB) legten als Arbeitgebervertreter ein früheres Angebot mit einem Gesamtvolumen von drei Prozent vor. "Mit unserem Angebot, das wir der IG BAU bereits heute, in der ersten Runde unterbreitet haben, wollen wir ein Zeichen setzen, dass wir an einem zügigen Abschluss ohne Schlichtung interessiert sind", erklärt ZDB-Vizepräsident Uwe Nostitz nach Verhandlungsende. Laut dem Verhandlungsführer der Arbeitgeber würde dieses Volumen für die Erhöhung von Löhnen und Gehältern und für die Wegstreckenentschädigung eingesetzt werden. Außerdem hätten sich die Arbeitgeber zu einer Angleichung der Ost-West-Löhne bereit erklärt. HDB-Vizepräsidentin Jutta Beeke bestätigt, dass das Gesamtvolumen und eine längere Tariflaufzeit von großer Bedeutung seien. Denn nur das würde letztendlich mehr Planungssicherheit schaffen. Die nächste Tarifverhandlung ist für den 21. Juni 2021 festgelegt.

Aktuelle Kommentare zum Beitrag.
  (Geschrieben von Daniel Apel am 16.05.2021 )

Ich bin über 6 jahre dabei. Ich finde es richtig das jemand für die Arbeiter einsetzen tut. Die wege in der Freizeit werden länger und man bekommt nicht einmal eine fahrt bezahlt.  Ich bin meistens über 12 Stunden von zu hause unterwegs.  Man sollte wenigstens eine Strecke bezahlt kriegen.  

  (Geschrieben von Dieter Wunderlich am 16.05.2021 )

Warum gibt es bei uns noch kein Ausfallgeld bei Regen im Sommer , in Belgien und Österreich gibt es sowas schon seit langen . In Belgien hat man das Recht auf eine 4 Tage Woche wenn man 20 Jahre am Bau gearbeitet hat und 50Jahre ist , warum machen wir sowas nicht in Deutschland ab 60Jahre?

  (Geschrieben von Marcel am 17.05.2021 )

Warum wird erst Mitte Juni wieder getagt? Dann geht's so wie letztes Jahr,dass es wieder ewigkeiten dauert bis Einigung entstehen.

Kann ja nicht sein,dass der Bau boomt und die Arbeitnehmer,die diese Leistung vollbringen immer nur hingehalten werden.

 

Mal abwarten ob es durch Corona alles wieder so lange dauert.

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