Baugewerbe braucht mehr Mut für Digitalisierung

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Foto: Roland Riethmüller

Wie bei Fax, E-Mail oder IT-Technologie ist auch die Digitalisierung am Bau nicht aufzuhalten. Doch je nach Größe, Gewerk und Aufgabengebiet werden sich die Betriebe im Baugewerbe unterschiedlich schnell den neuen Chancen stellen. Daher ist die Politik gefragt, vor allem kleinere Baubetriebe besser an neue Technologien und Abläufe wie zum Beispiel BIM heranzuführen.

Das Thema “Digitalisierung” ist in Deutschland längst angekommen und wird von der Bundesregierung entsprechend ernst genommen. So greift diese Entwicklung immer stärker in alle Wirtschaftsbereiche ein und macht auch vor der Bauwirtschaft nicht halt. Doch während sich die Bauindustrie bereits in Pilotprojekten mit den Grundlagen von Building Information Modeling, kurz BIM auseinandersetzt, sind viele kleinere Betriebe im Baugewerbe noch skeptisch.

Datenschutz und Datensicherheit als größtes Problem

Laut einer Metaanlyse von 46 Studien des Instituts der Deutschen Wirtschaft Köln (IW) steht die Sorge vor Digitalisierung sinnbildlich für den Mittelstand. Denn rund die Hälfte der Betriebe sieht vor allem im Datenschutz und der Datensicherheit eine große Herausforderung. Ihrer Meinung nach droht die Gefahr vor allem dann, wenn Prozesse, Maschinen und Menschen eng miteinander vernetzt werden. Recht geben ihnen dabei die wachsenden Zahlen von Cyber-Kriminalität. Immerhin fehlen vielen Mittelständlern das Know-How und die Ressourcen, Sicherheitsprobleme aufzudecken und sich entsprechend dagegen zu schützen.

Ohne Infrastruktur fällt die Digitalisierung schwer

Doch nicht nur Datenschutz und Datensicherheit hemmen die Digitalisierung am Bau. Vielen Betrieben fällt es schwer, den Nutzen der hohen Investitionen einzuschätzen. Da die Digitalisierung der Wertschöpfungskette äußerst komplex ist, nennen etwa die Hälfte der Mittelständler die Innovationskosten als wichtigsten Grund für den langsamen digitalen Wandel in Deutschland. Dipl.-Ing. Laura Lammel, kooptiertes Vorstandsmitglied des Zentralverbands des Deutschen Baugewerbes (ZDB) und stellvertretende Obermeisterin der Baugewerbe-Innung München, hat ihre eigene Erklärung für diese Situation: “Wir können lange über die Notwendigkeit diskutieren, Prozesse zu digitalisieren, mit BIM, Building Information Modeling, zu arbeiten, wenn die Hardware dafür nicht flächendeckend vorhanden ist.” So fehlt neben Know-How, Standards und rechtlichen Rahmenbedingungen in vielen Regionen auch immer noch der zwingend erforderliche Breitbandausbau. “Wir brauchen über viele Aspekte von Digitalisierung überhaupt nicht zu diskutieren, wenn die dafür notwendigen Netze nicht existieren bzw. zu schwach sind.”

BIM als Allheilmittel der Bauwirtschaft

Trotzdem ist BIM aktuell in der Bauwirtschaft in aller Munde und wird als Lösung für alle Probleme mangelnder Zusammenarbeit angesehen. Schließlich wird BIM in den nächsten Jahren nicht nur bei den großen sondern auch zunehmend kleinen Bauvorhaben eingesetzt werden. “Wir werden uns daher weiter mit BIM befassen müssen. Denn wir werden früher oder später mit BIM arbeiten, ob wir das heute wollen oder nicht, spätestens dann, wenn unsere Auftraggeber das verlangen”, erklärt Lammel. So steht BIM gemeinhin für die Optimierung der Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten bei Projekten. “Denn durch eine digitale Simulation des Projektes werden Fehler in der Planung minimiert, eine schnelle Kalkulation erlaubt und potentielle Mehrkosten durch Planänderungen beziffert.”

Digitalisierung ist mehr als nur BIM

Doch auch wenn BIM im Moment als Sinnbild für die Digitalisierung am Bau steht, es geht vielmehr um die Digitalisierung der kompletten Wertschöpfungskette am Bau. Dies beginnt bei der Erhebung, Nutzung und Auswertung der gesammelten Daten für die verschiedenen Geschäftsprozesse. Aber auch der Einsatz neuer Technologien, die Automation, Vernetzung und Synchronisation bislang voneinander getrennter Aktivitäten und der digitale Zugang zum Internet, bzw. interner, geschützter Netze und Plattformen gehört dazu.

Um die Digitalisierung am Bau weiter zu fördern, muss daher aus Sicht des Baugewerbes der Prozess stärker von der Bundesregierung unterstützt werden. Außerdem darf BIM nicht dazu dienen, die klassische Trennung zwischen Planung und Ausführung aufzuweichen. Lammel fordert dabei auch die Erhaltung der rechtlichen Rahmenbedingungen zur vorrangigen Vergabe von Fach- und Teillosen im Vergaberecht. Dafür werden Standards, Normen und Richtlinien benötigten, die ähnlich der GAEB-Schnittstelle eine herstellerneutrale Zusammenarbeit aller Beteiligten der Wertschöpfungskette ermöglicht. Wichtig sei in dem Zusammenhang auch der Wissensaufbau bei der Öffentlichen Hand, da der Stufenplan BIM des BMVi ansonsten keinen Sinn macht. “Wer sich der Digitalisierung nicht stellt, wird den Anschluss verlieren und am Ende nicht mehr konkurrenzfähig sein”, warnt Lammel.

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